Toleranz

Ich habe zu dem Beitrag heute Nacht schon ein Feedback bekommen und möchte mich dazu äußern. Krass formuliert hieß es, ich wäre nicht tolerant gegenüber der Meinung des Polizisten.

Dazu hatte ich mir gestern schon einen Satz notiert, der glaube ich ganz gut ausdrückt, warum ich das nicht mehr tolerieren kann:

 

Es gibt nie eine richtige Meinung, aber es gibt definitiv eine falsche.

 

Ich denke wir sollten in der heutigen Gesellschaft insoweit gebildet sein, dass wir erkennen, dass jeder Mensch ein Recht auf sein Glück hat. Männer sollten Männer und Frauen sollten Frauen heiraten dürfen – weil es sie glücklich macht. Sagt mir jetzt jemand, sie sollten durch Eizell- bzw. Samenspende keine Kinder bekommen dürfen, ist das diskussionswürdig, aber akzeptabel. Sagt jemand, sie sollten keine Kinder adoptieren dürfen, würde mich das dazu bringen, ihnen Argumente aufzuzählen, warum sie das doch dürfen sollten. Aber das sind akzeptable Abweichungen – meiner Ansicht nach.

Sagt jedoch jemand, wie der Polizist M, dass sie AUF GAR KEINEN FALL die gleichen Rechte haben dürften ist das nicht akzeptabel. Ich denke auch, dass es in Orndung ist, zu so einem Menschen dann keinen Kontakt mehr zu haben, weil ich ihn in diesem speziellen Fall kennenlernen wollte, um ihn als Mann kennenzulernen und eventuell zu sehen, ob sich da mehr entwickeln könnte. Wir waren keine jahrelangen Freunde und ich habe ihn daraufhin blockiert. Um es richtig deutlich und überspitzt auszudrücken: ich hätte mit ihm keine Kinder erziehen können. Klar ist das weit gedacht und so weiter, aber es war für mich in diesem Fall relevant. Er meinte auch deutlich, dass er von seiner Meinung nicht abrücken würde – also würden auch meine Argumente nichts bringen. Ich hoffe sehr, dass er sich meinen „Tip“ mit der Reise zu Herzen nimmt, denn diese Erfahrung würde ihm wahrscheinlich viel in Sachen Offenheit und Toleranz bringen. Jemand, der Mallorca als sein Zuhause bezeichnet und im Juli dort war und Ende August noch einmal hinfliegt, anstatt Mal etwas Neues zu sehen, passt auch nicht zu mir. Die Bierkrüge neben seinem Whatsapp-Status machen ja auch deutlich, dass er sich am Ballermann befindet und nicht in den schönen naturbelassenen Ecken Mallorcas.

Also eine Grundabweichung darf jeder Mensch haben, da bin ich tolerant. Aber die Meinung des Polizisten ist nicht mehr akzeptabel und zeugt für mich für mich von mangelnder Bildung oder mangelnder Selbstreflexion. Sicherlich hat er schon mehr gesehen als ich. Aber ich werde ja auch bewusst kein Polizist. Wenn ich Polizistin wäre, müsste ich mir bewusst machen, dass vier auf mich einprügelnde Türken nicht die Türken im Allgemeinen repräsentieren. Ich kann also für meine eigene Erfahrung abspeichern, dass ich Türken generell vorsichtiger gegenüber trete, aber ich kann nicht vor anderen Leuten sagen, dass Türken gewaltbereiter sind.

Meine Erfahrung auf der Reise 2014 war zum Beispiel, dass sich Inder sehr von mir angezogen fühlen: blonde Haare, jung, schlank, weiße Haut. Mich hat kein Inder unangemessen berührt oder Ähnliches, aber ich habe für mich gemerkt: sei doppelt vorsichtig, was du sagst und wie du dich gibst, wen du wie lange anlächelst oder ansiehst. Ich habe aber nie zu jemandem gesagt: pass auf, die ziehen dich mit ihren Blicken aus.

Wir sind Ausländern gegenüber vorsichtig gestimmt, weil wir ihre Kultur nicht gut genug kennen. Stellen wir uns die Griechen vor, die vor ihren Häusern sitzen, sich lautstark mit ihren Nachbarn „unterhalten“…. Das klingt in unseren Ohren nach Streit. Viele Gesten dazu. Eindeutig streiten sie sich. Denken wir. Tun sie aber nicht. Auch dieses vorm Haus sitzen und vorbeilaufende anglotzen. Machen wir in Deutschland nicht (nur heimlich hinter Vorhängen) und deswegen sind wir davon irritiert. Und daraus folgt dann eine gesunde Skepsis. Das ist anders als bei uns, deswegen müssen wir das erst noch einordnen: potentiell gefährlich oder einfach nur kulturell bedingt und ganz normal?

Für mich kommt es dann darauf an, wie wir uns gegenüber andren Menschen äußern. Ich habe gestern auch deutlich geschrieben, dass ich bei den Syriern im Zug gehofft habe, dass sie mich nicht ansprechen. Das ist in gewisser Weise auch Ausländerfeindlichkeit – und das war mir bewusst, als ich das geschrieben habe. Aber ich habe es so formuliert um deutlich zu machen, wie sich in den paar Minuten meine Einstellung verändern konnte, weil ich offen auf diese Menschen zugegangen bin. Wir Deutschen sind einfach ein bisschen eigenbrödlerisch, sind lieber für uns. Klar, weil wir uns kennen – unsere Kultur, unsere Gepflogenheiten. Was bei uns seltsam ist und was normal. Aber so ist das in jedem Land, denke ich, und das ist ein gesunder Selbstschutz. Erst einmal gucken, was was für die Andren bedeutet und dann sehen, ob man das akzeptieren kann oder nicht.

Ich hoffe, das war deutlich, aber noch nett formuliert, denn ich wollte meine eigene Meinung ja eigentlich erst komplett am Ende kundtun und habe jetzt doch schon Teile vorweggenommen.

Direkt noch als Anmerkung: Meine Meinung ist nicht das non plus ultra, aber ich habe sie nicht von anderen Menschen übernommen, sondern sie mir selbst gebildet, indem ich mich in andere Menschen (auch in den Polizisten) hineinversetze. Ich denke, das sollte jeder tun.

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