Auf zum Elefantencamp!

Um halb acht hatte ich alles gepackt und mich schon wieder mit Sonnencreme eingecremt und mit Mückenspray eingesprayt und ging aus „meinem Schlafzimmer“ raus. Mein Tee stand schon da und zum Essen bekam ich Toast, der über dem Feuer getoastet war, lecker, und Rühreier mit Gemüse. Da hätte ich mich reinlegen könne, die waren sowas von lecker, unsagbar. Die Stärkung brauchte ich auch dringend, weil um 8:45 machten wir uns auf: Berg hoch, Berg runter, schmale Wege, sehr schmale Wege, extrem schmale Wege, steile Abhänge, sehr steile Abhänge und so weiter. Es hieß wir bräuchten 4,5 Stunden und das erste Mal sah ich nach 10 Minuten auf die Uhr – super Voraussetzung. Tja, mir blieb nichts anderes übrig, als weiterzulaufen. Wir machten regelmäßig Pause und zum Glück musste Max sein komplettes Gepäck heute selbst tragen. Er war auch über einen halben Kopf kleiner als ich und hatte somit auch kürzere Beine, mit denen ich gut mithalten konnte. Nach schon 3,5 Stunden blieben wir an ein paar Häusern stehen, mein Guide verschwand und kam 20 Minuten später mit gebratenen Nudeln mit Gemüse wieder, also anscheinend mein Mittagessen und wie ich aus dem Gespräch am Vorabend des Ausflugs wusste, aßen wir im Elefantencamp zu Mittag. Anscheinend waren wir da. Ich schaffte nicht viel von dem Essen, es war einfach wieder zu viel. Ich bekam dann noch Ananasstücke und ein paar gemischte Früchte. Auf die Weintrauben hatte ich auch wirklich Lust, aber die waren so gar nicht gewaschen und die Mini-Mandarinen haben schon das schimmeln angefangen. Ich hatte ja eh keinen Hunger mehr, also nahm ich mir nur den Apfel mit, ich wusste ja nicht, was ich sonst noch so zu essen bekommen würde. Max eröffnete mir dann, dass die Elefanten gerade auf einer Tour wären und erst in 1-2 Stunden zurückkämen. Ich hätte einfach gewartet, aber er meinte dann, wir könnten schon mal zu dem Dorf laufen, in dem wir dann übernachten und von dort würden wir Bamboo Rafting zu den Elefanten machen. Ich habe nicht so wirklich kapiert, was er meint, aber zumindest wusste ich, dass ich mich nicht ausruhen durfte, sondern wir wieder über unwegsames Gelände zum nächsten Dorf liefen. Nach einer halben Stunde waren wir da und ich bekam Besuch von zwei Dorfmädchen, die mir etwas verkaufen wollten. Ich glaube, Max hat sie zu mir geschickt. Ich kaufte also ein Armband mit einer Art Münzen darauf für 100Baht. Bamboo Rafting habe ich dann auch noch verstanden: Wasser. Also packte ich meinen Rucksack so, dass alles in den mitgebrachten Plastiktüten verschwand und auf gar keinen Fall nass werden konnte. „Rafting“ erinnerte mich an „Wildwasser-Rafting“ und ich dachte, dass es wohl ziemlich nass wird. Dem war nicht so. Einheimische bauten aus zwölf ca. 4m langen Bambusstangen, die ja innen hohl sind, eine Art Floß. In der Mitte wurden drei Stangen zu befestigt, dass wir die Rucksäcke daran hängen konnten, weil die Bambusstämme ja das Wasser nicht abhalten. Ich durfte mich dann daraufstellen und an den Stangen mit den Rucksäcken festhalten. Mein Guide steuerte von hinten mit einem langen Stecken und ein Junge, ca. 20 Jahre alt, steuerte vorne. Es war gar nicht „gefährlich“ und auch nicht wirklich nass. Nur meine Füße wurden vom Wasser umspielt, nicht mal Tropfen auf die Beine. Nach einer halben Stunde stehen (was nach viel Laufen auch sehr anstrengend sein kann), hielten wir an einem Dorf an. So wie ich den Guide verstanden hatte, blieben wir hier über Nacht, doch ich sollte nur meine Kamera aus dem Rucksack holen, die ich vorsichtshalber in zwei Pullis und drei Plastiktüten eingepackt hatte, was dementsprechend etwas dauerte und ich sollte meine Flipflops anziehen. Leichter gesagt, als getan. Die waren ganz unten im Rucksack, ich dachte, ich brauche sie erst wieder, wenn ich duschen gehe. Max hat mir natürlich nicht gesagt, dass ich die vielleicht schon eher brauche. Es ging dann an den Rand des Dorfes zu zwei Elefanten. Der eine hatte schon eine kleine Bank aufgeschnallt bekommen, auf die ich mich setzen durfte. Elefantenhaut fühlt sich sehr hart an und die Haare sehr borstig. Max sollte dann ein Foto von mir machen, aber leider hat der Autofokus meiner Kamera irgendwann in Thailand den Geist aufgegeben und ich erklärte ihm dann auf meinem Englisch, das er nicht sooooo gut verstehen kann, wie er fotografieren soll. Nach zwei Minuten zeigte er mir die Bilder:

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Ja, das geht natürlich nicht. Ich wechselte das Objektiv, das war jetzt aber das, bei dem alles um den Schärfepunkt schnell verschwimmt (Album „Regen“ bei Caros Photos auf Facebook), d.h. wenn er mein Gesicht nicht erwischt, werde ich nicht scharf. Außerdem kann man bei diesem Objektiv nicht zoomen, was heißt, dass er ein Stück weg muss, um mich und den Elefanten darauf zu bekommen. Das ist das Ergebnis:

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Es ist okay, man erkennt, dass ich das bin und das unter mir ein Elefant ist. Ich glaub, Max kann nicht richtig sehen, auf den Augen ist ein leichter Schleier, aber das hätte er ja auch sagen können. Im Dorf wären noch mehr Leute gewesen, die ein Foto hätten machen können. In so einem Moment wäre ich gern mit mehreren unterwegs. Jemand anderes hätte mich mit seiner Kamera, mit der er sich auskennt, fotografieren können und mir das Bild per Mail schicken oder Ähnliches. Naja, in Indien werde ich wahrscheinlich nochmal auf einem Elefanten reiten und davon soll es dann ein gutes Bild geben, selbst wenn ich dafür zahlen muss. Ich bekam dann meine Kamera wieder hochgereicht und schon ging der Trip los. Natürlich war ich wieder nicht angeschnallt oder sonst wie befestigt. Immerhin gurtet man sich hier beim Autofahren auch nicht an, wieso dann auf einem Elefanten?!

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Wir wackelten eine Weile durch die Gegend, mein Guide kam nicht mit. Er fuhr kurze Zeit später mit dem Floß, auf dem auch der Junge war,

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an mir vorbei. Also übernachteten wir doch in einem anderen Dorf. Ein paar Minuten später war ich dann auch dort und durfte von meinem Gefährt absteigen. Es war schon witzig aber ganz und gar nicht bequem, was weniger an dem Elefanten lag, als an dem bankähnlichen Teil, das darauf geschnallt war. Im Dorf angekommen wurde mir wieder Essen gekocht und ich musste wieder außen alleine an einem Tisch essen, während das halbe Dorf innen auf dem Boden saß. Hier musste ich mir auch zum ersten Mal auf dem Trip ein paar Tränen verkneifen. Innen hört man Lachen und Reden und ich sitze außen allein. Spricht für mich weniger für eine authentische Erfahrung. Ich wäre wirklich gerne mit auf dem Boden gesessen und hätte dafür auf meine drei Essensvarianten verzichtet. War natürlich wieder gut, aber nicht so gut wie am ersten Abend. Ich war dann schon wieder am überlegen, ob ich nicht einfach ins Bett gehe und lese, aber es gab dann ein Lagerfeuer und der Bootsjunge, sein Name war Shai oder so ähnlich, zeigte mir ein paar Tricks mit Schnüren und Coladosen. Wenn ich sie noch kann, wenn ich in Deutschland bin, kann ich sie euch zeigen, aber ich kann mir sowas immer schlecht merken :D. Außerdem stellten Max und er mir Fragen und ich ihnen. Zu ihrem Leben und zu meinem Leben. Wirklich interessant. Max hat ja weder Frau noch Kinder und Shai ist 23 und hat keine Freundin und keine Frau. Ich fragte ihn, ob man sich denn als Mann eine Frau aus dem eigenen Dorf sucht, aber er sagte: Alle Frauen aus seinem Dorf gehen nach Chiang Mai an die Schule und studieren dort. Also sucht er sich eine Frau aus einem anderen Dorf. Ein anderer Junge kam noch dazu, der konnte aber kein Englisch und starrte mich nur an 🙂 Sehr seltsam, aber ok. Ich fragte, wie sie hier Englisch lernen: eine Woche täglich drei Stunden. Das wars. Das muss reichen, um Touristen zu bespaßen. Shai bringt drei Mal die Woche Touristen mit dem Bambusfloß ein Stück den Fluss runter, wie mich auch. Er war noch da, weil wir am nächsten Tag auf diesem Weg noch weiter wollten. Im seinem „restlichen“ Leben ist er Farmer und das macht ihm auch Spaß. Das Touristen-bespaßen sieht er als Hobby und natürlich als zusätzliche Einnahmequelle. Von meinem Guide erfuhr ich noch, dass er der Älteste von zwei weiteren Brüdern und drei Schwestern ist, vier Stunden mit dem Roller von Chiang Mai wegwohnt und diese Trekkingtouren den Rest seines Lebens machen will. Vorher hat er dafür gesorgt, dass die Dörfer genug Essen etc. für die Touristen haben, bis er selbst begonnen hat, sie herumzuführen. Ich war erst die zweite „Gruppe“, die mit ihm diese Tour machte. Die erste bestand aus einem Mann und einer Frau Ende 50. Dass diese beiden (übrigens aus Irland) die Tour geschafft hatten, motivierte mich: dann werde ich das wohl auch schaffen.

Nach dem Lagerfeuer ging ich dann wirklich ins Bett.

PS: Beim Abendessen suchte ich mir die Gesellschaft von Katzen – traurig. Und eine zwickte mich auch noch in den Arm! Freches Ding. Ich weiß schon, warum ich Hunde lieber mag – die knabbern nur an Fingern. Wahrscheinlich wollte die Katze nur etwas zu fressen vom Tisch von mir oder noch mehr Streicheleinheiten.

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