Gospel, Bahnhof, Sex und Aussicht

Damit man hier gleich Mal die Spannung rausnimmt: Sex-Museum!

Und los gehts:

9:30h Treffpunkt an der Trinity Church bei der Wall Street, direkt Fahrt mit der U-Bahn nach Brooklyn und von dort ging leider (!!!) eine ähnliche Führung los, wie ich sie schon vom Hostel aus hatte. Aussicht auf die Brooklyn Bridge, Erklärung der Gebäude und so weiter. Nicht wirklich spannend, aber dann gab es doch noch ein paar Infos über Gospel:

Gospel steht für „gute Nachricht“, natürlich von Gott. Gospelmusik ist also nicht zur Unterhaltung gedacht, sondern um sich spirituell auszudrücken und loszulassen, um voll in den Glauben einzutauchen.

1625 kam der erste Afrikaner nach Amerika und zwar nach New Amsterdam, das heut zu Tage New York heißt. Warum Amsterdam? Weil die Holländer hier zuerst waren. Bis 1814 war Brooklyn nur Farmland.

1730 wurden dann Sklavengesetze (Slave laws) verabschiedet, einige kenne ich schon von gestern, wie z.B. das Versammlungsverbot.

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Das ist unsere Führerin für heute. Ihr Name ist Alice, wenn ich das richtig verstanden habe und sie spricht wirklich laut und deutlich für ihre zierliche Figur und ist auch ansonsten ganz nett. Zwischendrin sang sie immer Mal wieder für uns, um uns auf Sachen hinzuweisen. Beim Gospel gibt es viele Wiederholungen oder ähnliche Phrasen. Warum? Weil diese Lieder nirgendwo aufgeschrieben und abgelesen werden konnten. Die Sklaven sangen diese Lieder auf dem Feld bei der Arbeit, um sich zu motivieren und sich daran zu erinnern, dass sie irgendwann bei Gott sind und es ihnen dort gut geht, weil es ihnen hier gerade so schlecht geht.

Ein paar mehr Infos über Brooklyn bekamen wir auch noch: hier leben 2,5 Mio. Menschen und wäre Brooklyn eine eigenständige Stadt, wäre sie die drittgrößte in den USA. Es war auch Amerikas erster Vorort und nur mit dem Boot zu erreichen, damit hier mehr Leute herziehen, musste die Bootverbindung besser werden und ein paar Jahre später, im Jahr 1814, war das möglich. Ein größeres Boot transportiert die Menschen, die in Brooklyn wohnen, nach Manhattan, damit sie dort arbeiten können.

Natürlich wissen diese Führer auch immer, dass „in ihrer Gegend“ ein paar Berühmtheiten wohnen (oder gewohnt haben oder überlegt haben hierher zu ziehen oder Mal gesagt haben, dass es hier schön ist und daraus gefolgert wurde, dass sie gerne hier wohnen würden, …): Bob Dylan zum Beispiel.

Wir hielten dann hier an der Plymouth Church, einer Kirche, die 1847 gebaut wurde.

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Diese Statue zeigt Henry Ward Bleecher, den verstorbenen Prediger in dieser Kirche. Er wuchs mit einigen Geschwistern unter einem sehr strengen Vater auf: ebenfalls Prediger. Allerdings gingen beide die Sache komplett unterschiedlich an. Henry’s Vater predigte von dem Gott, der alles sieht und alles bestraft. Man macht also jeden Tag nur Fehler und schmort dann dafür in der Hölle. Henry und seine Geschwister waren sich damals sicher, dass sie nur in die Hölle kommen können. Aber dann interpretierte Henry die Bibel für sich neu und erzählte den Menschen von einem Gott, der vergibt. Er sieht auch alles, aber wenn man sich für seine Fehler schämt und entschuldigt, werden sie vergeben.

Dieser liebende Gott zog unheimlich viele Menschen in seine Kirche und durch den positiven Zuspruch, den er von allen bekam, verlor Henry auch bald seine Angst, zu sprechen, die er seit Kindheit an hatte. Was natürlich kein Wunder ist, mit diesem Vater. Hier entstand dann auch der Gospel of Love, Gospel der Liebe.

Levi Coffin’s Haus war zu jener Zeit als der „Grand Central der Underground Railraod“ bekannt und als Buchempfehlung bekamen wir Henriette Bleechers „Uncle Tom’s Cabin“. Henriette war eine der Schwestern Henry’s.

Unsere Gruppe bestand übrigens aus fast 40 Leuten und letztendlich war ich von der Führung an sich enttäuscht, das Meiste hatte ich ja schon gehört, als ich gestern auf der Sklaven-Führung und am zweiten Tag in New York bei der Brooklyn-Führung teilnahm. Diese Tour heißt ja auch „Gospel“ und nicht „Alles, was die Caro schon über New York weiß“.

Zum Gospel kamen wir ja letztendlich doch noch und zwar in Kombination mit einer Art Gottesdienst. „Einer Art …“ weil es wirklich so ganz anders war, als wir es aus Deutschland kennen. Aber dazu später mehr. Der Gospelchor singt am Anfang, am Ende und auch zwischendrin. Wolltest du also nur Mal ein bisschen Gospel hören, könntest du nach den ersten Minuten wieder gehen, das gehört sich aber nicht in einer Kirche. Deswegen hatten wir die Wahl zwischen: Gottesdienst und Chor in live, aber für zwei Stunden oder Übertragung auf einem Bildschirm im Nebengebäude und dafür kann man gehen, wann man will. Ich wusste ja schon aus vielen Filmen, dass die Kirche in Amerika nicht mit der Kirche in Deutschland zu vergleichen ist und weil ich ja schon auch gläubig bin und sowieso interessiert an allem Möglichen UND ich ja bei der Tour mitgemacht habe, um einen Chor live zu sehen und eben nicht auf einem Bildschirm, entschied ich mich für Variante 1: zwei Stunden mit Gottesdienst. Und das war auch gut so!

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So sah es dann in der „Kirche“ aus. Ich hatte mal wieder einen super Platz, weil ich nur alleine war: erste Reihe auf der Tribüne. Fotos machen durfte man während dem Gottesdienst nicht mehr, aber das waren ja nur die Vorbereitungen.

Jetzt aber zu der Erklärung, inwiefern dieser Gottesdienst anders ist/war: die Kirche ist voll (an einem gewöhnlichen Tag), alle singen mit, es werden die Arme beinahe ekstatisch in die Luft gestreckt, es wird dem Prediger immer wieder lauthals zugestimmt und alle schienen fröhlich. In unseren Gottesdienste sind einige versunken in ihren Gedanken, nicht wirklich bei der Sache. Das gibts hier nicht. Hier wird jedes einzelne Wort aufgesogen und die ersten Minuten ließ ich mich beinah mitreißen, bis ich mich zurücklehnte und in die Rolle des Beobachters fiel. Wenn ich jemals den „Gottesdienst“ einer Sekte hätte beschreiben müssen: genau so hätte er ausgesehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das übertriebene (ist es überhaupt übertrieben?!) Beten, Singen und Lobpreisen gut oder schlecht finden soll. Diese Menschen geben sich Gott wirklich hin. Das ist nur einfach nicht die Art, mit der ich als verschlossene Deutsche zurechtkomme. Ich dachte, es geht mehr um das Singen, dass man dort wirklich voll dabei ist und die Texte ernst nimmt, aber die Worte des Priesters lösten die gleichen Reaktionen aus: Menschen sprangen auf, schrien „YES“ („JA“) und jubelten, bedankten sich beim Priester und verlangten seinen Segen ein. Wenn man nicht wüsste, dass es so in die Richtung geht, wenn Amis Gottesdienst feiern, würde man sagen, die Leute hier haben alle Drogen genommen. Ein konvertierter muslimischer Pfarrer betete dann auch noch für alle: auf arabisch. Ich meine, keiner wusste so genau, was er da sagte, aber alle Worte schienen direkt aus seinem Herzen zu kommen.

Auf diesem Bildschirm wurde auch immer wieder Werbung gemacht, natürlich nur für kirchliche Zwecke, wie z.B. den Frauenabend oder die Kinderkrippe und die Seelsorger.

Ich fand es wirklich interessant, aber das Gefühl in der Kirche gewesen zu sein hatte ich danach auf jeden Fall nicht.

Ich machte mich dann mit meinen durcheinandergeworfenen Ideen von „Kirche“ und „Gottesdienst“ auf den Weg zum Grand Central. Hier könnte ich mit dem Audioguide eine Führung machen, aber zwei Stunden durch die Gegend laufen und hören wann welcher Teil gebaut und umgebaut und abgerissen wurde und was für tolle Filme hier schon gedreht wurden – nein, lieber nicht. Das sollte ja heute nicht das Letzte sein, das ich mir anschaue und deswegen knipste ich ein paar Fotos:

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Und kaufte mir einen iPod Shuffle in grün für 50USD beim Apple Store, der direkt hier oben ist, von wo aus ich die letzten Bilder gemacht habe. Ich habe schon länger überlegt, ob ich mir einen zulege oder nicht und jetzt: hab ich’s eben getan. Vorteile des iPod Shuffel: er ist klein, man kann ihn an seine Klediung knipsen und er ist leicht. Nachteil: er hat keinen Bildschirm, an dem die Liedtitel und Interpreten angezeigt werden, was zu einem neuen Vorteil führt: er braucht weniger Strom, d.h. der Akku hält länger. Mein Plan für zu Hause sieht ja immer noch, neben „Studium“ und „Geld verdienen, um wieder reisen zu können“ das Thema „Sport“ vor und genau dafür ist er perfekt, weil man ihn durch den Knipser nicht verlieren kann.

Genug vom iPod Shuffle, weiter im Programm: Es ging in DAS Museum of Sex

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Allerdings wurde auch hier, wie im Arts and Design Museum, umgebaut, was bedeutet, ich war schnell wieder draußen. Es gab eine Etage über eine bestimmte Dame, deren „Deep Throat“ sie in der Porno-Welt berühmt machte.

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Nicht alle Bilder waren so un-auszüglich wie dieses hier. Im Gegensatz zu den anderen wäre das das Outfit, mit dem sie in die Kirche geht. Irritierend war vor allem, dass auf einer Wand ein Porno von ihr und ihrem Throut (Hals) lief. Natürlich ohne verpixelte Stellen, also alles super zu sehen. Selbstverständlich war das Museum erst ab 18 zugänglich, allerdings wurde mein Ausweis gar nicht kontrolliert, obwohl ich ihn sonst immer vorzeigen muss. Vielleicht dachte er, weil ich ihn schon in der Hand halte, wäre ich bestimmt gewillt ihn ihm zu geben und somit sicherlich 18 Jahre alt oder älter. Naja, mir egal.

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Das ist übrigens Kunst! Sexuelle Kunst, aber Kunst! Übrigens zum Ausprobieren (das Fahrrad!).

Die zweite Etage befasste sich dann mit dem Sex in der Tierwelt. Forscher fanden da Einiges heraus, das in Biobüchern (selbstverständlich?) verschwiegen wird: auch Tiere haben Gruppen-, Oral- und Gleichgeschlechtlichen Sex. Außerdem befriedigen sie sich auch selbst und manche Rassen haben Sex auch nur zum Spaß, was ich bisher nur von Delfinen kannte. Natürlich kann man sich fragen: woher will man das denn wissen, ob ihnen das Spaß macht? Aber es gibt ja Menschen, die sich ein Leben lang nur mit einer Tierart befasst haben und zum Beispiel bei der Gabe von Futter, die offensichtlich Freude auslöst, die Verhaltensweisen wiedererkennen können.

Ich hatte nicht erwartet in diesem Museum Tiere zu finden. Ich dachte es geht um verschiedene Vorlieben, Sexspielzeug und wie sich das alles weiterentwickelt hat oder die Geschichte des Pornos. Vielleicht findet man dazu mehr in den Abteilungen, die zur Zeit umgebaut werden. Trotzdem war ich auch hier froh, nur indirekt für den Eintritt bezahlt zu haben. Im Souvenirshop, der zum Museum gehört, konnte man dann tatsächlich Spielzeug für Erwachsene kaufen und bekam auf Wunsch sogar eine Beratung. Das wäre ja etwas, das ich niemals machen könnte. Menschen erklären, wie ein Dildo funktioniert oder was für Stellen er besonders reizt etc. In so einem Moment weiß ich wieder, warum ich studiere (und später Sexualunterricht geben muss?!).

Ich machte mich dann auf den Weg in mein Hostel, weil ich Mal wieder platt war. Ich wollte heute Abend noch auf den Top of the Rock um den Sonnenuntergang und die beleuchtete Stadt zu sehen und musste dafür 1. mein Objektiv holen (das, wie ich später herausfand dort oben nicht verwendet werden darf) und 2. dauerte es noch eine ganze Weile bis zum Sonnenuntergang und die Zeit kann ich gut im Bett liegend verbringen. Ich aß also etwas und machte mich kurz danach schon wieder auf den Weg. Wirklich Lust hatte ich nicht, aber das war ja die letzte Möglichkeit.

Ich stieg dann an der richtigen Haltestelle aus, fand aber partout kein Schild, das mir sagte, wohin ich zu gehen hatte und stand eigentlich genau an der Stelle, die auf meinem Plan eingezeichnet war. Ich fragte also Polizisten und erst dachte ich, sie kennen den Weg selbst nicht, aber dann machten sie mich auf die Tony Awards aufmerksam, die heute stattfanden:

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Und überlegten, ob ich dann überhaupt hoch dürfe. Während ich dann den erklärten Weg lief, überlegte ich mir schon eine Beschwerde-Rede, dass ich ja für den Pass gezahlt habe, das inklusive ist und ich deswegen da auch hoch will – oder natürlich eine Entschädigung verlange. Aber ich durfte hoch zum

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Sonnenuntergänge habe ich auch schon schönere gesehen:

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Und nachdem ich eine Weile gewartet hatte …

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… gingen langsam aber sicher ein paar Lichter an:

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Bis es richtig dunkel wurde wollte ich dann einfach nicht mehr warten. Ich war müde, musste morgen nach Lissabon fliegen und wollte vormittags nochmal zum 9/11 Museum schauen, weil mich das ja eigentlich schon interessiert. Also: ab nach Hause für die letzte Nacht in New York. Packen musste ich ja auch noch.

PS: Mein Rucksack war noch nie so voll!

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