Museum und Großkatzen

Heute war ein Tag mit viel Fahrerei und dementsprechend k.o. bin ich grad auch. Morgen schlafe ich aus, eigentlich wollte ich die Fähre nehmen und auf Rotoroa fahren, aber das müsste ich auch übermorgen noch machen können. Und dann schau ich das nach und die Fähre fährt nur noch morgen, dann erst wieder im November, warum auch immer. Also doch morgen nochmal los. Ist aber nur eine viertel Stunde Fahrt und die Fähre fährt um 8:45h, also fahre ich um 8h los. Brauche einen Parkplatz und verfahre mich ja in letzter Zeit so gern.

Für den Tag danach, also den Montag, steht bis jetzt eine kostenlose Führung in der Art Gallery in Auckland auf dem Programm, die beginnt erst um 11:30h! Wunderschön! Geht eine Stunde und dann fahre ich in den Zoo in Auckland (ist nur 10 Autominuten entfernt). Dort steht dann um 14:30h ein Wärter bei den Pinguinen und plaudert aus dem Nähkästchen. Das Gleiche gibt es dann um 15h nochmal bei den Tigern. Um halb sechs macht der Zoo zu, bis dahin sollte ich alles gesehen haben und/oder keine Lust mehr auf Laufen haben. Auf dem Rückweg wollte ich noch am Mount Eden halten und ein paar Fotos von Auckland am Abend knipsen. Von dort hat man eine wunderbare Aussicht auf Auckland mit dem Skytower und allen Hochhäusern. Sieht bestimmt sehr schön aus bei Nacht und dann käme auch mein Stativ wieder zum Einsatz!

Meinen Camper muss ich am 29.4.13 zurückgeben, frühestens geht 9h und da werde ich dann auch möglichst da sein. Man weiß ja nie, ob noch irgendetwas ist und mein Flieger geht ja um 13h an diesem Tag. Auch wenn es nur ein kurzer Flug nach Fiji ist, ist er international und daher muss ich zwei Stunden vorher da sein und zum Flughafen kommen muss ich ja auch noch irgendwie!

Die Zeit in Neuseeland ist nur so verflogen! Ich habe nur noch zwei komplette Tage hier, dann gebe ich meinen Camper zurück und fliege nach Fiji! Hätte ich hier mehr Zeit gehabt, hätte ich mehr entspannen können, aber so wollte ich in der kurzen Zeit möglichst viel sehen und wenn man alleine ist, muss man eben alle Strecken selbst fahren und kann nicht (während der andere fährt) schon einmal Bilder aussortieren oder so. Ich hoffe, dass ich morgen auf Rotoroa Island dazu komme. Ich nehme auf jeden Fall meinen Laptop mit und auch den Ersatzakku und die Externe Festplatte. Ich wollte ja, wenn ich hier das Päckchen losschicke, auch wieder die Fotos mit heimschicken, als letzte Sicherung. Das sind aber 27GB von Australien und schon 20GB von Neuseeland, da muss noch was weg! Hatte ja noch fast keine Zeit auszusortieren! Oder dann keine Lust, weil ich ja auch mal entspannen muss! Ich bin gerade wirklich komplett geschafft, richtig kaputt und könnte gut morgen schon den Kunstgallerie/Zoo/Mt Eden-Tag gebrauchen, aber es geht eben nicht immer alles nach meiner Schnauze und wenn ich mir Rotoroa einbilde, muss ich eben nach den Zeiten der Fähre gehen. Die Fahrt habe ich jetzt auch schon gebucht und bezahlt, weil es hieß, dass die auch ausgebucht sein kann.

So, jetzt aber zum heutigen Tag:

Asiatisch/Australisch pünktlich ging es los: 7:10h. Verwirrend war erst einmal, dass der State Highway, auf den ich fahren wollte, Motorway hieß. Vorsichtshalber habe ich mal in einer Tankstelle nachgefragt, man will ja nicht kilometerweit in die falsche Richtung fahren. Ich habe ja einen Zeitplan heute, weil beim Kingdom of Zion (Großkatzenpark) kann man nur mit Tour rein und meine beginnt um 12:30h und man soll eine viertel Stunde eher da sein. Davor wollte ich ja noch in das Kauri Museum, also habe ich mich etwas „beeilt“ und nicht weiter verfahren und war deswegen pünktlich um 9h im Kauri Museum. Da es erst um 9h aufmacht, war ich die erste (20NZD Eintritt für Studenten minus 10% Discountvoucher → 18NZD) und das Museum war echt merkwürdig! Überall menschliche Puppen. Nicht so mein Fall.

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Aber das ganze Dorf war sehr sehr seltsam. Es besteht nur aus dem Museum und einigen Gebäuden außenrum (Post, Schule, Kirche), die auch alle mit diesen gruseligen Figuren ausgestattet sind. Kam mir alles eher vor wie in einer Geisterbahn, als in einem Museum. Ein Café gab es da auch noch, aber natürlich ohne Einheimische, denn hier wohnt ja keiner. Also das Café dort gibt es nur für die Touristen. Wie gesagt: echt gruslig. Am Coolsten war noch das Bernstein-Zimmer:

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Die Fahrt zum Kingdom of Zion war dann extrem kurvig, erinnert hier sowieso vieles an unser schönes Allgäu, aber mit diesen Kurven kann unser Allgäu nicht mithalten (zum Glück). Man dürfte 100km/h fahren auf dieser Strecke, aber ich bin auf dieser Strecke nicht über 65km/h gekommen. Nicht nur wegen den Kurven, sondern auch wegen den Steigungen, die mein Camper nicht so leicht schultern kann. Ich muss teilweise in den zweiten Gang zurückschalten, um nicht auf dem Berg stehen zu bleiben – und so steil wäre der eigentlich gar nicht!

Ich war dann pünktlichst dort (11:45h, auf 12:30h war die Führung gebucht und man sollte 15 Minuten früher da sein). Also hatte ich schon einmal Zeit, ein bisschen meinen Blog zu schreiben, aber da dann schon alle zum Eingang gegangen sind, bin ich auch mit und wir warteten dann innen.

Unsere Führerin hieß Emma

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(wenn ich das richtig verstanden habe) und sie kann sehr laut sprechen. Also wenn sie jemand nicht verstanden hat, dann muss er taub sein. Sie gab uns allerlei nützliche Infos:

Ein schwarzer Leopard entsteht,

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wenn beide Elternteile Rr sind und das r weitergeben (für meine Steffi und Julia, die auch Bio-LK hatten 🙂 ). Sie können 3m aus dem Stand hoch springen, deswegen haben diese Großkatzen als Einzige einen auch von oben geschlossenen Käfig. Man sieht hier gut das Leopardenmuster:

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Löwen hatten sie auch einige. Diese hier zählen als weiße Löwen (kamen mir nicht so weiß vor):

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und das hier ist ein Mischling:

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Zum Vergleich nochmal „richtige“ Löwen:

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Die züchtet man mit Absicht, weil die weiße Form anfälliger für Krankheiten und Ähnliches ist und durch die Kreuzung mit „gelben“ Löwen werde die Mischformen wieder kräftiger und die Vererbungsrate ist 50:50, wenn man sie mit einem weiteren Mischling kreuzt. Sowieso bemühen sich die Zoos und Tierparks weltweit darum, gut durchzumischen, um Inzucht zu vermeiden. Durch Inzucht können Schwächen nicht aussortiert werden, sondern werden an jede Generation weitergegeben. Nehmen wir an, weiße Löwen haben ein Herzproblem. Züchtet man dann immer nur mit den Herzproblem-Löwen weiter, bleibt dieses Herzproblem bestehen. Kreuzt man einmal mit einem gelben Löwen, kann es sein, dass der Mischlöwe kein Herzproblem hat, aber das weiße Gen in sich trägt und eben bei Paarung mit einem anderen Mischling können dann wieder weiße Löwen entstehen – gesunde oder gesündere.

Genug Bio für heute. Richtig cool war noch der Löwe, nach dem der Löwe Aslan in Narnia entworfen wurde.

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Ich finde wirklich, dass man sieht, dass die Gesichtszüge übernommen wurden und auch sein Brüllen wurde im Film verwendet. Ich finde auch, dass sein Blick gütiger und sanfter ist, als bei den anderen Löwen, aber das kann auch Einbildung sein. Dieser Löwe heißt übrigens Zion, nach ihm ist dieser Park benannt, weil er der erste Löwe hier war. Der Park ist hier besonders bekannt, weil hier eine Reality-Show über den Lion Man (Löwenmann) gedreht wurde. Dieser Löwenmann ist inzwischen kaum noch hier, weil seit einigen Jahren in Neuseeland ein neues Gesetz gilt, dass es Menschen verbietet Großkatzen zu streicheln oder generell anzufassen. Und genau das macht der Löwenmann sehr gerne und deswegen wohnt er in Südafrika, wo man das noch darf, und schaut nur ab und zu Mal vorbei. Heute war er nicht da. Man merkte vor allem zwei Tigerdamen an, dass sie die Aufmerksamkeit vermissen: eigentlich leben Tigerdamen nicht zusammen, aber so haben sie zumindest noch ein bisschen Gesellschaft. Die beiden sind auch Schwestern und unsere Führerin meinte, sie benehmen sich auch wie solche, also es gibt auch Mal Streit. Dann brüllen sie sich an und irgendwann steigt der ganze Park mit ein – meistens nachts. „Dann tratscht der Zoo“, sagte Emma.

Cool war auch, dass uns deutlich gesagt wurde, dass es gut ist, dass wir hier sind, weil dadurch dieser Park finanziert wird – sie bekommen keinerlei staatliche Förderung. Hier arbeiten hauptsächlich Frauen und nur wenige Männer, das ist auch gut so, weil grad die männlichen Großkatzen sich lieber von einer Frau „bedienen“ lassen. Emma meinte nämlich auch, dass für Großkatzen das Gleiche gilt, wie für Hauskatzen: Sie haben Bedienstete – die Menschen.

Im Zoo waren viele Geschwisterpärchen. Eines gleich zu Beginn:

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Das sind Bruder und Schwester – Löwen. Er wurde vor Kurzem am Auge operiert (es musste entfernt werden) und weil er ständig daran herumgekratzt hat, hat es sich entzündet. Damit ihm jetzt nicht mehr so langweilig ist und er weniger Depressionen vom allein-sein hat, wurde er wieder zu seiner Schwester gesteckt. Die beiden haben sich vier Jahre lang nicht gesehen und trotzdem wieder erkannt. Die Löwen-Brüder, die zusammen in einem Käfig sind, müssen natürlich herausfinden, wer der dominantere ist. Das eine Bruderpärchen hat das geregelt: der Eine frisst vor dem Anderen. Bei dem anderen Pärchen glauben beide, dass sie der Dominante sind und deswegen können sie zur gleichen Zeit Futter in unterschiedlichen Ecken bekommen. Der ruhigste Löwe war einmal zusammen mit einem dominanten Weibchen, das sich, ganz natur-untypisch, zuerst am Futter bedient hat und der Löwe – noch natur-untypischer, ließ sie gewähren.

Schade war, dass man immer den Zaun im Weg hatte, also man konnte keine wirklich perfekt schönen Fotos machen, aber die Infos waren ja auch super interessant und der ein oder andere Schuss ist mir dann doch geglückt. Zum Beobachten sind diese Tiere auch höchst spannend: die Bewegungen so anmutig und die Blicke so tief. Wunderschön!

Geparden haben wir auch welche ansehen dürfen, nachdem wir einen kleinen Umweg gelaufen sind, um eine weiße Tigerdame nicht zu sehr mit unseren Regenschirmen, Kameras und dem Rollstuhl des einen Mädchens zu stressen. Sie lief schon ganz aufgeregt ganz hinten in ihrem Gehege herum.

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Natürlich sind das die schnellsten Tiere der Welt, nach drei Minuten müssen sie aber stehen bleiben, um wieder abzukühlen.

Eine interessante Info war dann noch, dass die Löwenmännchen zuerst fressen, dann die Löwendamen und dann erst die Jungen. Warum? Weil es nichts bringt, wenn die Jungen einmal zu fressen hatten und dafür danach nicht mehr, weil die Löwinnen zu schwach zum Jagen sind. Dieses Konzept funktioniert offensichtlich.

Eine traurige Info gab es auch: in 2020 gibt es nach Hochrechnungen keine freilebenden Tiger mehr, weil sie wegen ihren Zähnen und ihrem Fell gejagt werden. Hauptsächlich aber immer noch wegen ihren Knochen (die eigentlich genau wie die menschlichen sind). Chinesen benötigen sie für Medizin und alte Bräuche. Dagegen kann man auch nicht viel machen, außer versuchen, die nächste Generation davon zu überzeugen, dass diese Medizin nichts bringt und Tiger am Leben gelassen werden müssen.

Emma hat uns noch so viel mehr erzählt, aber das kann man sich unmöglich alles merken. Ich hoffe, das war das Wichtigste. Witzig war noch, als sie uns davor warnte, dass uns die Löwen markieren könnten, als ihr Eigentum sozusagen. Ein Mann hätte diese Woche wohl schon eine ordentliche Portion in den Mund abbekommen. Es riecht zwar anfangs noch nicht so stark, eher angenehm, aber Urin fängt immer irgendwann an zu stinken – und dann penetrant. Einige Markierungs-Versuche durften wir auch mit ansehen, wirklich unfair: bis zu drei Meter weit, ziemlich schnell und die Löwen drehen sich sogar noch ein Stück, wenn sie sehen, dass du dich wegbewegst! Außerdem stehst du unter größtem Risiko nochmal angepinkelt zu werden, wenn du schon einmal angepinkelt wurdest, weil die anderen Löwen und Tiger dich dann als IHR Eigentum markieren wollen.

Der Rückweg nach Auckland hat sich dann ewig gezogen. Die letzte Stunde war auch nur noch zähfließender Verkehr – mein Campingplatz ist leider auf der anderen Seite von Auckland gelegen. Um 12:30h hat ja die Führung angefangen, die ging 1,5 Stunden und um 17h war ich dann am Campingplatz. Heute gabs Kartoffeln, eigentlich Bratkartoffeln, aber sowohl die Kartoffeln, als auch die Pfanne haben das verhindert. Dann gibts eben morgen Nudeln. Sind ja eh nur noch zwei Abende! Hilfe!

Jetzt aber ins Bett – ich bin todmüde.

PS: Weiße Tiger (ich hoffe das ist jetzt der weiße Tiger und keine weiße Löwin…?!) durften wir auch bestaunen! Ebenso wie sibirische Tiger (bei ihnen sieht man deutlich die schwarzen Streifen). Richtige weiße Tiger überleben in der Natur übrigens nicht lange, weil sie sich ja nicht tarnen können und deswegen schwer Beute machen. Außerdem können sie sich auch vor dem Raubtier Mensch schlechter verstecken.

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