Steil, gefährlich, anstrengend – aber wunderschön!

Ich bin k.o., aber das ist auch gut so. Das am Strand-Herumliegen ist auf Dauer nichts für mich und nach zwei Tagen musste jetzt ein bisschen Bewegung her. Ich wollte so ziemlich die ganze Insel ansehen, weil sie nicht besonders groß ist, aber immer, wenn ich etwas „plane“ funktioniert es hier nicht, aber das ist okay. Planen „muss“ ich trotzdem.

Ich stand um halb neun auf und nach Toast zum Frühstück machte ich mich auf den Weg.

Es war schon total heiß und die Straßen waren so dermaßen steil zwischendrin. Bestimmt 50° Steigung und das ist noch eher untertrieben. Ich bin teilweise rückwärts gelaufen und habe mich mit den Händen am Boden abgestützt, weil ich mich so weit nach vorne beugen musste, damit ich nicht hintenüber falle. Ich lief in Schlangenlinien und teilweise auch noch rückwärts. Zwischendrin hatte ich diese wundervollen Aussichten:

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Also es hat sich gelohnt, trotz der Hitze. Ich wurde von zwei Motorrollern überholt und ich dachte nur: Mist, vielleicht hätte ich doch auch einen mieten sollen, anstatt bei der Hitze herumzulaufen. Kurze Zeit später sah ich allerdings einen Mann einen Motorroller schieben und kurz dahinter eine Frau humpeln. Da sie einige Schürfwunden hatte und die auch bluteten und dreckig waren, fragte ich sie, ob ich ihr irgendwie helfen könnte. Die beiden waren aus Frankreich und sind beim Hochfahren einfach hintenüber gefallen, also nochmal ein Beweis dafür, dass es wirklich extrem steil war. Beide waren so in den Fünfzigern und der Frau saß der Schock in den Knochen und sie musste sich kurz hinlegen, weil ich sie mit meiner Hilfe (Desinfektionsgel und Pflaster) wieder an den Unfall erinnert wurde. Später traf ich eine Deutsche (später mehr) und sie sagte, dass sie den Unfall mit angesehen hatte und sie schon überlegt hat, wie sie die beiden aufhalten kann, weil eben erst die Frau gefallen ist und dann der Mann und das Motorrad auf sie drauf und dann wären alle noch ca. 2m den Hang hinuntergerutscht und die Frau hätte total geschrien. Davon habe ich nichts gehört. Aber ich hätte auch geschrien, wenn ich bei den steilen Bergen anfange zu rutschen. Oh Gott, da war ich dann echt wieder froh, dass ich KEINEN Motorroller ausgeliehen hatte. Und ich habe mir Sorgen wegen dem Verkehr im Ort gemacht.. die eigentliche Gefahr liegt in den Bergen!

Ich kann mich nicht darin erinnern, in meinem Leben jemals so viel geschwitzt zu haben. Die Hitze und die steilen Berge (wegen denen man immer noch näher an die Sonne kommt) und kaum Schatten auf der Strecke und wirklich wenige Menschen. Nachdem ich den Franzosen geholfen hatte, war ich wirklich etwas nervös: Was ist, wenn ich stürzen sollte?! Aber ich habe einfach nochmal mehr aufgepasst, wohin ich meinen Fuß setze und dass ich nicht einfach geradeaus nach oben laufe.

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Das Lächeln fällt einem da dann echt schwer :).

Aber wenn man das hier alles sehen darf, lohnt sich die Anstrengung:

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Irgendwann war plötzlich eine Abzweigung, die nicht auf der Karte eingezeichnet war, aber vom Gefühl her, musste ich rechts entlang, um meinem Ziel näher zu kommen. Also ging ich erst links, weil ich dachte, dass von dort wieder eine Art Aussichtspunkt ist. Dem war auch so, der Weg dorthin war sehr sandig und dadurch wirklich rutschig und mitten in der Pampa stand dann ein Bagger. Keine Ahnung, wie der über diese Wege hierhin gekommen ist. Überall unterwegs sah man schon Mörtelmischer, die zum Weg bauen hergeschafft und einfach dort stehen gelassen wurden. Es ist deutlich zu sehen, dass sie dort schon mehrere Jahr stehen müssen. Sowas gäbe es in Deutschland nicht.

Nach dem Aussichtspunkt lief ich dann den Weg nach rechts aber schon nach ein paar Schritten, der Weg wurde (endlich) zu einer Art Waldweg anstatt komplett geteert zu sein, traf ich eine russische Familie (die zwei Jungs waren ein und fünf Jahre alt und sie waren mit dem Motorrad unterwegs (zu viert auf einem!), aber liefen den restlichen Weg. Bei ihnen war die Deutsche, die ich vorhin schon kurz erwähnt habe. Total verkratzt und zerstochen und sie hielt mich sofort auf und meinte, da hinten gehe es nicht weiter. Die Karte zeigt zwar einen Weg, aber auch nach einigen Minuten herumirren im Wald hätte sie keinen Weg gefunden. Sie hätte ohne die russische Frau, auch den Weg nicht mehr gefunden. Sie schrie immer wieder „Hello!“, dass die Deutsche Hannah wieder auf den richtigen Weg fand. Sie erzählte mir, dass sie da auch fast verzweifelt wäre. So viele Menschen laufen hier nicht herum und dann sitzt du irgendwo im Wald! Aber es ist ja gut ausgegangen. Ist also nichts mit dem Rundweg aber ich hatte Gesellschaft für den Abstieg, das kann man nicht mehr nur als Rückweg bezeichnen.

Ein paar Worte zu Hannah (bin mir wegen der Schreibung nicht sicher, gibt ja so viele Hana, Hanna, Hanah, Hannah): sie studiert Lehramt für Gymnasium (Spanisch, Französisch, Geschichte) in München und ist mit ihrem Freund unterwegs. Sie waren schon in Kambodscha und Laos. Er war an dem Tag tauchen, da ist sie nicht interessiert daran, also ging sie Wandern. Sie war sehr interessiert an meiner Reiseerfahrung und weiteren -planung.

Nach dieser Anstrengung musste ich erst einmal zum Strand

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(ich liebe die Boote hier überall)

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und nach zwei Stunden sonnen und im Meer schwimmen, hatte ich wahnsinnigen Hunger. Ich hatte bis dahin erst vier Toast, eine Karotte und einen Apfel gegessen. Also auf in das thailändische Restaurant, in dem Hostel-Mitbewohner von mir regelmäßig essen, weil es gut, sauber und günstig ist. Ich bestellte mir Reis mit Gemüse, Ei und Hühnchen (Fried rice with chicken), zwei Frühlingsrollen (können nicht mit meinen selbstgemachten mithalten ;-)) und einen Bananenshake für nur 3,50€. Ein Festmahl auf leeren Magen ist nie gut, deswegen saß ich nochmal eine halbe Stunde am Strand und lief dann zum Pier, wo ich angekommen war, weil ich dort einige schöne Obst- und Gemüsestände gesehen hatte, die ich hier in meinem „Ort“ etwas vermisse. Es gibt hier viele Saft- und Shakestände, aber einfach nur Obst finde ich hier nicht. Als ich am ersten Tag ankam, waren es mit dem Taxi ungefähr 5-10 Minuten, also nicht so weit. Ich lief 30-40 Minuten und fand auch die Stände, die ich gesucht habe. Eingekauft habe ich Bananen, die schmecken hier so richtig schön fruchtig, und drei Äpfel sowie die Früchte, die so ähnlich schmecken wie Litschi und eine aufgeschnittene Mango, auch sehr lecker. Die Mango ist schon verputzt. Auf meinem Weg zum Pier lief ich so lange es geht, am Strand und durch Sand und Meer sind meine Füße total weich, aber auch ein bisschen aufgeschnitten von den Muscheln, aber auch Glasscherben und Kronkorken kann man nicht immer komplett ausweichen. Nichts schlimmes, aber so, dass ich gerade froh bin, sie heute nicht mehr benutzen zu müssen. Am Strandabschnitt, der meinem Hostel am nächsten ist, blieb ich dann sitzen, um den Sonnenuntergang mit anzusehen:

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Einfach atemberaubend, wunderschön, einmalig.

Mit diesen schönen Bildern verabschiede ich mich. Morgen will ich unbedingt auf die sehr kleine Inseln von den Bildern oben und ansonsten bringe ich meine Wäsche hier zum Waschen. Das ist sehr günstig: 1kg waschen und zusammenlegen nur 1€. Bevor ich wieder in der Badewanne wasche, ist das die bessere Alternative.

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Ein Gedanke zu “Steil, gefährlich, anstrengend – aber wunderschön!

  1. Hi Carolina,
    super, toll, was Du alles erlebst … Ich wäre auch gern dabei!
    Deine Wanderung auf dem steilen Weg hat mich an unsere Tour auf den Arber erinnert.
    Schön, dass Du Thailand ins Herz geschlossen hast und es kommen noch so viele andere schöne Länder …
    Genieße die Zeit!
    Ich lese alle Deine Berichte und es ist fast so, wie selbst dabei zu sein.
    Alles Liebe!
    Marianne

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