(Ex-) Freundschaften

Die Zeit vergeht und man verändert sich. Und andere Menschen verändern sich auch. Und dann passt man nicht mehr zueinander und trennt sich. Das ist ja nicht nur in Beziehungen so, sondern auch in Freundschaften. Gerade Freundschaften, die sich zur Schulzeit bilden, zählen für mich zu den „schwierigeren“. Man wählt sich ja nicht auf Grund von gleichen Hobbies oder Ähnlichem aus, sondern man ist eben zusammen in einer Klasse und sitzt zusammen in der Schule. Man versteht sich, weil man sich täglich sieht. Man hat Kontakt in der Freizeit, weil die Schulkameraden die Menschen sind, die man sicherlich wieder sieht und die einem die Hausaufgaben geben können, wenn man krank ist oder sie abschreiben lässt, wenn man sie vergessen hat.

Warum sollte man also mit diesen Menschen einfach so befreundet bleiben? Weil man irgendwann mal zusammen in der Schule war? Aber was ist, wenn man so unterschiedlich geworden ist, dass man die Handlungen und Entscheidungen des Anderen nicht mehr nachvollziehen kann? Wenn es anstrengend ist, sich mit dem jeweils anderen zu unterhalten? Man gräbt nur jedes Mal wieder alte Geschichten und Erinnerungen aus, weil das das Einzige ist, was einen verbindet. Nach der Schule hat vielleicht jeder studiert. Aber jeder etwas anderes. In einer anderen Stadt. Dort lernt man neue Leute kennen, mit denen man wirklich etwas gemeinsam hat. Die einen verstehen, wenn man erzählt, dass man noch die zwei Hausarbeiten in X und Y schreiben muss. Die Schulfreunde wissen vielleicht, was Hausarbeiten sind, aber nicht wie aufwendig sie in meinem Studium sind. Oder wie pingelig der Dozent damit ist. Oder wie unorganisiert die Bibliothek ist. Das sind alles Sachen, die ich meinen Studienkollegen nicht erzählen muss.

Mir gehts so mit meinem Reisen. Meine Schulfreunde reisen nicht. Zumindest nicht so exzentrisch wie ich. Sie lieben es nicht so wie ich. Wie sollen sie also meine Liebe nachvollziehen können? Wie soll ich jemandem logisch erklären, warum ich verreise – wieder – obwohl ich kein Geld habe? Obwohl ich Geld sparen sollte. Obwohl mein Studium nicht beendet ist. Obwohl ich einen Freund daheim habe?

Sie verstehen es nicht, weil ihre Welt anders aussieht. Und ich verstehe ihre Welt nicht. Das lief jahrelang so und man lädt sich doch zu den Geburtstagen ein und redet dann über alte Zeiten. Man versucht sich auf dem Laufenden zu halten, vergisst aber ständig die genaue Bezeichnung des Studiengangs der einen Freundin. Oder kann sich nicht merken, wie lang dieses medizinische Praktikum jetzt nochmal ging. Weil es nicht meine Welt ist. Weil es deren Welt ist. Und wir irgendwann aufgehört haben, täglich nebeneinander in der Schule zu sitzen und über den Alltag der Anderen alles zu wissen.

Manches endet.

Und das ist gut so!

Stellt euch mal vor, alle Menschen, mit denen ihr jemals befreundet wart, wären noch eure Freunde! Wie solltet ihr alle mit Infos über euer Leben versorgen? Wie solltet ihr euch alle Infos über deren Leben merken können? Wie solltet ihr das wirklich wollen?

Sobald das Leben zu anders zu dem der „Freunde“ wird, erzählt man sich weniger. Weil der andere das nicht nachvollziehen kann. Man müsste zu viel außenrum erklären und das ist anstrengend und nervig. Also lässt man es. Dann kann man aber nur noch über ganz allgemeine Dinge reden und das ist dann nicht befriedigend. Das macht Freundschaft nicht aus. Nicht für mich. Ich habe lieber wenige wirklich gute Freunde, die alles wissen. Bei denen ich nur ein Stichwort fallen lassen muss und sie wissen worum es geht. Die meiner Meinung sind. Meistens. Oder die wissen, wie sie ihre Meinung äußern können. Nämlich nicht verurteilend. Sie müssen nicht das gleiche Leben führen wie ich – dann hätte ich wohl gar keine Freunde. Aber sie müssen es verstehen wollen. Sie sollen verstehen, dass die Entscheidungen, die ich treffe, wohlüberlegt sind, weil ich immer über alles nachdenke. Sie sollen mich unterstützen, pushen, fördern. Niemals herunterziehen. Nur auf den Boden zurückholen, wenn ich wirklich dabei bin einen Fehler zu machen. Nicht bei Kleinigkeiten herumdiskutieren und meine Entscheidungen einfach einmal akzeptieren. Sich in mich hineinversetzen und sich fragen: ist es das Richtige für sie? Das bedeutet noch lange nicht, dass sie das genauso machen würden. Und genau hier an diesem Punkt endeten vor ein paar Wochen ein paar Freundschaften.

Eigentlich ist es bescheuert eine Freundschaft offiziell zu beenden, aber einfach den Kontakt aufgeben ist ja auch kindisch. Und einfach nicht zu antworten geht auch nicht. Also versucht man zu erklären, dass das nicht mehr das ist, was es mal war. Dass es zu kompliziert und zu anstrengend geworden ist.

Außerdem kommt noch hinzu, dass ich ein mitteilsamer Mensch bin und mir irgendwann ausgenutzt vorkomme, wenn ich nichts von dem Anderen mitbekomme. Wenn auf ein „Wie gehts“ von mir ein halber Roman kommt und von der Gegenseite nur ein „gut“.

Ich habe ja manchmal eine Art Geistesblitz, eine perfekte Formulierung, die perfekte Ansammlung Wörter und das war in diesem Moment so. Und wo bringt man das am besten unter? Richtig – im Whatsapp Status.

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Entweder lauft ihr mit oder ich bin schon zu weit weg.

Ich entwickel mich weiter. Täglich. Ich sammle neue Erfahrungen und bilde mich weiter. Nicht unbedingt in Allgemeinbildung oder so, aber darin, wie ich mit Menschen umgehe. Wie Menschen reagieren, wie sie sich emotional verhalten und warum. Zum Beispiel. Ich stehe nicht still. Ich hasse es, stundenlang nur fern zu sehen. Oder herumzuliegen. Wenn ich eine stressige Woche hatte, geht das mal. Einen Tag. Oder besser nur einen halben.

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