Das portugiesische Geheimnis

Ich hatte schon lange überlegt „ob“, „wo“ und „was“. Das „was“ habe ich dann schnell herausgefunden: ein Kreuz, ganz schlicht, ohne Schnörkel, sogar einfache gerade Kanten. Beim „wo“ schwankte ich zwischen „hinter dem Ohr“ und „an der Knöchelinnenseite“, entschied mich dann aber für „hinter dem Ohr“, weil es mir einflüstern sollte, was das Richtige ist.

Warum ein Kreuz? Es hat für mich mehrere Bedeutungen. Es steht einmal für Vergangenes: den Tod meines Papas als ich erst 13 Jahre alt war. Außerdem für meinen gegenwärtigen Glauben an Gott und eine zukünftige Bedeutung fand ich auch: ich will nicht sterben, ohne einige Dinge getan zu haben. Man bereut immer die Dinge, die man nicht gemacht hat, selten die, die man gemacht hat. Dieser tolle Spruch ist nicht von mir, drückt aber genau aus, was ich mit meiner dritten Bedeutung meine. Ich will reisen. Auch wenn es Geld kostet, auch wenn es bedeutet, von meinen Geliebten getrennt zu sein und auch wenn es viel Zeit kostet. Ich muss weg – von Zeit zu Zeit.

Das „ob“ hat sich dann erledigt, als ich in Lissabon „Lisboa Ink“ fand. Ein Tattoostudio, das ordentlich und sauber wirkte und das einen Termin für mich frei hatte. Ich sah mich dort schon am Feiertag um, da hatten sie allerdings zu. Am Samstag machte ich mich nochmal dorthin auf, machte einen Termin für nachmittags aus und stand dann um 15h wieder auf der Matte.

Das Englisch des Tätowierers war nicht das beste, aber „cross“ (Kreuz) verstand er und die Stelle konnte ich ja deuten. Ich musste dann einen Zettel unterschreiben, dass ich sie nicht verklage, wenn bleibende Schäden auftreten etc., klar, muss man sicherlich bei jedem Tätowierstudio machen. Ich sollte mir dann mein Tattoo auf dem Computerbildschirm aussuchen, eben das schlichteste, das es gab. Das wurde dann auf die richtige Größe ausgedruckt und mir dann mit Hilfe eines Abdruckpapiers an die richtige Stelle gedrückt. Ich durfte das dann nochmal im Spiegel betrachten, immerhin wird das tätowierte Kreuz genau so aussehen, aber ich war sehr zufrieden damit. Es ist gerade, wenn ich den Kopf fast geradeaus drehe. Eine Bekannte von mir hat sich an dieser Stelle einen Notenschlüssel tätowieren lassen, das sieht schrecklich aus, denn man erkennt ihn kaum noch, wenn sie den Kopf dreht. Mein Kreuz erkennt man immer. Ich legte mich dann auf eine Liege, die mit Plastikfolie abgedeckt war, mir wurden ein paar Haare abrasiert und das Ohr zur Seite gehalten und schon ging es los. Es hat zwar schon gekratzt, aber die Mückenstiche, die ich im Currumbin Wildlife Park in Australien über mich ergehen lassen musste, waren weitaus schlimmer! Außerdem hörte ich ja wirklich direkt, wann es wieder losging und zuckte deswegen nicht zusammen. Mein Kopf wurde auch so fest auf die Liege gedrückt, dass ich gar nicht zusammenzucken hätte können.

Warum Lissabon? Ich habe mir die Reise über erst einmal Gedanken darüber machen müssen. Ab New York wusste ich dann, dass ich auf jeden Fall eines haben will und in New York tätowiert zu werden, hätte schon auch etwas gehabt, aber ich fand kein Studio, das vertrauenserweckend aussah. Lisboa Ink fand ich im Internet und ich konnte auch auf Facebook einige Fotos sehen und Kommentare lesen – durchweg positiv!

Preis? 50€. Hat sich gelohnt! Ich hätte dafür auch ein größeres Tattoo bekommen, das ist praktisch der Minimalpreis, da ja die Liege und die Instrumente gereinigt werden müssen und die Zeit des Tätowierers auch mit bezahlt werden muss. Hätte er nur 20€ verlangt, wäre ich wieder gegangen, weil dann wahrscheinlich zu wenig geputzt worden wäre. 50€ fand ich wirklich in Ordnung.

Ich würde es sofort wieder machen lassen. Es gefällt mir wirklich gut und wenn ich meine Haare offen, oder auch nur eine Strähne hinter dem Ohr habe, sieht man es nicht. Ich könnte es an dieser Stelle theoretisch auch entfernen lassen, auch, wenn ich dann eine Narbe davontrage, denn diese Stelle sieht sich normalerweise eh niemand an. Es ist einfach schön, zu wissen, dass es da ist. Ich liebe es, mein kleines Kreuz-Tattoo.

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