Rückblick Indien

Hier riecht die Luft immer etwas süßer, sei es von Räucherstäbchen oder dem süßlich-rauchige Geruch, der übrig bleibt, wenn Müll verbrannt wird.

Wenn es im Straßenverkehr Regeln gibt, dann halten sich in Indien noch weniger Leute dran, wie in Thailand. Hier wird einfach auf der verkehrten Spur gefahren, rechts und links überholt, viel gehupt (auf manchen LKWs steht hinten sogar geschrieben: „please horn“, also „bitte hupen“) und die Straßenschwellen, die dafür sorgen sollen, dass es etwas langsamer zugeht werden entweder ignoriert und einfach überfahren oder bringen Fahrer zu einem spontanen Bremsmanöver und anschließendem Gasgeben. Ich bin auch froh, dass meine Wirbelsäule dieses ganze Geruckel heil überstanden hat. Nicht nur die Bodenwellen, sondern auch die riesigen Löcher im Straßenbelag und für meine Halswirbel war besonders das spontane Bremsen auf Grund von Autos, LKWs, Fahrrädern, Rikshas, Tuktuks oder Motorrädern, die plötzlich auf deine Spur wechseln, anspruchsvoll. Für die meisten Unfälle sorgen hier übrigens die Kühe auf den Autobahnen. Motorräder transportieren hier genau wie in Thailand ganze Familie oder Wocheneinkäufe für einen kleinen Laden am Straßenrand. Was mich etwas irritiert hat, war die Schrift, die in jeden Seitenspiegel eingraviert war, in dem ich mitgefahren bin: Objects in the mirror are closer than thex appear. Objekte im Spiegel sind näher, als sie zu sein scheinen. Soll das nur heißen, dass man beim in-den-Spiegel-gucken daran denken soll, dass die anderen Autos nicht so weit weg sind? Andererseits klingt es so Ghandi-mäßig, wie eine Weisheit. Ich muss das nochmal googeln, was es damit auf sich hat. Noch etwas zum Straßenverkehr: man konnte sich wieder in keinem Taxi anschnallen, öffentliche Busse sind nur halb so schlimm wie gedacht. Ich habe nur das Prinzip des Aussteigens nicht verstanden. Es gibt wohl normale Haltestellen, aber man kann, so wie ich das verstanden habe, auch dem Busfahrer sagen, wo er anhalten soll und dann darf man raus. Die Tür öffnet man bei Hand und man kann sie von innen mit einer Schnur zuziehen, weil man zur Tür ein paar Stufen herunter muss und die Schnur kann man von einem der oberen Sitze „bedienen“. Der Zug ist im Gegensatz zum Bus ein öffentliches Verkehrsmittel, das ich in jedem Fall nicht alleine benutzen würde. Es gibt einige Leute, die mit dem Zug ins Büro fahren und die sind an Touristen gewöhnt, wollen manchmal nur etwas viel reden (stimmts Nicole ;-)), aber es fahren auch einige Familien mit, die aus kleineren Dörfern kommen und noch keine Touristen (aus der Nähe) gesehen haben und dich wirklich wie ein Tier im Zoo anstarren und beobachten: Niest sie? Gähnt sie? Liest sie? Was macht sie am PC? Wie oft geht sie aufs Klo? Isst sie etwas? Trinkt es – äh sie? Also auf einer einstündigen Zugfahrt wäre das vielleicht noch auszuhalten, aber nicht auf der vierstündigen, die wir im Süden Indiens hatten. Tuktuk fahren ist immer besonders spannend, auf dem Weg zu den Sehenswürdigkeiten in Kochi hätte sich unser Guide fast das Knie gestoßen, weil es außerhalb des Tuktuks war und hier mit 2mm Abstand zum anderen Fahrzeug rangiert wird.

Die Müll-Situation ist leider ebenfalls genauso schlimm wie in Thailand, eher noch schlimmer. Dadurch, dass man die Plastiktüten und den restlichen Müll so deutlich sieht, wäre es so einfach, ihn einzusammeln, aber es kümmert sich keiner darum. Er wird zwar schön zusammengekehrt, aber dann liegen gelassen, ab und zu verbrannt, was bedeutet, dass die giftigen Stoffe in die Atemluft gelangen. Natürlich haben diese Menschen hier andere Sorgen, aber gerade, wenn sie das Wasser aus den Flüssen verwenden, um zu kochen, sich und ihre Kleidung zu waschen und es zu trinken, wäre es wichtig, den Müll einzusammeln, um zu verhindern, dass die darin enthaltenen Giftstoffe durch den Regen in diese Wasserquelle gelangen. Als wir in Kochi am Strand waren, lag auch alles voller Müll, nicht nur Flaschen und Essensreste, sondern Schuhe, Kleidung, Plastikstücke von kleineren Booten oder Ähnlichem und wir fragten unseren Guide, warum das nicht aufgeräumt wird, hier sind echt viele Touristen am Strand und der Strand wäre sicherlich noch beliebter, wenn er sauberer wäre. Die Antwort war: Abends kommt die Flut und bringt neuen Müll und jeden Tag aufräumen ist auf Dauer zu teuer und zu aufwendig und demotivierend, weil am nächsten Tag immer genau so viel wieder da ist. Generell war es aber im Süden weniger schlimm, vielleicht auch nur, weil der Fluss den Müll weg trägt.

Zu den Hotels: die beiden auf meiner 4-Tages-Tour nach Agra und Jaipur waren in der Tour inkludiert, also ich denke, sie wären sonst nicht in meinem Budget, aber sie waren sehr schön und sauber. Am Frühstück könnten beide noch etwas arbeiten, aber immerhin war es inklusive. Im Süden waren die Hotels ja auch inkludiert und das „teure“ oder besser gesagt „auf-teuer-gemachte“ war das beste, dann das Gama Heritage in Kochi selbst, da könnte ich mir auch vorstellen, zu übernachten, wenn ich nochmal nach Kochi komme, aber es gibt auch süße Bungalows näher am Strand. Das Hotel in Verkala war zu einfach, habe ich dem Guide aber schon gesagt und fülle ich auch nochmal in dem Fragebogen so aus, den wir per Mail bekommen. Ich habe vorgeschlagen, das „teure“ Hotel gegen ein günstigeres auszutauschen und dafür für die zwei Nächte in Verkala mehr Geld zu haben, aber da in der Gegend von dem „teuren“ Hotel eigentlich keine Touristen sind, gibt es nur „teuer“ und „zu günstig“ als Alternative.

Sehenswürdigkeiten: Das Taj Mahal ist eindeutig das Beste und Schönste, das ich in Indien gesehen habe und dadurch, dass hier auch viele Inder herkommen, findet man sich nicht komplett unter Touristen wieder wie im Amber Fort etc. Alles andere auf meiner 4-Tages-Tour fand ich weniger eindrucksvoll, Ruinen gibt es überall auf der Welt und die Geschichte ist zwar spannend, aber die kann ich mir auch in einer Stunde als Hörbuch anhören. Der Blick über Jaipur vom Amber Fort aus war noch ganz schön, aber da hätte ich auch auf einen der anderen Berge steigen können. Gerade die City Hall in Jaipur kann man sich sparen, sowas von unspannend.

Guides: sie folgen dir, sie labern dich voll, sie lassen dich nicht in Ruhe, sie handeln, obwohl du keinen Funken Interesse gezeigt hast, aber wenn man beharrlich nein sagt und nie auch nur eine hundertstel Sekunde zögert, lassen sie einen (vielleicht) in Ruhe ;-). Das gehört zu einer Indienreise einfach dazu.

Städte: Kochi hat mir am Besten gefallen, ein kleines Städtchen am Meer, genug touristisch, um die Vorteile zu genießen (Souvenire, kleine Läden, europäische Restaurants, …), aber nicht so sehr, dass man keine Einheimische mehr antreffen kann. Jaipur hat auch noch ein paar schöne Ecken, ist aber zu hektisch für mich. Agra und Delhi fande ich nicht so wahnsinnig toll, also Delhi sogar eher schrecklich.

Touren: Ich hätte noch eine Stadttour in Delhi buchen sollen und die 4-Tages-Tour muss man wirklich nicht über das Reisebüro buchen, da gibt es hier 1000e Angebote und dadurch sind die dann auch viel günstiger! Und es gibt genug Angebote, dass man das auch spontan für den nächsten Tag buchen kann, außer man will natürlich zu einem bestimmten Unternehmen. Die zweite Tour im Süden Indiens war super! Wirklich sehr gut durchdacht, für jeden Fitnessstand machbar (meiner ist ja auf einem niedrigen Level und ich habe es geschafft). Das Anstrengende ist, dass du dein Gepäck tragen musst (ein Trolli ist eher unpraktisch), wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und eben ab und an wechseln muss. Es war eine saugute Erfahrung (in Begleitung) mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, was in anderen Ländern komplett normal und selbstverständlich ist, ist es hier aber nicht. Nicht für mich zumindest. Das wäre mir zu riskant für meine Sachen und für mich direkt auch. Die Inder werden generell schon etwas schneller sauer, wenn du mit ihnen handelst oder etwas Angebotenes ablehnst. Das kannst du aber nicht umgehen: wenn sie dich in ihren Laden „einladen“ und du lehnst ab, kann es schon einmal sein, dass er auf indisch über dich herzieht (was du ja nicht verstehst) und wenn du reingehst, aber nichts kaufst, ist er natürlich auch nicht glücklich.

Was ich mir sonst noch so während meiner Indienrundreise notiert habe: wenn man hier Wasser trinkt, ist es wirklich wichtig (noch wichtiger als in Thailand), dass die Flasche original verschlossen ist und man sollte hier auch keine Eiswürfel im Trinken bestellen, weil man nie genau weiß, aus welchem Wasser die gemacht wurden. Hier sollte man eben nicht einfach Leitungswasser trinken, auch wenn man das zu Hause vielleicht sonst immer tut.

Gut fand ich, dass ich eine gekaufte Schoki sofort aufessen „musste“, weil sie sonst schmilzt ;-).

Braun geworden bin ich auch eindeutig mehr. Gerade bei den Armen habe ich mir oft die Sonnencreme gespart (hatte nur einmal minimal Sonnenbrand, war am nächsten Tag schon wieder komplett weg) und meine Gesichtsfarbe ist auch schon deutlich weniger weiß.

Zusammengefasst:

Ich komme nochmal! Ganz sicher! Ich will Goa sehen, auf einen Markt gehen, ganz in den Norden und noch mehr in den Süden, aber das goldene Dreieck (Delhi-Jaipur-Agra) spare ich mir beim nächsten Mal, habe ich alles einmal gesehen und das reicht. Das Taj Mahal war wirklich super, aber das ändert sich auch nicht, wird nur etwas gelber mit der Zeit und dieses Gefühl des ersten-Mal-davor-Stehens kann man eh nicht wiederholen. Ich denke, wenn ich nochmal komme, buche ich direkt einen Flug ganz in den Norden, mache dort einiges an Trekking im Himalaya und fliege dann zum Entspannen nach Goa und dann noch in den Süden für die Fotos. Klingt nach mindestens vier Wochen, aber vielleicht habe ich da ja eine Begleitung?! (Ernst gemeinte) Freiwillige vor!

Wenn jetzt jemand von euch nach Indien geht: bucht eine Tour zu Jaipur und Agra, informiert euch davor gut darüber, lasst euch nicht von irgendwelchen Guides belabern, staunt über das Taj Mahal und geht auf jeden Fall auch nach Kerela in den Süden Indiens, vor allem, wenn euch Venedig gefällt, weil sich diese zwei Orte mit diesen Kanälen und den vielen Booten wirklich sehr ähnlich sind. Für mich steht Venedig auf jeden Fall auf dem Reiseprogramm, denn dort war ich noch nicht und ich stehe ja auf Boote …

Nehmt nicht viele Klamotten mit, hier ist alles so günstig und schön und man kann immer noch handeln. Es gibt echten Silberschmuck en masse und auch Goldschmuck, wenn man ihn mag und etwas mehr Geld ausgeben will (Goldpreis ist ja weltweit, nur die Herstellung und Steine sind günstiger). Hört euch auch am besten ein bisschen indisches Englisch auf youtube an oder noch besser: bucht telefonisch und sprecht direkt mit dem Guide, denn er ist derjenige, der euch die ganzen Fakten erzählt (wenn ihr einen wollt) und wenn ihr ihn nicht versteht, macht das keinen Sinn. Ich habe mir wirklich schwer getan, obwohl ich nach den Komplimenten in Thailand dachte, ich käme gut zurecht.

Der Süden ist auch nicht so gefährlich für Frauen, wie Delhi oder Jaipur. Also ich bin ja zum Beispiel abends vom Restaurant 15 Minuten zum Hotel gelaufen und da hat auch keiner angeboten mich zu begleiten, weil es eben okay ist. Versuche nur, keinen Blickkontakt zu Ladenbesitzern zu haben, denn dann „musst“ schon fast „take a look“ machen, also mal schauen, was sie so haben. Und ihr wisst alle, was passiert, wenn ich in einen Laden gehe: Ich kaufe. Und weil es hier so günstig ist und wenn ihr auch auf bunt und speziell steht, dann kauft ihr hier auch!

Generell kamen mir die Menschen sehr freundlich vor, gerade die im Süden. Im Norden weiß ich einfach nicht, wie ich mich Männern gegenüber verhalten soll und ob das Geld leihen zum Beispiel wirklich nett gewesen sein sollte oder ob er sich doch mehr erhofft hat, was auch immer dieses mehr hätte sein sollen. Und nehmt euch USD mit und tauscht die am Flughafen in Rupien! Indien ist sehr günstig, also selbst wenn man jeden Abend gut Essen geht, kann man hier als eine Person nicht mehr als 1500Rupien am Tag ausgeben (für Essen, trinken und Snacks) und da ist man wirklich in den besseren Restaurants. Als normaler Backpacker kommt man auch locker mit 500Rupien pro Tag aus, was Lebensmittel angeht und man kann ja auch mal nur Früchte und Gemüse kaufen und im Hotel ordentlich waschen natürlich.

Wenn ich mich zwischen hassen und lieben entscheiden müsste, würde ich auf jeden Fall sagen, dass ich Indien liebe! Hass ist das ganz gewiss nicht. Ich will auch das Schloss von Versaille nicht unbedingt nochmal sehen, also das hat nichts speziell mit Indien zu tun, dass ich diese Sehenswürdigkeiten kein zweites Mal brauche. Ich würde aber nicht sagen, dass ich mein Leben lang glücklich wäre, wenn ich immer nur nach Indien reisen könnte. Hier gibt es viele unterschiedliche Ecken und man braucht sicherlich sehr viele Jahre, um hier wirklich alles zu verstehen und genießen zu können, aber mein diese Zeit nehme ich mir nicht. Dazu interessiert mich Australien viel zu sehr. Dort sehe ich ja „nur“ den Teil von Adelaide nach Brisbane. Keine Fraser Islands, kein Tasmanien, kein Perth mit den schönen Stränden und „wenigen“ Touristen, keinen roten Berg. Also wenn ich wiederkomme, miete ich mir einen Canper hier. Ich suche wieder Freiwillige! Wer will? Städte wie Sydney etc. würde ich dann aber auslassen, ist nicht so praktisch mit dem Camper und es soll dann mehr um Natur und das australische Feeling gehen, weniger um Kultur. Ein Abstecher nach Neuseeland wäre natürlich auch noch drin, wobei ich da glaube ich auch schon sehr viel gesehen haben werde – in fünf Wochen bin ich auch da schon wieder weg. Oh Mann, die Zeit rast.

Aber jetzt heißt es erst einmal: Hallo geliebtes Australien!

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