Unsere kleine Farm

„Zu viele“ Haustiere, bedeutet mehr Bauernhof als normales Haus. Und ich würde sagen, dass vier Ratten, zwei Katzen, zwei Ziegen, sieben Hühner, ein Hahn und ein kleiner Hund als „zu viel“ zählt.

Bitte einmal vorstellen:

Zwei der insgesamt vier Ratten. Die zwei weiblichen sind super zutraulich, die zwei männlichen leider nicht, werden aber zunehmend neugieriger und nutzen meine Arme ab und an als Brücke. Hätte mich niemals als Rattenliebhaber eingeschätzt, aber diese vier sind echt goldig!

Unsere Carla haben wir natürlich auch noch. Sie versteht sich leider mit keinen anderen Tieren, aber sie kämpfen auch nicht oder so. Sie gehen sich einfach aus dem Weg. Zum Glück. Besser, wie wenn sie die andren Katzen vermissen würde, wenn wir am 09.01. weiterreisen oder?

Der Chihuahua-Jack Russel-Mix Kofi, benannt nach Kofi Annan, ist gerade mit der Tochter der Hausbesitzer in der Stadt. Sie passt dort ebenfalls auf ein Haus mit Hund auf und die beiden leisten sich super Gesellschaft. Kofi verträgt sich super mit den andren Tieren, geht aber Mensch und Tier auf die Nerven. Folgt dir ständig überall hin, liegt auf deinen Füßen, sitzt unter deinem Stuhl, hüpft neben dir herum, wenn du ihm nicht genug Aufmerksamkeit schenkst und jagt alle Tiere durchs Haus und über das Grundstück. Die Katzen genießen seine Abwesenheit also auch. Und die Hühner. Und die Ziegen. Und auch die Ratten, weil er an die Glasscheiben des Käfigs springt. Aber schaut euch mal diese Augen an…. man kann ihm nicht lange böse sein und wenn man ihm Aufmerksamkeit schenkt, ist er auch echt ein goldiger und gar nicht mehr nervig, sondern nur aktiv.

Bunny, die Rede-Katze. Ständig am Miauen, fühlt sich an, wie in einem richtigen Gespräch! Auch total entspannt. Könnte sie am Schwanz hochheben und sie würde nichts machen.

Die zwei Ziegen haben sehr interessante „Wie ich hier gelandet bin“-Geschichten. Eine wurde gerettet, sie sollte geopfert werden und wurde schon so erzogen, dass sie ihren Kopf hochhält, damit man leichter durchschneiden kann. Schrecklich. Sie war deswegen auch super schüchtern und sehr zurückhaltend bei Fremden. Seit sie (eigentlich ein er) aber ihren (also seinen) Ziegen-Kollegen hat, geht es rund! Diese zweite Ziege wurde als Geselle für einen Hund angeschafft und als die Beziehung der Besitzer in die Brüche ging, konnte nur der Hund mit in die Stadtwohnung ziehen und die Ziege kam hierhin.

Sieben Hühner, ein Hahn. Leider nicht zum Streicheln, aber immerhin hochheben lassen sich die drei, die abends nie selbst zurück in den Stall wollen… ist hier nämlich vor allem für deren Sicherheit… Schlangen sind hier deutlich normaler und könnten von herumliegenden Eiern angelockt werden. Deswegen lassen wir die Hühner immer erst nach 12h mittags raus, nach dem Eierlegen.

Und last but not least: Flo, nochmal eine weibliche Katze und meine liebere. Natürlich nicht lieber als Carla, aber Bunny ist mir etwas zu anhänglich. Flo kuschelt gern mal aber kann auch ohne. Wenn sie welche will, kommt sie und legt sich demonstrativ auf deinen Schoß. Wenn sie keine will, geht sie oder versteckt sich schon auch mal echt gut!

Ja, damit dürfen wir uns gerade beschäftigen. Leider musste ich die ersten zwei Wochen hier echt viel arbeiten und hatte wenig Zeit, das hat mir total Leid getan. Die Hausbesitzerin ist normalerweise fast immer daheim, also kriegen alle Tiere deutlich mehr Aufmerksamkeit. Aber seit Weihnachten ist das besser und es gibt viele Kuscheleinheiten!

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Überraschungen

Die erste Überraschung ist wohl, dass ich endlich wieder Motivation habe, zu schreiben. Die zweite, dass es Menschen gibt, die das Lesen wollen. Ich habe das komplette Jahr über Menschen, die meine Beiträge lesen, selbst wenn ich gar keine neuen veröffentliche. Ich scheine also in der Vergangenheit irgendetwas richtig gemacht zu haben:

Statistik WordPress

Ziemlich cool, oder? Also ich finde schon.

Die dritte Überraschung: ich kann noch schreiben! Ich dachte schon, mein Gehirn arbeitet komplett in englisch. Ich muss sagen, das z und y verwechsle ich wirklich dauernd.. also, falls ich es einmal nicht korrigiere.. ihr wisst, was ich meine.

Die vierte Überraschung: ich habe mein Glück gefunden. Ich lebe mein Leben, wie ich es möchte. Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag. Ich will nicht nur perfekte und besondere Tage, aber ich will zum Beispiel entscheiden, in welchem Land ich bin, mit welchen Leuten ich in Kontakt bleibe und womit ich meine Zeit verbringe.

Die fünfte Überraschung: ich besitze meine eigene Firma. Jup, richtig gelesen. Ich habe endlich ein Talent in mir gefunden, das nicht jeder hat. Ich wusste schon immer, dass ich es habe, aber nie, dass es etwas Besonderes ist und das allertollste: ich helfe Menschen damit! Hab euch neugierig gemacht oder? Leider ist es das Gegenteil von ortsunabhängig, aber es ist mit Reisen vereinbar. Das ist auch im Namen festgehalten:

Tidy Carolina FB

Ich habe mir das so gedacht, dass ich die super sinnvollen Facebook-Gruppen nutze, um mich anzukündigen. Jede Gemeinde oder jede Stadt hat eine und selbst wenn nicht jeder Facebook hat, es wird sich verbreiten. Vielleicht meldet sich in manchen Städten niemand. Vielleicht habe ich in einer anderen Gemeinde 20 Buchungen und muss welche ablehnen. Wir werden sehen. Das Gute ist, dass wir genug Geld haben, um nicht arbeiten zu müssen. Nicht alle Ersparnisse aufzubrauchen wäre aber besser, aaaaalso: arbeiten. Ab und an. Nicht zu viel. Sobald wir Kununurra verlassen, soll der Fokus wieder auf dem Reisen liegen. Unser Working holiday war zu viel working und zu wenig holiday bis jetzt. Am 09.01.2017 gehts los. Am Mittwoch in einer Woche gehts weiter. Endlich!

Musik-Gedanken

Ich bin kein großer Musik-Hörer. Wenn, dann höre ich immer die gleiche Playlist, die selben fünf Songs. Aber heute habe ich endlich mal meine Musik auf meiner Festplatte ausgemistet und in zwei Listen sortiert: Home und Push through. Eine zum Entspannen, eine zum Motivieren. Das ist doch alles, was man braucht oder? Und ich bin über einige Titel gestolpert, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört habe und überraschenderweise sind dabei weit entfernte Erinnerungen hochgekommen. An Freunde, die längst keine Freunde mehr sind. An Momente, wie aus einem anderen Leben. An eine Reise, die inzwischen fast vier Jahre her ist. Vor vier Jahren habe ich meine Weltreise geplant. Vor vier Jahren, haben mein damaliger Freund – lieb aber langweilig – und ich unseren Hund begraben. Vor drei Jahren feierte ich Silvester mit meinem zweiten Freund – drei Jahre jünger und ein Schönling. Vor zwei Jahren besuchte mich mein englischer Steve in Deutschland und weil uns das beiden so viel bedeutet hat, haben wir das als „unser“ Datum festgelegt. Ja und letztes Silvester waren wir dann schon in Australien – Monkey Mia, Sharkbay. Anstatt reinzufeiern haben wir reingeschlafen und das könnte dieses Jahr auch wieder passieren, an unserem Zweijährigem. Wir haussitten einige Tiere, so dass man es schon als kleine Farm bezeichnen könnte und wohnen ein paar Minuten außerhalb der Stadt Kununurra in Westaustralien, aber direkt an der Grenze zu Nordaustralien. Auch für diesen Lebensabschnitt gibt es schon ein paar Songs, die mich in der Zukunft an diese Momente hier zurückerinnern werden. Schon komisch, dass Lieder sowas können.

Beschäftigungstherapie

Womit verbringe ich gerade die meiste Zeit.

Putzen.

Ich bin Putzfrau und das ist ok! Es macht sogar Spaß – weil es auf begrenzte Zeit ist. Wie alle Jobs in meinem Leben. Nichts kann so gut sein, dass ich es „für immer“ machen will.

So – und da das gesagt (und auch so gemeint) ist, wird es jetzt etwas genauer. Ich habe euch ja gestern von diesen Farmtagen erzählt. Dass ich entweder auf einer Farm oder auf dem Bau arbeiten muss. Aber ich habe, wie auch schon sicherliche viele andere Backpacker einen Weg darum herum gefunden. Ich werde durch eine Baufirma bezahlt, aber eigentlich arbeite ich für die Firma der Frau des Chefs.

Ich bin also eine Magic Cleaning Fairy und mit diesem Bewerbungs-Look hab ich überzeugt:

Und ich bin gerade die einzige Angestellte! Die Sache mit diesen Backpackern ist nämlich die, wir haben Deutschland verlassen, um die Freiheit zu haben zu reisen, an Orten zu sein, an denen wir sein wollen. Was machen wir also, wenn es uns irgendwo nicht mehr gefällt? Wir packen unseren Rucksack und wandern weiter. Und dann muss Kate einspringen und das kann sie nicht mit zwei oder drei oder noch mehr Backpackern machen. Und Australien wollen nicht putzen. Genauso wie sie nicht auf einer Farm arbeiten wollen …
Mit Wohnwagen und Katze und Freund, der auch einen Job hat, zwar etwas schwieriger aber trotzdem generell möglich. Ich bin mit einem Vertrag eingestellt, der mir erlaubt, täglich das Handtuch zu werfen. Das Problem kann nämlich auch sein, dass sich Backpacker – weil es ja nicht DER Beruf ist – nicht wirklich Mühe geben und dann müssen Arbeitgeber schnell Ballast abwerfen und es herrscht ja Gleichberechtigung (manchmal): wenn die mich von einem auf den nächsten Tag kündigen, darf ich auch. Zum Glück will mich meine Kate nicht loswerden – meine Farmtage sind nämlich echt eng bemessen!

Hauptsächlich putze ich Privathäuser – die Leute verlassen um 8 das Haus und die meisten kommen so um 4 immer heim. Das heißt in der Zwischenzeit darf ich einigermaßen frei gestalten, wann ich was mache und weil ich in meiner ersten Woche schon den Wochenplan verbessert habe (Leute in der gleichen Gegend auf den gleichen Tag legen – irgendwie ziemlich logisch oder?), fahre ich relativ wenig und bekomme sogar, dank super Chefin, wöchentlich noch vier Stunden für die Fahrerei bezahlt! Leider oder zum Glück sind meine Tage aber so voll, dass ich nicht wirklich mal ein Haus putze und dann wieder eine Stunde Zeit hab oder so – ich rase fast schon von einem Haus zum andren und racker mich ab, dass ich in den zwei Stunden Zeit, drei Badezimmer, eine Wohnküche und fünf Schlafzimmer geputzt, abgestaubt, gesaugt und gewischt bekomme. Und das in etwa vier Mal täglich.
Dann habe ich auch noch ein paar Büros – die meisten soll ich erst putzen, wenn alle weg sind, damit ich keinen störe und nicht mithören kann, also abends oder am Wochenende.
Pro Woche komme ich damit so auf 50 Stunden.
Vor meinem Deutschlandbesuch im August waren das an die 60 Stunden! Weil wir abends noch einen Kindergarten putzen mussten. Jeden Tag die gleichen Gruppenräume, aber immer erst nach 17h. Also heimgehen, nach einem acht Stunden Tag, und dann nochmal aufrappeln und Klos putzen, Böden saugen und wischen… fünf Mal die Woche. Nicht so toll. Zum Glück hat die Kate beschlossen, dass das jetzt genug ist und mit dem Kindergarten abgesprochen, dass sie jemand andren finden müssen, Und das ist so gut! Einmal wegen immer nur nach 17h und dann auch weil es eben ständig das Gleiche ist. Und Gleiches ist langweilig – klar!

Mein Problem hierbei ist mein Perfektionismus. Mein DEUTSCHER Perfektionismus, das ist wirklich nochmal was andres als der australische oder englische. Ich muss das Haus einfach ordentlich verlassen. Ich kann nicht einfach mal schneller machen oder was weglassen oder so. Wenn ich nochmal ein paar Fingerdapper am Fenster sehe, hole ich nochmal meinen Lappen rein, auch wenn der eigentlich schon im Auto ist. Es wird nicht unperfekt weggefahren.
Und trotzdem gibt es eine Person, die meiner Chefin schreibt: Warum wurden wir denn letzten Dienstag ausgelassen? – Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich da war……. tja. Sie hatte wohl einen schlechten Tag – aber dank ihr hatte ich ein paar schlechte Tage. Sowas nimmt mich einfach mit. Kritisiere mein Aussehen, meinen Charakter, meinen Humor – was auch immer. Kein Problem. Mein Arbeitsethos? Renn so schnell du kannst.
Kate hat mir da zwar echt den Rücken gestärkt, aber trotzdem war das für mich der Grund zu sagen: ich mache das nur so lange, bis ich meine Farmtage hab. Ich kann mich einfach nicht für andre Leute abrackern und dann so eine Nachricht erhalten. Außerdem arbeite ich für Kate’s Glück. Nicht für meines. Und wie ihr seit gestern wisst, hab ich ja schon wieder einen super Plan an Geld zu kommen: sei dein eigener Chef! Yeeeaaah!

Tidy Carolina – the travel cleaner

Aufräumen, aussortieren, organisieren – sowas von mein Ding! Geld dafür bekommen? Ein kleiner Traum. Und Träume sind ja immer umsetzbar – also wird gerade alles dafür vorbereitet.

Ich hab mir das so gedacht:

Dank meiner aktuellen Chefin Kate (was ich gerade mach, erzähle ich morgen) weiß ich, dass Australier gerne one-off-cleans haben, was bedeutet: eine Putzfrau kommt ins Haus und wischt einmal alle Küchenschränke aus, reinigt das komplette Bad etc. Also einmal so richtig putzen – Frühjahrsputz, der nicht im Frühjahr sein muss. Und dadurch, dass in Australien immer mal wieder 100e Kilometer zwischen den einzelnen Städten oder Dörfern und deswegen sind Facebookgruppen essentiell, um an Sachen zu kommen, die wochenlange Lieferzeiten hätten etc.! Und genau die mache ich mir zu Nutzen: ich werde meinen Besuch ankündigen und dann kann ich gebucht werden. Ich habe einen Stundensatz, denke so an 25 bis 30$, das sind umgerechnet 16-20€. Entweder, zum Küche aussortieren oder Kleiderschrank aufräumen, Kinderzimmer, … was auch immer ansteht. Vielleicht ergibt sich auch etwas, dass sie uns etwas am Wohnwagen umbauen oder wir kostenlos bei ihnen stehen können mit eigenem Bad oder sowas.
Vielleicht gibt es manche Städte, in denen uns niemand braucht, dann habe ich Zeit zum Studieren, Schmuck basteln, sporteln, … langweilig wird es mir nie. Und dann gibt es vielleicht Städte, in denen wir Aufträge ablegen müssen, weil wir nicht ewig bleiben wollen. Ich hoffe, dass das dann bedeutet, dass wir nicht mehr an einem Ort für länger bleiben müssen. Monkey Mia war toll für sechs Monate, aber wir sind eben doch eigentlich am Reisen.
Und wie beweise ich, was ich kann? Mit einer Facebookseite, auf der ich vorher-nachher Fotos poste und kleine Videos von den lieben (aber zum Glück unordentlichen oder faulen oder beschäftigten) Menschen, denen ich geholfen habe. Im Moment sortiere ich ein komplettes Haus hier in Kununurra aus. Ich hatte es kostenlos angeboten, wenn ich dafür im Gegenzug Fotos machen darf und sie für Facebook nutzen kann. Ich dachte auch, ich müsste sie überzeugen, aber sie war sofort bereit! Letzten Sonntag nahmen wir uns die Küche vor, übermorgen dann das Wohnzimmer. Ihr Kleiderschrank ist ein weiteres Tagesprojekt und durch ihr Fotostudio schauen wir auch einmal.
Ich wollte die Facebookseite auch aktiver gestalten, d.h. es gibt auch immer wieder kleine Videos mit mir, in denen ich generelle Haushaltstips gebe. Ja, mag komisch klingen für Deutsche, aber schon in England habe ich gemerkt, dass grundsätzliches Haushaltswissen fehlt und welch besseren Weg gibt es, der Jugend etwas beizubringen, als mit Facebookvideos? Da kommt die Lehrerin durch, kann nichts dafür.

Ja, also das ist der restliche Reiseplan für Australien: 900km nach Darwin, durch die Mitte zum Roten Felsen, Adelaide, die Great Ocean Road, Melbourne, Fähre nach Tasmanien, Canberra, Syndey und die komplette Ostküste mit Abstecher ins Landesinnere, Cairns, wieder rüber durch Kununurra und dann statt die Gibb River Road zu nehmen (NIE mehr in diesem Leben und auch nicht im nächsten), außenrum, an Broome vorbei, durch den Karijini Nationalpark, den wir auf dem Hinweg ausgelassen haben, schwimmen mit Buckelwalen in Exmouth (dafür war beim ersten Durchreisen noch nicht Saison, „nur“ für Walhaie), Besuch in Monkey Mia (ein paar Leute bleiben da einfach für immer), Perth und dann eine kleine Schlaufe, um auch die Südewestküste abzuhaken. Ja, ich will wirklich alles sehen. Und ja, ich werde auch.