Auf zu den Bergvölkern!

Ich hatte ja am Abend vor meiner Reise herausgefunden, dass ich allein mit diesem Thailänder durch die Berge latschen werde. So ganz geheuer war mir das nicht, ich habe schon überlegt, ob ich einen Zettel in meinem Rucksack hinterlegen soll, dass ich auf eine Trekkingtour gegangen bin und falls mein Gepäck am 24.2.14 noch da stehen sollte, sich doch bitte jemand auf die Suche nach mir machen sollte. Aber das habe ich dann doch gelassen …

Am ersten Morgen wurde ich pünktlich (für Asiaten wirklich ungewöhnlich) am Hotel abgeholt und wir machten uns mit so einem Gefährt, mit dem ich schon vom Bahnhof zum Hotel gefahren bin, also eine Art offenes Taxi, auf den Weg.

Wohin? Erst einmal zu einem Markt, wirklich schockierend, was es da alles gibt (bei dieser Hitze). Hier ein paar Eindrücke:

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Bis dorthin sind wir schon eine Stunde in etwa gefahren und mein Guide hat dort gut eingekauft, wie sich herausstellte: unser Essen für die nächsten Tage. Er kaufte aber wirklich nur das, was ich auch gekauft hätte, also kein schon halb vergammeltes Gemüse, nichts, was eigentlich die ganze Zeit im Kühlschrank verbringen müsste, was auf so einem Markt natürlich unmöglich ist und auch nichts von dem Fisch und Fleisch, das schon sehr merkwürdig aussah und über dem sich ein Stock drehte, an dessen beiden Enden Federn oder Ähnliches befestigt waren, um die Fliegen zu verscheuchen, was nur mehr oder weniger gelang.

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Dann ging es weiter, immer noch in dem selben Taxi (übrigens sollte ich meinen Rucksack ruhig drin liegen lassen, hat mir ja gar nicht gefallen, aber ich wollte weder, dass er denkt, dass ich ihn nicht verstehe, noch, dass er meint, ich glaube ihm nicht, immerhin sollte ich die nächsten drei Tage allein mit ihm verbringen) zu einem Wasserfall. Der Weg dorthin war spannender als der Wasserfall selbst, aber „der Weg ist das Ziel“. Mein Guide (er hat sich nicht persönlich vorgestellt und wenn, dann habe ich es nicht verstanden, Thai-Englisch gehört nicht zu meinen Lieblingsakzenten) zeigte mir eifrig Spinnen

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und Termiten (fast jeder Baum hier ist von ihnen befallen)

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und allerlei Büsche und Bäume, aber damit kenne ich mich auch auf Deutsch nicht so gut aus, also wenn er mir die Namen verraten hat, habe ich sie nicht verstanden. Aber ich will ja auch nicht als Botaniker in Thailand arbeiten, also nicht so schlimm. Tiere finde ich eindeutig interessanter und da hatte ich auch ziemliches Glück in den paar Tagen, dazu später mehr.

Also nach einer Stunde herumlaufen (man musste Eintritt bezahlen, um zum Wasserfall zu gehen), schauten wir uns noch eine Höhle an, in der normalerweise Fledermäuse hängen, aber nicht zu der Zeit, zu der wir da waren. Der Weg zur Höhle war wiederum interessanter, ein anderer Blick auf den Wasserfall, weil die Höhle weiter oben lag, und auch so ein Überblick über das ganze Areal. Wirklich schön. Davon bekomme ich aber die nächsten Tag noch mehr zu sehen.

Nochmal fahren wir ein Stück mit dem Taxi, diesmal zu einem „Restaurant“. Es ist schon ziemlich einfach gehalten, wir sind inzwischen auch deutlich näher Richtung Berge, außerhalb der Stadt. Trotzdem: man bestellt hier Essen und bekommt es und bezahlt dafür, also ein Restaurant. Ich hatte Reis mit Gemüse (sehr lecker, aber sehr viel), Zwiebelsuppe (war zu heiß und zu zwieblig) und eine halbe aufgeschnittene Ananas. Unmöglich, das alles zu essen, selbst ohne die Suppe. Hier fing die Sache mit den Tieren an: Ich sah als ich auf die Toilette ging, zwei winzig kleine Hunde, eindeutig noch Welpen, aber so viel größer werden die wohl nicht mehr. Den Katzen in Bangkok konnte ich noch widerstehen, die sahen auch wirklich krank aus, aber diese zwei süßen Racker haben es mir sofort angetan. Natürlich habe ich meine Kamera am Tisch liegen lassen und sie nicht mit auf die Toilette genommen, aber die war fix geholt und die Tierchen waren nach einigem Locken sehr zutraulich und schmiegten sich an meine Beine und knabberten an meinen Fingern:

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Selbstverständlich, liebe Mama und alle die sich sonst noch Sorgen machen, habe ich mir danach die Hände gewaschen und desinfiziert und währenddessen nicht ins Gesicht gefasst oder Ähnliches. Aber diese zwei süßen Knöpfe nicht zu streicheln, war unmöglich! Und geimpft bin ich ja auch gegen tausend Sachen und Medikamente habe ich auch ohne Ende dabei, wäre ja fast Verschwendung von Gewicht und Geld, wenn ich nichts davon nutzen würde ;-). Ich hätte diese Hündchen am liebsten mitgenommen, aber denen geht es da auch gut. Sie bekommen das Essen, das nicht aufgegessen wird (wobei sie sich bestimmt an die Gewürze gewöhnen?!) und dürfen frei herumlaufen. Das ist sowieso etwas, was mir aufgefallen ist: alle Hunde und Katzen, die ich bis jetzt gesehen habe, durften frei herumlaufen und trotzdem sehe ich nirgendwo „Häufchen“ herumliegen, weder in Bangkok noch hier auf dem Land. Die Hunde liegen auch teilweise auf der Straße oder laufen zum Nachbarn oder zum Nachbarn vom Nachbarn. Es scheinen aber auch alle die gleichen Hunde zu haben und kein Hund hat sich nicht streicheln lassen oder hat geknurrt oder so etwas.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt waren wir dann am Ende eines weiteren größeren Dorfes und mein Guide nahm seinen Rucksack mit aus dem Taxi, also ging es jetzt wohl los. Ich nahm auch meinen mit und befestigte daran eine Schwimmweste. Ich musste am Abend zuvor einiges unterschreiben: Wenn ich eine teure Kamera etc. mitnehme und sie geht kaputt oder ich verliere sie, bin ich selbst schuld; wenn ich eine Schwimmweste haben will, muss ich sie tragen; wenn ich keine Schwimmweste haben will, bin ich praktisch selbst verantwortlich, wenn ich ertrinke; …

Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich sie nicht mitgenommen, aber schuld daran sein, dass ich ertrinke, wollte ich auch nicht. Also kam sie mit.

Wir liefen dann einige Zeit auf einer Straße und wurden ab und zu von Motorrädern und Rollern überholt, ein Junge hielt an und unterhielt sich mit meinem Guide, während ich in der Sonne bruzelte und schließlich nahm der Junge den Korb, den mein Guide auf dem Rücken trug, und befestigte ihn auf seinem Motorrad. Mein Guide

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– nennen wir ihn Max, auch wenn er sicher nicht Max hieß, aber diese „mein Guide“-Schreiberei nervt mich jetzt schon 🙂 – behielt nur seinen Rucksack und kurze Zeit nach diesem unfreiwilligen Schmoren in der Sonne, verließen wir die Straße und gingen in den feuchten schattigen Regenwald. Ich war im Regenwald!!!!! Ich erkundigte mich, was wir hier so für Tiere zu Gesicht bekommen könnten und es hieß als erstes: Insekten. Ja, das war mir irgendwie klar. Dazu zählen vor allem wieder Termiten und Spinnen, aber auch Zirkaden, Grashüpfer, Fliegen, … an was man eben so denkt, wenn man „Regenwald“ hört. Danach sagte er „Affe“, aber eher nicht. Die sind zu scheu. Aber einen bekamen wir an dem Tag doch noch zu Gesicht, wenn auch nur im schnell wegrennen und verstecken. Aber immerhin, ich habe einen Affen in freier Wildbahn gesehen, also ist dieser Tag schon ein voller Erfolg: Regenwald und Affe. Das Laufen in dieser Hitze über seltsame Wege – manchmal sehr schmal, voller trockenem Laub, das den Weg sehr rutschig macht, an steilen Abhängen und natürlich ohne Geländer – wurde wirklich eine Qual. Ich gehöre ja auch nicht gerade zu den Sportlichsten. Ich weiß, nur ich könnte das ändern.

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Max machte aber regelmäßig Pausen, ich weiß nicht, ob er nicht mehr konnte oder ob er dachte, ich bräuchte mal eine Pause (obwohl ich versucht habe, möglichst nicht so schwer zu atmen, als würde ich gerade einen Marathon laufen). Die Pausen kamen auf jeden Fall immer zur rechten Zeit. Nach zweieinhalb Stunden kamen wir dann wieder auf eine Straße und von hier aus waren es nur noch 30 Minuten bis zu dem Dorf, in dem wir übernachten sollten. Ich war sehr gespannt darauf, wie die Leute aussahen, ob es wirklich „authentisch“ ist oder doch schon sehr auf Touristen wie mich abgeändert und auch wie ich schlafen werde und was und wo ich essen würde. Wir hielten fast an jedem Haus an und Max sprach mit den Bewohnern, ich durfte Fotos machen, vor allem von den Tieren. Ob ich die Dorfbewohner fotografieren darf, wollte ich ihn erst noch fragen. Ich habe im Internet von einem Stamm gelesen, dessen Bewohner ihre Seele verlieren, wenn jemand sie fotografiert – das wollte ich natürlich nicht! Aber ich hatte die Erlaubnis. Trotzdem ist es seltsam, sich direkt vor einen Menschen hinzustellen und ihn zu fotografieren. Die Farben der Tücher, die sowohl Frauen, als auch Männer um den Kopf trugen waren wunderschön und es hätte bestimmt super schöne Bilder gegeben, aber nur weil ich eindeutig Touristin bin (noch deutlich weiße Haut und blonde Haare und ganz andere Gesichtsstrukturen), muss ich die Dorfbewohner nicht wie Tiere im Zoo behandeln.

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Bei unserem Dorfrundgang streichelte ich wieder mal alles haustier-ähnliche, was mir über den Weg lief, also Hunde und Katzen und auch ein Schwein, das bei uns als Hausschwein durchgehen würde. Es wächst nicht mehr und war deutlich kleiner, als die anderen Schweine im Stall. Am Ende des Dorfes befand sich dann das Haus, in dem die Touristen schlafen, wenn welche da sind. Zu meinem Glück oder auch nicht, war ich allein. Ich hatte die freie Platzwahl, aber ein bisschen Unterhaltung hätte gut getan. Dadurch, dass das Reden mit Max so schwer ist, weil wir uns nicht so gut verstehen (er mein Englisch, ich sein Englisch), hätte ich gern jemand anderen gehabt, mit dem ich mich über das bisher erlebte austauschen hätte können. Max begann sofort mit dem Kochen, während ich meine Sachen aus dem Rucksack ausräumte und wieder meine Häufchentechnik anwandte: brauche ich jetzt, brauche ich zum Schlafen, brauche ich morgen. Ich sollte dann noch gleich duschen gehen, weil es später zu kalt wäre und die Dusche war, dafür, dass wir uns in einem thailändischen Bergdorf befanden, relativ „modern“. Es gab ein Brett zum Abstellen vom Shampoo, eine Stange zum Aufhängen der Kleider und des Handtuchs und das Wasser kam von oben, man musste nur einen Hahn aufdrehen, so einen, wie wir im Garten zu Hause haben. Natürlich war das Wasser kalt, aber das tat nach dem Gelaufe im heißen Regenwald gut. Meine Haare bekam ich nicht mehr trocken, aber das machte nichts, nachts sollte ich eh eine Mütze aufsetzen, weil es kalt wird. Ich ging dann in die Küche, dabei beging ich einen Fault-pas, wie mir erst am nächsten Morgen auffiel – ich ließ meine Schuhe an. Dadurch, dass das Haus so einfach gebaut ist und aus Brettern besteht, zwischen denen ein Schlitz gelassen wird, damit Essensreste etc. herunterfallen können (für Hühner, Katzen, Hunde, Kühe, …), habe ich es nicht als Innenraum erkannt. Am nächsten Morgen erst fiel mir auf, dass Max immer seine Flipflops auszieht, bevor er in die „Küche“ geht. Naja, zu spät und ich habe ja eine gute Ausrede – keine Ahnung zu haben, weil ich ja „nur“ Touristin bin. Es gibt übrigens Maggi in Thailand 🙂

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Aber gekocht wird auf Feuer, bei den Bergvölkern zumindest.

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Mein Essen war sagenhaft, ehrlich. Ich hatte zwei Varianten mit Hühnchen (das sehr gut und lange gekocht war, habe extra darauf geachtet, Salmonellen wollte ich mir wirklich nicht einfangen): eine in Kokossoße mit Pfefferminz und irgendeinem Gemüse, das aussah wie Limetten und geachtelt wurden, wie Limetten für einen Caipi, aber sie schmeckten eher wie eine Mischung aus Sellerie und Mandarine. Ich kann das nicht besser beschreiben :-). Das war auf jeden Fall schon sehr gut, aber dann briet er noch Hühnchen an und gab Pilze und Bohnen dazu und einiges an mariniertem und getrocknetem Knoblauch. Das war echt sowas von lecker. Dazu gab es Reis, so viel ich wollte und gebratenes Gemüse auch noch. Ich brauche nicht erwähnen, dass ich das wieder nicht alles geschafft habe. Aber das gebratene Hühnchen musste ich einfach aufessen. Sowas Gutes habe ich in Thailand noch gar nicht gegessen und werde sowas Gutes wohl auch nicht nochmal essen. Ich dachte eigentlich, so bei den Bergvölkern, würde es wenig Luxus geben, aber es hab Matrazen, Decken und Kissen für die Touristen. Man konnte Cola und Wasser kaufen, also aus einer Truhe nehmen und Geld in die leere Cola-Dose daneben stecken. Das nannten sie dann hier „Seven Eleven“, was der Name des häufigsten Supermarktes in Thailand ist. Also sogar in den tiefsten Bergen gibt es 7 11. Ich kaufte mir nur zwei Liter Wasser, um meine mitgebrachte 1,5l Flasche wieder aufzufüllen. Cola muss nun wirklich nicht sein. Nach dem Essen saß ich noch eine halbe Stunde bei den Hunden, die zu „meinem“ Haus gefunden haben. Wieder echt süße Welpen dabei. Danach ging ich ins Bett, das Laufen hat mich doch angestrengt und ich war noch nicht voll in dem Klima Thailands drin. Außerdem ging mir das Geplänkel vom Max etwas auf die Nerven. Am Wasserfall hat das angefangen: „Swimmy swimmy“, hat er mich gefragt, also, ob ich schwimmen will. Er hat mir am Vorabend gesagt, dass ich das könnte, aber so wirklich Lust darauf hatte ich nicht: umziehen, kurz im Wasser plantschen, abtrocknen und wieder anziehen? Nein, das muss nicht sein. Als wir die erste Pause im Regenwald machten hieß es „Drinky drinky“, also trinken trinken. Beim Essen im Dorf „Eaty eaty“, essen essen. Ahhhh! Man muss nicht alles doppelt sagen, vor allem nicht mit einem -y hinten dran! Zum Glück hatte ich meine Kindle mit dabei und las noch bis 19:30. Dann war ich so müde, dass ich eingeschlafen bin. Die Decken und Kissen rochen seltsam und ich habe mir ja extra für solche Fälle einen Inlay-Schlafsack gekauft, also der sieht aus wie ein Schlafsack, ist aber sehr dünn und man kann ihn in einen anderen Schlafsack reinlegen, weil man den dann leichter waschen kann oder nutzen, wenn es sehr warm ist. Ich legte mich in ihn und dann die Decke darüber. Weil keiner sonst da war und eine Decke bräuchte, legte ich noch eine unter mich, als Unterstützung der Matraze, trotzdem war es ziemlich hart. Um 22h konnte ich plötzlich nicht mehr schlafen und las nochmal zwei Stunden auf dem Kindle, danach ging es wieder und um sieben klingelte mein Wecker.

Achja, einen tierischen Freund bzw. eine Freundin habe ich auch hier sofort gefunden:

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