Titellos

image

Es ist schon so lange her. Ich weiß gar nicht, wie mein Leben sein würde, wenn er noch leben würde. Es ist gut, ich bin glücklich. Wäre ich so selbstständig und unabhängig, wenn er nicht gestorben wäre? Dann hätte ich kein Bafög bekommen, das natürlich eine staatliche Unterstützung ist aber eben keine durch die Eltern. Ich habe mein Studium selbst finanziert und darauf bin ich stolz. Das hat mich auch erwachsener gemacht und mir auf meinem Weg geholfen. Hätte ich vielleicht nicht bei Burger King gearbeitet und Zimmer im Hotel Rebstock geputzt? Wäre ich auf meine Reise gegangen?
Vielleicht wäre ich sogar noch viel weiter inzwischen. Vielleicht hätte er erkannt, dass ich nicht für ein normales Arbeitsleben geeignet bin. Vielleicht hätte er mir von einem Lehramtsstudium abgeraten. Vielleicht hätte ich meinen Motorradführerschein schon längst und wäre mit meinem Papa durch Europa getourt. Wie geil wäre das! Und jetzt mache ich das eben allein. Oder mit anderen Menschen. Auf jeden Fall nie mit ihm. Aber das ist ok. Ich weiß, dass er trotzdem irgendwo ist. Dass er an meinem Leben teilnimmt. Denn ich sehe immer, wenn ich an einer Wegkreuzung stehe, eine Feder. Die Geschichte zur Feder findet ihr bei dem Beitrag über mein zweites Tattoo in der Kategorie „Mein Leben“. Oder wenn ich durch die Gegend laufe und mir denke: mach ich’s oder lass ich’s lieber sein? Dann sehe ich ein Feder und mir ist klar: warum nicht? Was könnte passieren? Was wäre wirklich das schlimmste, das passieren könnte und könnte ich wirklich nicht mehr zurück, wenn ich wollen würde? Doch. Wenn ich zurück wollte, könnte ich zurück. Mein Weg ist aber meistens ein weiter. Ist es irgendwo nicht so, wie ich es mir erhofft habe oder mich dieser Wohnort oder diese Arbeitsstelle nicht weiterbringt, dann ziehe ich eben weiter und suche mein neues zeitweises Glück woanders. Mein Glück finde ich in der Bewegung. Bewegung ist Veränderung und Veränderung tut mir gut.

image

image

Advertisements

4 Gedanken zu “Titellos

  1. Ich spüre deine Trauer aber auch deinen Mut und die Entschlossenheit, so den Weg zu beschreiten wie ihn dein Vater für dich gewollt hätte. Es ist dadurch ein gerader Weg. Kein Kummer mit Pfaden

    Gefällt mir

    • Genau das frage ich mich ja … ob es wirklich der Weg wäre, den er sich für mich wünscht. Oder ob es ihm lieber wäre, ich hätte ein sicheres behütetes Leben mit einem normalen Job, der jeden Monat gleich viel Geld reinbringt. Und ob er vielleicht erwartet, dass ich näher bei meiner Mama bin, gerade, weil er nicht da sein kann.

      Gefällt mir

Lass mir gern ein Kommentar hier:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s