Hobbiton = Hobbingen

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Manche können sich unter dieser Überschrift vielleicht nichts vorstellen, deswegen eine kleine Erklärung: Es gibt da drei Filme, deren Titel mit „Der Herr der Ringe“ beginnen und außerdem drei weitere Filme (von denen der dritte noch nicht im Kino ist), die mit „Der Hobbit“ beginnen. Hobbits sind kleine Gestalten, die den Menschen sehr ähneln, aber als nicht besonders schlau gelten. Außerdem sind sie fleißig bei der Gartenarbeit und Tierzucht. Zusammengefasst könnte man sagen: kleine Bauern. Sie wohnen in Höhlen, wie diesen:

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Niedlich, oder? Auf jeden Fall hat eines der Hobbitdörfer aus dem Film den Namen „Hobbingen“ oder im Englischen: Hobbiton. Die Filmkulisse hierfür befindet sich in Neuseeland – welch Wunder – und man kann sie besichtigen. Dadurch, dass diese Filme sehr bekannt sind und eigentlich jeder, der hier in Neuseeland zu Besuch ist, diese Filmkulisse sehen will, lassen sie sich das auch ordentlich bezahlen: 75NZD pro Person für drei Stunden Führung inklusive Guide und ein Bierchen (oder eine Ingwer-Limonade) im Grünen Drachen (der Kneipe des Dorfs Hobbingen).

Ich kenne eben alle Filme, die man bis jetzt kennen kann und bin begeistert davon, vor allem von der Detailliebe des Regisseurs, zu der später mehr. Ich weiß nämlich nicht, ob das Wort „Detailliebe“ da noch ausreicht.

Noch zum Verständnis: Der Autor aller Bücher (drei Herr der Ringe, nur ein Hobbit (wurde aber auf drei Filme aufgeteilt)), J.R.R. Tolkien, hat zuerst den Hobbit geschrieben, danach die Herr der Ringe Bücher. Verfilmt wurden sie aber in der umgedrehten Reihenfolge. In genau dieser Reihenfolge wurden auch die Filme gedreht, d.h. erst HdR und dann der Hobbit. In beiden Verfilmungen kommt das Hobbitdorf Hobbingen vor und weil es einige Fanatiker gibt, was diese Verfilmungen und deren Genauigkeit angeht, gab es einige Probleme: Bäume wachsen. Das heißt, wenn bei den Herr der Ringe Verfilmungen der Baum 20m hoch war, ist er jetzt vielleicht schon 25m hoch und müsste für die Vorgeschichte des Hobbits eigentlich 10m hoch sein. Aber die Filmindustrie kann heut zu Tage ja alles: alter Baum weg, keinen neuen gefunden, der passend wäre, also einfach einen künstlichen hingestellt, künstliche Blätter dran und gut. Sollte man meinen. Dann kam aber Peter Jackson, der Regiseeur und ihm gefällt die Farbe der Blätter nicht. Sie sind aber schon alle hingeklebt, in zwei Tagen sollen die Dreharbeiten beginnen und das Anschiffen hat zwei Wochen gedauert. Also werden kurzer Hand einige viele Kunststudenten angekarrt und dafür bezahlt, jedes einzelne der 200.000 Blätter direkt am Baum mit Graffiti anzusprayen. Denn nicht einmal zum abnehmen und wieder ankleben wäre genug Zeit gewesen. Das ist das Ergebnis:

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Man sieht aber schon deutlich zu dem „echten“ Baum daneben, dass die Farbe nicht so 100%ig getroffen ist.

Das war aber noch eine der harmloseren Aktionen: es wurde für das Dorf nämlich auch ein Weiher angelegt, an dem sich Frösche ansiedelten und weil nach vier Drehtagen jemand feststellte, dass bei den Aufnahmen nur die Frösche und nicht die Schauspieler zu hören waren, wurden die Frösche kurzer Hand für vier Tage umgesiedelt und danach wieder zurückgebracht. Während den Dreharbeiten waren übrigens täglich 600 Menschen anwesend – Schauspieler, Visagisten, Kameraleute, Stylisten und was man eben so braucht. Und die mussten auch verpflegt werden: auf einem Feld, das fünf Mal so groß ist, wie ein Fußballfeld.

Meine Führung machte übrigens Kendall (spricht man wie den E-Reader Kindle von Amazon aus).

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Noch eine harmlosere Sache ist das Moos an den Zäunen der kleinen Häuschen, das natürlich nicht echt ist, denn obwohl alles 2009 für die Verfilmungen des Hobbits renoviert wurde, mussten die Häuschen ja alt aussehen. Etwas verrückter war dann wieder die Wäscheleine-Geschichte, auch auf dem Mist des Regisseurs Peter Jackson gewachsen: Damit alles möglichst echt aussieht, bezahlte er jemanden, der tagtäglich Wäsche wäscht und sie auf den Wäscheleinen der Hobbits aufhängt und wieder abnimmt. Mehrere Wochen lang. Wozu? Damit sich die Spuren im Gras abzeichnen! Wahnsinn, oder?

Das hier ist das Haus des Haupt-Hobbits der Filme: Bilbo Beutlin und Frodo:

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und ich vor dem wohl bekanntesten Schilds des Hauses:

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Eine bekannte Szene ist die, in der Gandalf und Bilbo auf dieser Bank sitzen und Pfeife rauchen, während sie den Sonnenuntergang betrachten. Es gibt jetzt nur ein Problem: die Sonne geht auf der anderen Seite unter! Und egal, was für tolle Ideen der Peter Jackson hat, die Sonne, kann er nicht auf der anderen Seite untergehen lassen, aber – er kann die Schauspieler um 4h morgens herbestellen und den Sonnenaufgang filmen. Gerissener Fuchs!

Noch eine letzte Verrücktheit habe ich für euch! Diese ist nur drei Sekunden lang in der Extended Version, also der verlängerten Kino-Version, zu sehen: Kinder essen Pflaumen, während sie unter einem Pflaumenbaum sitzen. Es gibt hier aber keine Pflaumenbäume und sie wachsen hier auch nur sehr langsam, also werden Apfelbäume angepflanzt und kurz vor Drehbeginn alle Blätter und Früchte entfernt und die Blätter und Früchte von Pflaumenbäumen angeklebt. Und das alles nur, weil der Regisseur einmal spazieren war und einige Kinder unter einem Pflaumenbaum gesehen hat und ihm das so gut gefiel, dass er das auch in Hobbingen haben wollte. Und die Wünsche des Regisseurs sind hier ja allen Befehl.

Noch ein paar Bilder von dem süßen Dörfchen:

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Das letzten zwei Bilder zeigen den Grünen Drachen, die Kneipe des Dorfes, die natürlich auch im Film vorkommt. Eigentlich war dieses Gebäude genau wie alle anderen nur 1m tief in die Erde, also nur eine Fassade. Aber den Eigentümern des Geländes gefiel die Idee so gut, eine Kneipe für die Touristen zu haben, dass sie den Grünen Drachen, natürlich wieder originalgetreu, nachbauten. Hier bekommt man dann sein Bierchen oder seine Ingwer-Limonade, so wie ich:

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Danach ging es ziemlich schnell zum Ausgang und zurück in den Bus, der uns noch im Souvenirladen aussteigen ließ. Auf dem Hinweg hatte ich endlich eine gute Idee für ein Mitbringsel für meinen Freund, aber das gabs dann hier leider nicht!

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Der Bus hat uns direkt aus der Stadt Matamata von der Touristeninfo:

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hergebracht und brachte uns natürlich auch dorthin wieder zurück. Als ich meine Karte

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dort abholen wollte, fand ich heraus, dass ich eigentlich direkt ab dem Parkplatz vor den Filmkulissen gebucht hatte, aber es waren unterwegs einfach gar keine Schilder. Nicht ein einziges, das besagt: Hobbiton hier lang. Nichts! Nur Schilder nach Matamata. Die Höhlen gestern waren schon ab Hamilton ausgeschildert, das ist 1,5 Stunden vor den Höhlen und hier war nicht mal ab Matamata Beschilderungen vorhanden! Ich war froh, dass ich überhaupt zu der Touristeninfo gefunden habe!

Ich war sowas von begeistert von dieser Filmkulisse! Ganz ehrlich! Es war extrem beeindruckend, vor allem die Detailliebe bei den Häuschen und im Grünen Drachen. Die Führung war auch super, es waren nur megaviele Gruppen unterwegs und daher war es extrem voll und man hatte Schwierigkeiten, Fotos zu machen, auf denen keine Menschen oder Regenschirme zu sehen waren. Ja, Regenschirme, denn es hat immer wieder geschüttet wie aus Eimern:

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Aber es war einfach so beeindruckend und ich war mit meinen Wanderschuhen wieder bestens ausgerüstet, dass der Regen mich wenig gekümmert hat. Ich hatte meine Regenjacke an und den Regenschutz über meinen Rucksack, also konnte ich mir diese riesigen Regenschirme sparen und konnte deswegen immer nach vorne zur Führerin schlüpfen. Ich war leider nicht immer vorne mit dabei, weil ich auch mal stehen geblieben bin, um Fotos zu machen, deswegen habe ich nicht alle Infos mitbekommen, aber die coolsten Geschichten bestimmt schon. Oder gibt’s was cooleres als die Wäscheleine- oder Frösche- oder Baumgeschichte?!

Heute gehen ganz besondere Grüße an meine Halbschwester, die meinem Bruder Martin und mir die Herr der Ringe Filme einmal ausgeliehen hat und die wir dann zwei Wochen in Dauerschleife angeschaut haben. Außerdem an meine Cousine Johanna, deren Empfehlung mich überhaupt erst dazu gebracht hat, diese wunderbaren Filme zu sehen und an ihre Brüder David und Simon, die sicherlich sie erst einmal dazu gebracht haben, zuzuschauen. Und wenn ich schon dabei bin: Peter, sag deinen Kindern doch Bescheid, vielleicht finden auch die Jungs diesen Eintrag interessant ;-). Und Johanna: wenn du deinen Traum wahr machst und nach Neuseeland kommst – schau hier vorbei! DAS empfehle ich dir ;-).

Ein kleiner Wehmutstropfen: man kann nicht immer so lange stehen bleiben, wie man möchte, also es ist ein bisschen ein Gehetze und man bezahlt 75NZD dafür. Weniger geht nicht als Erwachsener.

Zuletzt noch zwei Bilder von meinem Camper, einmal ist das Bett aufgebaut und einmal die Essecke mit Tisch:

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Und das bin ich beim Fahren – kleiner Scherz. Natürlich stehe ich am Straßenrand. Aber ich habe echt Spaß am Fahren :-). Wüsste ich noch nicht, dass ich Lehrerin werde, wäre LKW-Fahrerin vielleicht eine Alternative. Nochmal ein kleiner Scherz, Mama ;-). Aber ich komme wirklich erstaunlich gut zurecht. Ich meine, der Camper ist jetzt von der Breite nicht so viel größer wie ein Auto, aber er bietet deutlich mehr Angriffsfläche für den Wind, der hier über die Flächen ganz schöne Geschwindigkeiten erreichen kann.

Als allerletztes nochmal ein Beweisfoto: Lieber Lukas, dein Figürchen war jetzt schon ganz schön unterwegs und jetzt war es doch tatsächlich auch noch bei der Originalfilmkulisse von Herr der Ringe und Der Hobbit!

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PS: Nach Hobbingen bin ich nach Rotorua gefahren und dort auf den Campingpatz, den mir die „Mutter“ empfohlen hat, bei der ich die zwei Nächte davor bleiben durfte. Sie hat eine Freundin in Rotorua angerufen und extra gefragt, wo ich am Besten hin soll. Hier ist es auch echt schön und sobald es Mal nicht regnet, gibt es hiervon auch noch Fotos: Swimming Pool, Heiße Quellen, Küche, …

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