Wild SF – Tripadvisor’s Nr. 2!

Und schon wieder wache ich vor meinem Wecker auf. Ob ich jemals wieder ausschlafen kann?! Immerhin nutzte ich die Zeit gut, skypte und machte mir Pancakes zum Frühstück.

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Die sind hier inklusive, aber irgendwie habe ich schon gedacht, dass man sie gemacht bekommt, aber dem war nicht so. In der Küche stand einfach ein Eimer mit Pfannkuchenteig mit einem Schöpflöffel darin. Es klappte dann schon ganz gut und kurze Zeit später konnte ich meinen ersten selbstgemachten Pancake essen. Pancakes sind dicke Pfannkuchen und werden oft mit Ahornsirup gegessen. Ohne irgendetwas schmeckte meiner nach Stockbrot, also Brot, das man um einen Stock wickelt und über dem Lagerfeuer „bäckt“. Mit der Marmelade schmeckte es aber dann halbwegs. Trotzdem werde ich mir wohl keine Pancakes mehr zum Frühstück machen, selbst wenn sie kostenlos sind.

Da die Stadtführung um 10h am Union Square anfängt, traf ich mich mit Sindy um 9.45h an der Kreuzung Geary und Mason, weil ihr Hotel in der Mason Street liegt und die Tour an der Ecke Geary und Powell beginnt. Sindy hatte kein Frühsück in ihrem Hostel und war somit noch schnell auf der Suche nach Kaffe und etwas zu Essen. Macy’s hatte noch zu, also wieder zu dem teuren Café. Genau pünktlich waren wir am Treffpunkt

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und unseren Führer konnte man wirklich nicht übersehen:

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Wen wir nicht sahen, war Tina. Sie kam fast eine halbe Stunde zu spät, aber da wir uns erst alle vorstellten (Name, Herkunftsland und Lieblingsessen) und unser Jayjoe (oder so ähnlich) 2USD von jedem einsammelte, damit wir mit der U-Bahn fahren können, die in San Francisco einen seltsamen Namen hat, erwischte sie uns noch rechtzeitig. Sie war davor bei diesem verrückten Rennen auf der anderen Seite der Stadt.

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(Nachwirkungen)

Wegen diesem Rennen waren auch alle Hostels und Hotels ausgebucht und überteuert, so dass unsere Norwegerinnen fast keinen Platz zum Schlafen gehabt hätten. Bei diesem Rennen, rennt normalerweise keiner. Alle haben witzige Kostüme an (oder gar nichts) und gehen eine vorgeschriebene Strecke von 5km ab, während außenherum natürlich einige Schaulustige zusehen, eine davon Tina. Ich hatte auch mal eine halbe Sekunde darüber nachgedacht dorthin zu gehen, aber das ging um 8h los und ich leide wirklich noch unter Schlafmangel und einhergehender Lustlosigkeit und schlechter Laune, dass ich mir das nicht auch noch antuen wollte. Bei der Vorstellungsrunde kam dann raus, dass mindestens 40% der Mitläufer schon wieder Deutsche sind. Das gibt’s einfach nicht. Wir sind überall! Am Ende der Vorstellungen gab es noch ein kleines Ständchen mit Gitarre von unserem verrückten Führer und dann ging es los zur U-Bahn: hier sollten wir uns, nach einer kurzen Einführung in die Geschichte San Franciscos, einen Menschen suchen, den wir noch nicht kannten und uns ihm vorstellen. Das tat der Mann neben mir auch ganz fleißig. Er quatsche jemanden an, der nicht zu unserer Gruppe gehörte. Ich bezweifle ja, dass das der Sinn dieser Übung war. Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit mit seiner Frau, beziehungsweise beantwortete ihre Fragen, weil sie mich damit löcherte, auf eine freundliche Art und Weise.

Wir kamen dann im Schwulen-Viertel an. Hier wurde der Film „Milk“ gedreht, der sich mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzt und zufälligerweise gerade auch hier im Kino läuft:

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und witzigerweise erfüllten die Schwulen hier gleich wieder alle Klischees. Einige „Gärtner“ schmückten Bäume mit Lichterketten und beugten sich immer extra tief um ein neues Licht aufzuheben und sie trugen natürlich nur kurze bunte Höschen! Man sah auch viele Händchenhaltend herumlaufen, was einfach schön ist und auch in Deutschland mehr toleriert werden sollte! Jeder Mensch sollte doch lieben können, wen er will und mit ihm glücklich sein und es auch zeigen dürfen, so wie hier!

Selbst in dieser Gegend waren Homosexuelle nicht immer willkommen, schafften es aber, sich zu etablieren und nach ein paar Jahren wusste jeder, was und wen er hier findet und es war okay. Besonders geholfen, damit es dazu kommt, hat eine Bar namens „Twin Peaks“,

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die von einer Lesbe geleitet wurde, die zuallererst alle Wände entfernen und durch Glasscheiben ersetzen ließ. Ihre Botschaft? Seht her, wir verstecken uns nicht! Das hier ist auch unsere Stadt!

Mutig, beeindruckend und eindeutig notwendig!

Die vielen Regenbogenflaggen zeigen auch, dass man „bunt“ sein darf, dass nicht jeder gleich ist, nicht jeder in eine Schublade gesteckt werden kann und will. Jeder Mensch ist anders und hat andere Vorlieben und die soll er auch ausleben dürfen.

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Aber jetzt zu etwas Anderem, ich will hier keine „Ist Homosexualität in Ordnung“-Diskussion lostreten. In einem Park mit wunderbaren Blick auf SF

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sahen wir viele Menschen mit ihren Hunden spielen, aber kaum Kinder. Laut Statistiken gibt es in ganz San Francisco mehr Hunde, als Kinder. Wahnsinn, oder? Wohnplatz ist teuer, also kein Kinderzimmer, außerdem keine „Zeit“, weil man arbeiten muss, um hier zu leben und Kinder kosten eben auch Geld. Trotzdem stirbt San Francisco keinesfalls aus, denn es ziehen immer wieder riesige Mengen von Menschen hierher, weil es einfach eine schöne Stadt ist. Teuer, aber schön!

Unser Guide war wirklich etwas verrückt, aber das muss man wohl auch sein und offensichtlich kommen er und sein Freund (der die Führungen samstags und dienstags macht) damit gut an, denn sie sind bei Tripadvisor (eine Internetseite, auf der Reisende angeben können, wo es ihnen besonders gut oder gar nicht gut gefallen hat, mit einer kurzen Beschreibung warum und wieso) auf Nummer 2 von San Francisco! Das ist wirklich eine Leistung, denn vor ihnen ist nur noch die Golden Gate Bridge – das Wahrzeichen San Franciscos! Vor einem Jahr waren sie noch auf Platz 100 und heute eben auf Platz 2. Natürlich ist die Tour kostenlos, aber man gibt danach ein Trinkgeld und weil man eben weiß, dass man nur das gibt, was man geben will, kommen mehr Leute zu dieser Tour, wie wenn es von vornherein heißt: 30USD, ob es dir gefällt oder nicht. Sindy und ich gaben ihm dann jeweils 10USD, er war gut zu verstehen, es war keine gewöhnliche Stadtführung und wir haben etwas gelernt.

Wir sahen auch immer wieder Streetart, zum Beispiel dieses Windspiel (Wind gibt es hier ja genug):

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oder diesen Zwerg, den wir an einem Baum entdeckten:

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Außerdem sind auch viele Fensterscheiben geschmückt, wie zum Beispiel diese hier:

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Damit wird auf die immer noch herrschende Ungerechtigkeit hingewiesen, die Homosexuellen oder generell nicht „normal“ Gesinnten entgegengebracht wird.

Als letztes hatten wir dann noch die Möglichkeit eine Behindertenwerkstatt zu besichtigen, in der ich ein Buch kaufte, das ich später für meinen Unterricht gebrauchen kann und will.

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Wir sind schon wirklich viel gelaufen und ich wäre einfach mit den anderen zum Inder gegangen, aber Sindy mag kein indisch, mag auch keinen Burger und keine Pizza :-). Außerdem haben wir zuvor von Pho geredet, das ist DIE vietnamesische Suppe und sie hat sich darauf eingeschossen. Auf unserem Weg zu unseren Hostels gestern, liefen wir eben auch an vielen vietnamesischen Restaurants vorbei, leider waren diese von unserem derzeitigen Aufenthaltsort seeeeeehhhhhhhr weit entfernt. Wir liefen sicherlich eine Stunde (nachdem wir eine dreistündige Stadtführung zu Fuß hinter uns hatten), was meine Laune definitiv nicht hob. Unterwegs kamen wir direkt an der City Hall vorbei:

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Ich hätte unterwegs schon hundert Mal etwas zu Essen gefunden, aber diese Suppe wollte ich natürlich jetzt doch auch probieren. Irgendwann waren wir ja dann auch da und weil ich mich, während es ihr nicht gut ging, so brav um sie gekümmert habe, lud mich Sindy zum Essen ein. Ich bestellte dann aber Hühnchen süßsauer und probierte nur von ihrer Suppe, die wirklich gut war!

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Ich war nur extrem hungrig und hätte ich sie nicht gemocht, hätte ich ein wirkliches Problem gehabt, deswegen lieber Mal nur probieren. Ich weiß aber, dass ich beim nächsten vietnamesischen Restaurant ohne Zweifel Pho mit Rindfleisch bestelle!

Direkt am Anfang der Stadtführung liefen wir an Sindys Lieblingsschuhladen vorbei: Journeys. Ich hatte davon ja noch nie gehört, aber Sindy wollte dort unbedingt nochmal hin, also kauften wir schnell einen Adapter für sie, ihrer ging nämlich irgendwo auf der Tour verloren, und liefen dann zu diesem Schuhladen, der ganz in der Nähe vom Union Square war. Sie fand leider nicht genau die Schuhe, nach denen sie suchte, dafür aber ein anderes Paar und damit ich wieder eingeschwestert werde (dazu gleich mehr), kaufte ich mir auch Schuhe:

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Keine Sorge, Mama, diese Schuhe haben nur 30USD gekostet, also waren sie wirklich günstig! Zu dem „einschwestern“. Meine liebe Halbschwester steht auf pink und ich so gar nicht. Als ich dann das Kommentar fielen ließ, dass ich mir niemals pinke Chucks (einfach gesagt: eine bestimmte Marke Turnschuhe) kaufen würde, wurde ich „entschwestert“ und diese Schuhe sind zwar nicht pink, aber doch deutlich in diese Richtung und vielleicht bin ich ja jetzt wieder eingeschwestert?

Weil ich wirklich schlechte Laune hatte und schon länger kein Eis mehr gegessen hatte, gönnte ich mir Mal wieder eines. Und zwar bei Ben and Jerry’s. Das kennt man auch in Deutschland und hier gibt es eben richtige Eisläden davon.

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Sieht schon ganz gut aus, oder? Ich war von dem ganzen Tag geschafft, besonders von der vielen Lauferei, weil ich inzwischen etwas kränkel. Also war der Tag mit dem Eis besiegelt. Ich wurde zum Hostel begleitet, weil ich ja jetzt die Kranke war, ging duschen, buchte meinen Greyhound-Bus am Dienstag nach Santa Barbara an der Rezeption (ich durfte kostenlos drucken!), schrieb zwei Blogbeiträge und schlief tief und fest.

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Ein Gedanke zu “Wild SF – Tripadvisor’s Nr. 2!

  1. Ganz sooo pink sind meine Chucks ja auch nicht! Da hast du ja so gerade noch die Kurve bekommen! Also kann ich dich wieder „einschwestern“!!! Drücke dich!!!

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