Kochkurs – endlich!

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Früh aufstehen war angesagt. Um 8h sollten wir abgeholt werden, die Mitbewohnerin aus Hongkong hatte sich noch für den Kochkurs angemeldet, also habe ich Gesellschaft. Die andere musste um 7:30h mit dem Taxi los zu ihrem Elefantencamp, gestern sagte sie, dass sie um 6:30h los müsse, aber naja. Ich musste aber auschecken und dafür schon meine ganzen Sachen dabei haben. Da ich nach dem Kochkurs direkt mit dem Zug nach Bangkok fahren wollte/musste, nahm ich meinen großen Rucksack direkt mit. Zum Glück hatte nur ich diese Idee, weil zwischendrin war es in den Fahrzeugen schon etwas enger. Das Auschecken ging sowas von schnell: Schlüsselübergabe und dann ein Funkspruch zu „meiner“ Putzfrau (ob in meinem Zimmer alles ok ist, also nicht irgendetwas beschädigt ist oder Ähnliches) und schon war ich entlassen. Der Abholservicemann war auch pünktlich! So pünktlich, dass wir nicht fertig waren. Ice war noch auf dem Klo und ich hatte meinen Rucksack gerade zur Straße gebracht, aber er fuhr vor die Rezeption. Also winkte ich ihm nur, dass ich außen stehe und er kam zu mir zurück. Er nahm meinen großen Rucksack als „Beifahrer“ und wir zwei saßen hinten drinnen. Wir sammelten noch ein paar mehr Leute ein, bis alle Plätze belegt waren und wurden dann auf einem Markt abgesetzt.

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Unser Guide, eine Frau, aber der Name war unverständlich, also nennen wir sie Susi, weil sie sicher nicht Susi heißt, wartete schon auf uns und wir standen vor einem Gemüsestand, an dem sie uns so Einiges erklärte: es gibt in Thailand drei unterschiedliche Arten Ingwer, wir lernten verschiedene Blätter und Früchte kennen und liefen dann weiter zum Reis. Es gibt zwei große unterschiedliche Sorten: weiß und braun. Von dem braunen waren nur noch zwei „Unterarten“ an dem Stand, von dem weißen an die sieben. Außerdem gibt es noch süßen Reis, also Reis für Milchreis, davon zwei Sorten. Wir verwendeten dann aber Jasminreis für alles, was wir später kochten. Danach wurden wir zum Bahnhof gefahren und jeder war schon nach dieser ersten halben Stunde total angetan von unserer Susi. Sie hat ein unheimlich einnehmendes Wesen, lacht viel und gern und laut und auffällig und mitreißend und eigentlich dauernd und über alles. Sie erzählte uns ein bisschen von sich: sie vereint so gut wie alle Nationen in sich. Ihre Mutter ist Thai und Malaysianerin (?) also ein Elternteil von ihr stammt aus Malaysia und ihr Vater vereint gleich vier Nationen in sich. Ich weiß noch, dass Italien und Indien zwei Teile waren, aber die anderen zwei weiß ich nicht mehr. Also sie ist ein Mix, ohne rassistisch klingen zu wollen, aus sechs Nationen! Sie sieht zwar schon Thai aus, aber dunkler und ihre Augen sind eindeutig indisch. Sie hat eine ältere Schwester, die ihr von der „Verteilung der Nationalitäten“ ähnelt und einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester, die ganz anders aussehen. Ihr Bruder hat blonde Locken, aber auch sehr dunkle Haut. Ihre Schwester sieht auch „europäischer“ aus, sagte sie. Sie war Reiseführerin für niederländische Besucher, aber da das hauptsächlich ältere Menschen waren, die sich nicht anstrengend wollten, Englisch zu sprechen, war das nicht das, was sie ihr Leben lang machen wollte. Verständlich. Man ist ja auch immer länger unterwegs und ist davon abhängig, wie viele Menschen eine Tour buchen. Das wäre auf Dauer auch nichts für mich, aber eine Zeit lang war das spannend, erzählte sie. Wir hätten sicherlich den ganzen Tag auch damit zubringen können, ihrer Lebensgeschichte zu lauschen, aber irgendwann waren wir dann am Bahnhof und fuhren 20Minuten mit dem Zug.

Dass sich alles so gut fügt, konnte ich wirklich nicht planen: Wir fahren mit dem Zug, auch wieder zurück, d.h. ich bin schon am Bahnhof und muss mir sicherlich keine Sorgen machen, dass ich zu spät kommen, weil der Zug zurück ja auch zu einer bestimmten Uhrzeit fährt. Auch für die Gesellschaft beim Kochkurs bin ich froh, auch wenn ich mit einem Österreicher ins Gespräch kam, der auch ein spannendes Leben hatte, obwohl er erst 24 ist. Er machte Realschulabschluss, eine Ausbildung als Elektriker und nebenbei sein Abitur, danach eine Ausbildung zum Oberleitungen… (?) und danach eine zum Sanitäter. Dort hat er vor Weihnachten gekündigt und nach Weihnachten hat er innerhalb einer Woche entschieden, nach Asien zu gehen. Ohne gebuchten Rückflug. Also freut euch über meinen harmlosen Trip :-). Er war inzwischen in Indonesien und Thailand, ist jetzt auf dem Weg nach Laos und hat zu Hause noch einen Bus gekauft, den er umbaut oder repariert und dann im Sommer damit durch Osteuropa fährt. Er will definitiv nicht mehr als Sanitäter arbeiten und strebt ein Medizinstudium an, eventuell Tiermedizin, aber vielleicht auch etwas anderes. Ein wirklicher Spring-ins-Feld. Wie es kommt, so ist es gut. Er plant auch schon eine weitere Reise Ende des Jahres, aber Ende März ist er erst einmal wieder in Österreich. Er sucht mich in Facebook, dank meines einzigartigen Namens bin ich ja gut zu finden. Es gibt nirgendwo auf der ganzen weiten Welt eine weitere Carolina Löger. Das ist schon cool :-). Danke Mama und Papa!

Auch die Hongkongerin Ice sucht mich in Facebook und wird mich auch finden. Wir haben uns echt super verstanden, obwohl sie acht Jahre älter ist als ich und Städteurlaub macht, also das ist etwas anderes wie ich mit meiner Rucksacktour. Sie war spontan, als ich sie gestern fragte, ob sie mit zum Doi Suthep Tempel will und war auch aufgeschlossen genug, italienisches Essen mit mir zu essen. Vielleicht besuche ich sie wirklich irgendwann in Hongkong, wer weiß. Es reizt mich zwar weniger, aber mit einer persönlichen Führung könnte das interessant werden. Der Kölner, den ich in dem schickeren Hotel beim Frühstück getroffen habe, hat mich schon vorgewarnt: einmal gereist, immer reisend. Ich bin noch nicht einmal im zweiten Land meiner Weltreise und schon plane ich ein neues Abenteuer.

Als ich heute Abschied nehmen musste von dem Hostel und damit auch von Chiang Mai, war ich schon etwas wehmütig. Von Bangkok wollte ich nur noch weg, aber hier habe ich einige schöne Sachen erlebt und nette Leute getroffen, dann ist es traurig diesen Ort wieder verlassen zu müssen. Aber es geht ja weiter. Ich habe noch lange nicht alle Ziele erreicht, aber Thailand hat mich in Chiang Mai erobert. Eindeutig. Trotz dem abschreckenden Beispiel Bangkoks habe ich mich in Thailand verliebt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nochmal zurückkommen werde, aber wenn, dann geht’s auf jeden Fall wieder nach Chiang Mai mit seinen Bergen und dem Eco Resort, meinem geliebten Hostel mit Garten.

Zurück zum Kochkurs: Am Bahnhof angekommen, wurden wir wieder abgeholt und zur „Farm“ gefahren. Es war eher ein Haus mit einem größeren Garten, in dem Früchte und Gemüse angebaut wurden. Wirklich schön, aber nicht ganz das, was ich mir unter einer Farm vorgestellt habe. Wir fingen auch fast sofort an zu kochen und lernten sofort etwas äußerst sinnvolles: Wie entferne ich innerhalb von Sekunden die Haut vom Knoblauch? Ich drücke darauf, wir taten das mit einem Messer und etwas Schwung und dann kann man die Haut einfach in einem Stück aus dem „Haufen“ nehmen. Sehr simpel, super Tip. Ihr Begründung war „We want to eat today“, also „Wir wollen ja heute essen“. Stimmt, das wollen wir. Es kamen dann einige Zutaten dazu und wir durften alle das kochen, was wir uns auf einem Zettel ausgesucht haben. Manchmal waren wir allein damit und manchmal gleich mehrere.

Kurz zu den anderen Teilnehmern: meine Hongkongerin Ice, der Österreicher Dietmar (ist sein wirklicher Name ;-)), ein italienisches Pärchen, ein englisches Pärchen und ein Pärchen aus Hongkong (alle zwischen 35 und 45), ein Kanadier (ca. 25, reist mit Dietmar, sie haben sich in Bangkok kennengelernt und sieht sehr asiatisch aus) und eine Niederländerin (die ständig Sachen verpasst oder nicht kapiert hat, ca. 40 Jahre alt).

Wir bereiteten eine Sorte Reis vor und dann eine Suppe. Meine Suppe war mit Hühnchen und Kokosnussmilch, saulecker.

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Danach hatten wir kurz Pause und dann ging es mit den Appetizern weiter, also „Häppchen“. Da musste ich keine Sekunde überlegen, was ich wähle: Frühlingsrollen.

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Wollte ich schon immer mal machen und wo sonst, wenn nicht in Thailand?! Julia, freu dich :-), ich weiß, dass du schon mal Frühlingsrollen probiert hast, aber ich kann jetzt „echte“ und du hast dich ja schon zum Essen eingeladen :-). Dann gab es noch ein Curry, das war etwas aufweniger und anstrengender, weil man die Zutaten im Mörser wirklich komplett klein und gleichmäßig bekommen musste.

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Was ihr hier sehr ist die Currypaste, die sich dann im Wasser auflöst und mit einigen anderen Zutaten zusammen im Wok geschwenkt wird. Das hat mir aber nicht so geschmeckt, ist generell nicht so meines, glaube ich.

Im Anschluss machten wir eine kleine Fahrradtour durch das Dorf und aßen unterwegs Früchte, die wie Litschi schmecken und aussehen, aber keine sind und davon habe ich mir auch welche mitgenommen und am Bahnhof in Chiang Mai gegessen, während ich auf den Zug wartete.

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Nachtisch fehlt noch: ich wählte die „Deep fried bananas“, also die frittierten Bananen. Die waren auch sehr gut, auch wenn ich das nächste Mal den Sesam weglassen werde (ja ich plane tatsächlich thailändisch zu kochen!).

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Der Tag war eine mordsmäßige Erfahrung: interessant, lehrreich, spannend, abwechslungsreich, schön und ich habe neue nette Leute kennengelernt.

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Es hat sich richtig gelohnt und ich war wirklich dankbar für die Gesellschaft meiner zwei netten Mitbewohnerinnen, von der die eine leider nur sehr kurz dabei war. Von ihr habe ich auch keinen Namen, aber ich wünsche ihr in ihrem Leben sehr viel Glück und Erfolg und dass sie nach dem Elefantencamp genau weiß, wohin sie ihr Weg führen soll!

Gerade heute habe ich gemerkt, dass Gott auf mich aufpasst. Ich musste irgendwann krank werden und ich wurde es genau dann, als ich nichts weiter gebucht und ein schönes Hostel hatte. Diese Krankheit hat auch dazu geführt, dass ich mehrere wirklich nette Menschen kennenlernen durfte und der Kochkurs hätte auch nicht besser laufen können. Das mit dem Bahnhof war auch perfekt. Ich wartete eine halbe Stunde und dann kam schon der Zug und ich konnte einsteigen. Nach einer weiteren halben Stunde gingen dann auch die Ventilatoren an und es wurde immer angenehmer. Die Menschen in den Betten um mich sind auch sehr nett. Ich bin mitten in einer Gruppe von Osteuropäern in den Mittvierzigern aufwärts. Ein Ehepaar plante diese Reise und lud unterschiedliche Freunde dazu ein, deswegen kannten sich gar nicht alle davor. Ist auch eine gute Alternative für etwas Anderes. Sie trafen sich gerade alle um gemeinsam zu beten und etwas zu lesen, das war auch sehr beeindruckend. Mitten im Zug fangen sie an zu beten und stören sich gar nicht an den anderen, jeder von ihnen machte ganz automatisch mit, wirklich schön zu sehen.

Wie ich hier so im oberen Bett sitze, mein Zug fuhr um 17:30h los (pünktlich!!) und um 19h bekam ich das georderte thailändische Essen (lecker, 160Baht) und schon um 19:30h wurden die Sitze zu zwei Betten umgebaut, habe ich das Gefühl, dass ich Energie tanken kann. Ich fühle mich aufgeweckter, mutiger, wacher, aufgeschlossener, lockerer, entspannter. Es fühlt sich so an, wie wenn meine Kreativität zurückkehrt. Ich habe wieder Lust Bücher zu schreiben und freue mich unheimlich auf die Unterrichtsvorbereitung, sogar auf das Lernen für das Examen. Und das schon nach zwei Wochen Thailand, ich musste wirklich dringend weg.

Morgen komme ich um 8:30h in Bangkok an, schließe meinen großen Rucksack weg und mache mich dann auf, wahrscheinlich setze ich mich nur in ein Restaurant mit Internet und entspanne dort. Ich habe keine Lust, mir Bangkok weiter anzusehen. Es ist schon irgendwie Verschwendung, wenn ich schon mal da bin, aber ich fahre auch auf die Inseln, um „Urlaub“ zu machen, also Strand, Strand, Strand. Da brauche ich gerade kein Herumgerenne in Bangkok. Mein Bus fährt dann abends los und ich bin schon gespannt auf diese VIP-Busse! Ich kann endlich mal wieder Filme anschauen, das hab ich schon manchmal bereut, dass ich keine auf meinen Laptop geladen habe. Manchmal täte es gut, wenn „jemand“ redet. Aber dank meines Kindles habe ich genug Unterhaltung. Ich bin jeden Tag mehr begeistert von diesem kleinen Ding! Ich habe schon drei kompletten Bücher darauf gelesen und sogar etwas dabei gelernt, weil das eine von einem Kloster und das andere von der Hitler-Zeit handelte. Das dritte war zur Unterhaltung am Pool, damit ich nicht sofort wieder aus der Sonne fliehen will. Es sieht so aus, als sei die Bräune von den ersten drei Tagen alles, was ich in der Richtung bis jetzt erreicht habe. Das muss sich auf Koh Tao ändern. Ich wollte in Indien keine Sonnencreme mehr auftragen müssen …

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