Hals- und Schulterbruch

Kapitel 2

Hals- und Schulterbruch

Es war einmal eine ältere Dame, die sich in Deutschland sehr wohl fühlte. Trotzdem dachte sie sich eines Tages: „Ich will mehr sehen!“ und buchte kurzer Hand eine geführte Tour durch England. „Die Gegend da ist so schön!“, sagte sie zu sich selbst. „Ich kenne Cornwall ja aus den Rosamunde Pilcher Filmen. So schön grün und weitläufig! Da will ich hin!“

Einige Monate später ging es dann auch schon los und nach einer Bustour durch London, ging es weiter ins Rougemont Hotel nach Exeter. Dort fühlte sie sich ganz besonders gut aufgehoben, da eine der Angestellten deutsch spricht und sich deswegen perfekt um alle Anliegen kümmern konnte.

Eines Morgens beim Haarewaschen in der Dusche rutschte sie aus und stieß sich die Schulter an der Kante der Badewanne: „Aua! Das tut verdammt weh… HILFE! HILFE! Hört mich denn keiner?!“

Sie kam nur sehr schwer auf die Beine und ihr rechter Arm schmerzte höllisch. Unbekleidet öffnete sie dir Tür und hoffte auf eine Person im Gang, die ihr irgendwie weiterhelfen konnte. Zum Glück kontrollierte genau zu diesem Zeitpunkt die junge Chefin vom Putzdienst die Gänge, um nach bereits leeren Zimmern Ausschau zu halten.

„How can I help you?“, fragte sie besorgt, denn es musste ja schon etwas passieren, dass ein Gast sich freiwillig splitterfasernackt auf dem Gang blicken lässt. Obwohl diese Dame auch noch nicht viel Sonne gesehen hatte, schien sie trotzdem extra blass um die Nase zu sein.

„Ich bin ausgerutscht. In der Dusche.“, versuchte sie ihr Glück auf Deutsch.

„Sorry I don’t speak German, could you try it in English, please? What happened?“

„Nein ich kann das nicht. Wie soll ich das auf Englisch erklären?!“

Fragende hilflose Blicke.

„Carolina?“

„Shall I bring her upstairs? I think she is doing breakfast this morning.“

„Yes please.“

Einige Minuten später fand sich dann die Rettung ein. Die deutschsprachige Angestellte ließ sich die Umstände erklären und übersetzte sie fleißig. Kurze Zeit später war der Notarzt am Telefon und es wurde abgeklärt, was der Dame fehlt. Leider ist es schwer zu erkennen, ob eine Schulter geschwollen ist, wenn die Person generell nicht die schlankste ist. Und die Haut einer unter Schock stehenden Person ist ebenfalls leicht verfärbt und deswegen wäre eine Blau- oder Grünfärbung schwerer auszumachen. Es hieß dann: bringen Sie sie ins Krankenhaus, ok? Und aus Reflex sagte Carolina: Ok. Warum sollten sie es auch sonst anbieten, wenn es nicht normal wäre?

Die Deutsche benötigte dann Hilfe beim Anziehen und Haare trocknen und das ist natürlich selbstverständlich für unsere zuvorkommende Carolina. Dieses Mal wurde sie für ihre zusätzlichen Dienste auch mit 5 Pfund entlohnt. Immerhin.

Das Ende vom Lied: die bemitleidenswerte Dame musste alleine (ich durfte ja nicht von der Arbeit weg) in einem englischen Krankenhaus sitzen und bekam letztendlich mitgeteilt, dass sie eine gebrochene Schulter hätte. Zum Glück war der Tag danach eh schon Abreise angesagt.

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