Hilfe, ich will wieder heim. Sofort.

Hab ich mir zumindest gedacht, als ich im Taxi saß und mir halbwegs sicher war, dass der Taxifahrer sich entweder gar nicht auskennt oder mit Absicht einen großen Bogen fährt. Zwischendrin reichte er mir mehrmals sein Handy, dass ich den Namen von dem Hostel eingebe, dass er weiß, wo er hinfahren soll, obwohl ich ihm das Buchungsblatt gegeben habe, auf dem eine Adresse steht. Anschnallen ging da übrigens auch nicht. Aber naja kann man nichts machen außer hoffen, dass man gesund ankommt, obwohl der Verkehr hier echt der Wahnsinn ist. Ständig wird gehupt, sich reingedrängelt oder mal auf zwei Spuren gefahren. Mein Fahrer suchte während der Fahrt mit seinem Handy den Weg zu meinem Hostel und fuhr dabei mit dem Seitenspiegel an den Seitenspiegel eines anderen Autos, aber die einzige Reaktion war ein „Huch“ (oder so etwas in der Art) und dann machte er das Fenster runter, nahm eine Plastikflasche und drückte den Spiegel wieder nach außen, dass er etwas sehen konnte. Kein Anhalten, schauen, ob man etwas am eigenen Spiegel oder am Spiegel des anderen sieht. Eben eine andere Mentalität. Irgendwann hielt er mitten auf der Straße und zeigte in eine Richtung und sagte so etwas wie: „This way 100meters on the right side your hostel“, also „In dieser Straße nach 100m auf der rechten Seite ist dein Hostel“. Ich war erstmal erleichtert, weil ich gedacht habe, ich komme nie mehr an. Dann zahlte ich ihm 300Baht, sicherlich viel zu viel, aber das sind ca. 9€ und bevor ich am ersten Tag noch mehr Stress habe, habe ich ihm das durchgehen lassen. Und dann ging die Suche los… tausende Schilder, unmöglich dabei ein Top Inn Schild zu finden, so heißt nämlich mein Hostel. Ich fragte in zwei anderen „Inn’s“ nach und sie schickten mich weiter die Straße entlang. Ich war mir wieder sicher, dass ich hier nur falsch sein kann und fragte dann in einer Wechselstube nach. Die Frau darin konnte ich akustisch kaum verstehen, weil auf der Straße richtig laute Musik aus irgendwelchen Boxen an irgendwelchen Ständen kam, aber sie schickte ihren Kollegen raus und er zeigte auf ein Schild „B… Inn“, ich dachte: Vielleicht heißt das ja jetzt anders und bin losmarschiert, natürlich voll gepackt, hinten Rucksack, vorne Rucksack. Ich lief dann unter dem Schild durch und dann war das eine Mini-Gasse mit Läden rechts und links. Ich dachte, das wäre schon direkt der Eingang! Als ich dann das B… Inn gefunden habe, schickten die mich auf die andere „Straßen-“seite und da war ich dann tatsächlich richtig!! Und zu meiner großen Freude war die Frau am Empfang sehr geduldig, sehr nett und höflich und das Englisch war auch halbwegs zu verstehen. Ich bekam dann den Schlüssel Nummer 19 und sie beschrieb mir den Weg zu meinem Zimmer: Treppe hoch und links, gleich das erste Zimmer und genau so war es auch. Internet gibt es auch, kostet natürlich mal wieder extra, aber dadurch, dass mich das EINZELzimmer mit EIGENEM Bad nur 16€ die Nacht kostet, ist das ok. Außerdem sind das nur 100Baht für 24 Stunden, das sind umgerechnet 2,70€.

IMG_6717 IMG_6716 IMG_6715

Das Zimmer ist dann ganz ok, relativ groß, finde ich, das Bad ist allerdings sehr klein und ich dachte erst, ich hätte gar keine Dusche, aber sie ist nur nicht abgetrennt, wenn man duscht können also Waschbecken und Klo mit nass werden, aber es gibt schlimmeres. Zum Beispiel, dass ich noch kein Mückenspray habe. Ich wollte mir eigentlich noch am Flughafen eines kaufen, hab das aber dann vergessen und bin direkt nach dem Ticketkauf (45Baht) mit dem Airport Rail Link, also einem Zug vom Flughafen in die Innenstadt, gefahren. Das hat mir die nette junge Frau erzählt, die auf der Strecke von Frankfurt nach Abu Dhabi neben mir saß. Wir haben erst kurz vor der Landung angefangen uns zu unterhalten, aber dann nicht mehr aufgehört. Der Weiterflug hatte dann 25 Minuten Verspätung und in der Zeit erfuhr ich z.B. von ihr, dass sie auch in Würzburg studiert, für mich kocht, wenn ich wieder zurück in Würzburg bin, sie aus Bangkok kommt, hier ist, weil ihre Oma krank ist, sie International Business studiert und mich mag :). Sie meinte auch, ich könne sie wegen Bangkok alles fragen, was ich will, also fragte ich gleich nach dem besten Weg für mich zu meinem Hostel und sie sagte: Airport Rail Link und danach Taxi. Also hab ich das gemacht und bin nach einigen Umständlichkeiten tatsächlich angekommen. An das Englisch-Sprechen habe ich mich auch erstaunlich schnell gewöhnt: Sie, übrigens ist ihr Name Wahny Trakulchoksathien und ich habe sie schon in Facebook adden dürfen ;-), spricht nämlich noch wenig Deutsch und deswegen habe ich mit ihr eigentlich nur Englisch geredet. Auf dem Weiterflug saß ich dann neben einem netten Pärchen aus Nordrhein-Westfalen und durfte nochmal ausgiebig Deutsch reden, aber beim Aussteigen habe ich mich dann wieder mit „meiner“ thailändischen Würzburgerin getroffen und wir redeten wieder nur Englisch. Auch beim Nach-dem-Weg-fragen, sprach ich natürlich Englisch und als ich dann hier am aus-, um-, neupacken war, gingen mir auch nur englische Gedanken durch den Kopf: Should I take this with me? No, it’s too heavy and it’s not that important. What do I have to do? I must check the weather for tomorrow and my mails because of the daytrip tomorrow. Und so weiter. Ich musste mich zwischendrin richtig ermahnen, auch mal wieder deutsch zu denken Geht ganz schön schnell, aber ist ja auch eines der Ziele der Reise. Das war mir heute einfach mal zu viel Abenteuer für einen Tag und vor allem für meinen ersten Tag. Sonstige Erkenntnisse: Flughäfen können verdammt riesig sein eine Verspätung muss nicht immer schlechte Folgen haben, sondern kann sogar eine neue Freundschaft mit sich bringen in Thailand fährt man links und über durchgezogene Linien für das Zimmer muss ich 1000Baht Kaution zahlen meine Zipverschluss-Tüten waren eine der besten Anschaffungen für meine Reise mein Englisch ist besser als gedacht mein Adapter, den ich vor Wochen gekauft hatte, war nur für USB, aber das haben wir zum Glück noch am Flughafen gemerkt und ich konnte mir einen neuen kaufen, beziehungsweise kaufen lassen. Danke Schatz! die Verabschiedung fiel mir 10000000000mal schwerer als ich je gedacht habe ich nehme mir vor, den Straßenverkehr hier so gut es geht zu meiden ich komme sicherlich nicht eher von den Inseln zurück, um mir noch mehr Bangkok anzusehen, das hat mir heute wirklich gereicht. Außer der Tag morgen vermittelt mir doch noch ein besseres Bild von dieser vollen, lauten, stinkenden Stadt ich habe kaum Fotos gemacht, weil ich einfach nur in mein Zimmer wollte, also wurden zwischen Flughafen und Hostel nicht geknipst und nochmal rausgehen wollte ich nicht, weil mich sogar meine neue thailändische Freundin davor gewarnt hat Proteste oder Straßensperren habe ich keine mitbekommen Ich bin unheimlich froh, bald nach Chiang Mai und zu den Bergvölkern zu dürfen, das ist mir hier zu viel Trubel, zu viele Menschen, zu viel Musik, zu viele Stände, zu viele Autos, einfach von allem zu viel. Hostelzimmerwände sind sehr hellhörig. Natürlich ist so eine Reise auch psychisch anstrengend und grad am ersten Tag/in der ersten Nacht, ist das wirklich viel zu verarbeiten. Die Verabschiedung am Flughafen hat mir doch auch mehr zugesetzt als gedacht. Gerade würde ich wirklich am liebsten wieder heim, sofort. Bloß keine Minute länger in diesem Bangkok sein. Danke sagen möchte ich an meine neue Bekanntschaft (bis bald in Würzburg!) und an die Dame von der Rezeption im Hostel und die Thailänder, die mir dabei geholfen haben, mein Hostel überhaupt zu finden, sowie an die Fluggesellschaft Etihad, die Flüge waren toll, die Sitze bequem und verstellbar, wir bekamen Abendessen und Frühstück auf dem einen und Mittagessen auf dem anderen Flug, durften sogar von kleinen Speisekarten wählen und es war (gerade für Flugzeugessen) sehr lecker! Decke und Kissen waren auch für jeden in Plastikfolie verpackt und den Kopfhörer konnte man super brauchen, um sich bei der großen Auswahl an Filmen (auch in deutsch), Musik und Sonstigem etwas Schönes auszusuchen. Das Personal war auch sehr freundlich und geduldig. Die einzige Kritik am Flug ist, dass ich nicht schlafen konnte, aber das lag an mir selbst, dass ich generell eher schlecht schlafe und in sich bewegenden Teilen sowieso. Eine Reisetablette musste ich auch schon nehmen, nach 9 Stunden durchgeschüttelt werden oder ständigem leichten Vibrieren des Flugzeugs, wusste ich nicht, wie ich das weitere drei Stunden aushalten soll, ohne etwas zu nehmen.

Seit ich in Bangkok gelandet bin und mich auf dem Weg zum Hostel gemacht habe, zweifel ich daran, ob diese Reise die richtige Entscheidung war.

So heute ist der Eintrag etwas länger geworden, ich musste mir das auch mal von der Seele schreiben. Die nächsten werden kürzer, ziemlich sicher.

Advertisements

2 Gedanken zu “Hilfe, ich will wieder heim. Sofort.

  1. Liebe Carolina, es war sicherlich eine richtige Entscheidung! Ich kenne das Gefühl: wenn es dann so weit ist, bekomt man plötzlich Respekt vor seiner eigenen Courage ..! 😉
    Es kommen schon bald ganz viele Momente, da weißt du, warum es eine gute Entscheidung war – die anderen Momente kommen aber bestimmt auch immer wieder… 😉
    Lass dich nicht entmutigen!
    Liebe Grüße aus Münster,
    Hedje

    Gefällt mir

    • Ich vermisse Mama und Sammy zwar trotzdem noch, aber ich sehe und rieche und schmecke und fühle hier so viel, dass es sich wirklich jetzt schon gelohnt hat. Ich frage mich, wie Indien, Australien, … das noch toppen können 🙂

      Gefällt mir

Lass mir gern ein Kommentar hier:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s