Besuch im deutschen Lande

Das waren meine Pläne vor meiner Anreise:

Echt früh morgens ab in den Zug und zum Stansted Flughafen… von da sind die Flüge einfach am günstigsten…. und sie gehen direkt nach Nürnberg, der nächste Flughafen zu meiner Mama. Zugtickets sind echt teuer.. aber wenn man früh genug bucht, gehts. Ich zahle für eine einfache Fahrt jetzt 25€. Der Hin- und Rückflug waren in etwa 65€, also auch voll ok. Ich verdiene ja auch Geld für die fotografierte Hochzeit, wenn ich „daheim“ bin, also rechnet sich das alles!

Ich erzähle euch einfach mal, was ich so vorhabe:

Ich werde natürlich Zeit mit meiner Mama verbringen, aber auch einige Freunde treffen. Ich dachte immer, ich bin etwas „freunde-los“, weil ich ja regelmäßig aussortiere, aber wenn man dann mal eine Woche daheim ist und alle sehen will, merkt man erst, dass es doch eine gute Anzahl ist. Und das Schöne ist, dass mir wirklich jeder dieser Menschen am Herzen liegt und ich mich für deren Leben interessiere und sie mich in meinem unterstützen. Manche natürlich weniger als andere, aber auf jeden Fall kritisiert mich keiner und alle geben sich Mühe, meine Entscheidungen zu verstehen und mir trotzdem ihre ehrliche Meinung zu sagen. Genau das brauche ich! Danke!

Friseur ist angesagt! Endlich! Dank Sonne sind die Strähnchen nicht so wirklich zu sehen, aber trotzdem: allein das ich-war-beim-Friseur-Gefühl ❤ Ich brauche es mal wieder!

Meine Zeit in Deutschland wird mein Urlaub… denn ich nutze dafür vier Ruhetage (von denen ich normalerweise zwei pro Woche habe) und fünf Urlaubstage. Mit meinen Urlaubstagen muss ich vorsichtig umgehen, immerhin arbeite ich ja nur fünf Monate im Hotel, also hab ich nicht einmal die Hälfte des normalen Jahresurlaubs von 28 Tagen! Allerdings war ich schon an zwei Feiertagen arbeiten, das bedeutet nicht nur ein weiterer Tag frei, sondern auch doppelte Bezahlung 😉

Ich bin schon gespannt, wie sehr ich vermisst werde und wie sehr ich vermisse. Immerhin waren wir jetzt wirklich ein paar Monate ununterbrochen zusammen. Vielleicht vermissen mich sogar Kollegen aus dem Hotel .. das wäre schon schön 🙂

Außerdem natürlich die Hochzeit mit Standesamt, Probeshooting und dem eigentlichen Hochzeitstag. Gebucht bin ich noch für ein Freundschaftsshooting in Würzburg! Freu mich schon, wieder Menschen zu fotografieren, in letzter Zeit waren ja doch eher Landschaften dran. Ich hoffe, ich kann das noch 😉 Ich denke, es ist wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht…

Und das die umgesetzten:

Meine Hinreise war eine kleine Odyssee, deswegen gibt es dazu morgen einen seperaten Beitrag (mit vielen Bilder 😉 )
Zusätzlich zu meinen Plänen ergab sich noch die Möglichkeit, die Stadt Rothenburg zu besichtigen! Ich war da vor Jahren mal mit der Schule, kann mich aber nicht wirklich erinnern, was es so zu sehen gab – aber was hängen geblieben ist: die Stadt ist super schön!
Freunde kamen fast alle dran, alle alle kriegt man eben doch nicht unter! Morgen gibt es nochmal ein abendliches Quatschen mit meiner zukünftigen Trauzeugin und dann geht’s am Dienstag schon wieder heim (das habe ich ganz automatisch geschrieben – heim nach England, mein Zuhause)!
Die Zeit hier war schon ein bisschen wie Urlaub. Meine Hände sind wieder zwart und meine Fingernägel länger. Meine Beine rasiert und meine Haut ein bisschen brauner. Ich hatte also mal wieder Zeit, mich um mich selbst zu kümmern! Damit das auch in England öfter möglich ist, habe ich schon per Mail Bescheid gegeben, dass mir vier lange und ein kurzer Tag pro Woche reichen. Wie eben eine normale Arbeitswoche.

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Heute kopiere ich noch einige CDs und DVDs auf meine externe Festplatte, denn die würden zu viel Platz wegnehmen in meinem Handgepäck-Koffer. Außerdem hat mein Laptop kein Laufwerk und ich sitze/liege gerne im Bett, wenn ich einen Film ansehe. Ist viel bequemer als ein Sofa.

Ich war heute etwas später dran mit dem Veröffentlichen. Gestern war die Hochzeit und ich konnte endlich einmal ausschlafen (bis 13h!!!). Ich habe mir dank Heuschnupfen eine Erkältung eingefangen (Nase zu – durch den Mund atmen – kalte Luft macht Halsschmerzen – Halsschmerzen und Schniefen machen Kopfschmerzen – krank) und war die letzten Tage immerzu beschäftigt… da hatte ich einfach etwas Erholung in Form von Schlaf nötig. Dann wollte ich unbedingt schon packen … ich will wirklich wieder zurück! Das Heimatgefühl ist in England schon viel ausgeprägter, als hier.

Was mir Youtube beibringen kann

Wie man Bilder in Lightroom bearbeitet

Wie man lecker und schnell vegan kocht

Wie man einen Camper nach den eigenen Wünschen umbaut

Wie Conni von PlanetBackpack ihr Leben und ihre Reisen plant und durchführt

Wie man es hinbekommt, dass Blätter und Herzen im Kaffeeschaum entstehen

Wie man sich eine Frisur macht, die komplizierter aussieht, als sie ist

Wie man Geschenke bastelt, die Mal etwas Anderes sind

Wie man zu Hause Sport machen kann, der in kurzer Zeit viel bewirkt

Wie ich Yoga erlernen kann, ohne aus dem Haus zu gehen

… und das ist alles kostenlos und steht rund um die Uhr weltweit zur Verfügung! Ich werde in Zukunft auf jeden Fall mehr Zeit auf Youtube verbringen – und vielleicht werde ich ja auch Videos hochladen?! Irgendwann …

Der 160. Beitrag

Ich bin wieder so richtig in Deutschland angekommen. Dass sich damit allerdings mein Fernweh gelegt haben könnte, ist nicht richtig. Ganz und gar nicht.

Ich habe nicht viel Uni, würde gerne viel mehr arbeiten, aber wenn ich mehr verdiene, bekomme ich kein Bafög mehr, das gibt ja keinen Sinn. Jetzt schon lernen für mein Examen im Sommer? Auch sinnfrei. Mit Freunden treffen? Ob ihr es glaubt oder nicht, die haben auch nicht immer Zeit. Nächste Reise planen? Deprimierend, weil einfach gar nicht abzusehen ist, wann die stattfinden soll, weil das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Fotos sortieren? Auch deprimierend, sorgt für noch mehr Fernweh.

Aber ich hab mir gedacht, ich kann meine Reise nochmal durchleben, indem ich diesen Blog lese und ganz nebenbei Korrektur lese, in OpenOffice kopiere und dann drucke.

Es sind tatsächlich immer noch regelmäßig Leute auf meinem Blog unterwegs, das freut  mich natürlich, weil das war ja auch Sinn davon.

Was hat sich bei mir getan?

Ich bin nicht mehr mit meinem Freund zusammen. Wir haben uns im beidseitigen Einverständnis getrennt und gerade mäßigen Kontakt. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich auf der Suche nach etwas Neuem bin – es wäre auf jeden Fall eine Beschäftigung, die mir Zeit verkürzt, aber auch Nerven kosten kann. Die Trennung hatte bedingt mit der Reise zu tun: ich hab getan was ich wollte und zwar 24 Stunden täglich, musste mich nach keinem richten. Dann kommt man nach Hause und muss sich nach jemandem richten, weil man das ja auch irgendwie möchte, aber die Interessen gehen in komplett unterschiedliche Richtungen und die gemeinsame Zeit wirkt „erzwungen“. Ich genieße es auf jeden Fall gerade, so unabhängig zu sein, meine Zeit wieder komplett selbst einteilen zu können und nicht so oft nach Hause fahren zu müsse, denn seit August fühlt sich Würzburg mehr nach zu Hause an, als je zuvor und so soll das auch bleiben.

Ich habe noch Kontakt zu Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen habe. Sehr intensiven zu meiner lieben Katja aus Köln, die ich in Auckland getroffen habe. Sie startet morgen schon ihre nächste spannende Reise: Südamerika. Hoffentlich kommt sie wieder gesund zurück, denn wir zwei sind auch zurück in Deutschland voll auf der gleichen Wellenlänge und telefonieren und schreiben regelmäßig. Andere Kontakte sind eher sporadisch.

Die größte Überraschung bescherte mir die Schweizerin Daniela von der Grand Canyon – Las Vegas – Yosemite Tour in Amerika. Sie ist tatsächlich mit unserem Tourguide zusammen gekommen/geblieben. Sie zog vor Kurzem zu ihm nach Portland und postete ein Foto von sich und ihm in Facebook. Übel. Was Anderes fällt mir dazu nicht ein.

Die Fotografie hat sich diesen Sommer nicht so richtig entwickeln wollen. Ich hatte kleinere Aufträge und zwei Hochzeiten, die ich anscheinend gut gemeistert habe, denn es gibt schon drei feste Buchungen für nächstes Jahr! Eine sogar in Dortmund!

Fragen mit denen ich mich gerade beschäftige sind vor allem: Was will ich? Studiere ich zu Ende (Kopf sagt ja, Herz sagt: ich will weg!), versuche ich mit der Fotografie selbstständig zu werden? Schreibe ich ein Buch? Suche ich mir einen Job, bei dem ich reisen „muss“? Ist mein Lebensziel „Familie und Kinder“ immer noch das größte? Wo will ich leben? Und vor allem: wie verdiene ich möglichst schnell möglichst viel Geld, um wieder zu reisen, zu fotografieren und meinen Blog zu schreiben?

Ich bin mir schon sicher, dass ich die zwei Jahre Referendariat nicht zum nächstmöglichen Termin (September 2016) beginne. Ich kann mir nicht vorstellen, zwei Jahre an einem Ort bleiben zu müssen. Noch nicht vielleicht. Und wenn ich es anfange, mache ich das auch zu Ende.

Mein Gewicht hat sich wieder einigermaßen eingependelt. Ich besitze ja wieder einen Kühlschrank und in Deutschland ist Obst und Gemüse bezahlbar. Ich passe wieder in fast alle Hosen, die mir vor der Reise auch gepasst haben und fühle mich inzwischen wieder rundum wohl.

Meine komplette Art hat sich auf der Reise verändert. Ich bin aufgeschlossen, mutiger, selbstbewusster. Ich spreche Menschen an, die ich sonst nie angesprochen hätte. Ich bin locker und offen, wenn ich mit Menschen rede, die ich kaum oder gar nicht kenne. Ich traf vor Kurzem Syrier im Zug, wusste aber noch nicht, dass sie Syrier waren, ich bekam nur mit, dass sie vom Schaffner wissen wollten, auf welches Gleis sie in Würzburg müssen und ob sie den Zug bekommen, aber der Schaffner konnte nicht wirklich Englisch – ist ja bekannt: sänk ju foa träwelling wis deutsche Bahn. Ich erbarmte mich also und half aus und kam mit ihnen ins Gespräch. Sie waren Flüchtlinge. Und sie waren so dankbar und glücklich in Deutschland zu sein. Sie waren auf dem Weg von Zirndorf nach Trier, dorthin wurden sie geschickt, um in einem Flüchtlingslager zu leben. Sie hatten kaum Sachen dabei, dafür, dass das alles ist, was sie jetzt noch besitzen. Wir sprachen auf Englisch über solche Sachen wie heiraten, Kinder und Unterschiedlichkeiten zwischen den Kulturen. Ich hätte einen heiraten können, wenn ich gewollt hätte – es hieß er bräuchte eine deutsche Frau. Nein, danke 😉 . In Syrien darf man mehrere Frauen haben und die syrischen Männer waren komplett irritiert, als ich ihnen sagte, dass das hier sogar verboten wäre. Es war höchst interessant zu erfahren, dass selbst diese Menschen glücklich sein können. Ich brachte sie dann in Würzburg zum richtigen Gleis und warnte den nächsten Schaffner vor, dass sie in Mainz umsteigen müssten, nicht gut Englisch können und zu spät dran sind. Das Zugticket war nämlich auf 11h ausgestellt und es war inzwischen 19h. Ich hoffe sehr, dass die drei gut angekommen sind und immer noch froh sind, in Deutschland aufgenommen worden zu sein. Diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, zu überlegen, ob ich nicht auch mit Flüchtlingen arbeiten möchte und ich muss sagen, dieser Gedanke hat sich festgebissen.

Was vermisse ich am meisten? Die Sonne. Das Abenteuer. Dass ich ständig Neues erlebe, sehe, rieche, schmecke. Dass ich ständig neue interessante Leute kennenlerne. Dass ich machen kann, was ich will und nicht auf das Geld achten muss. Dass ich diesen Blog täglich mit neuen interessanten Infos bestücken kann. Dass ich meine Kamera täglich nutze. Dass ich ständig woanders übernachte. Dass jeden Tag etwas Unerwartetes passiert. Dass ich ständig etwas Neues lerne. Dass ich nicht gelangweilt herumsitze und mich frage: was mach ich jetzt?

 

Das wars dann wieder für heute. Ich bin schon seit fast fünf Monaten da. Das ist schrecklich. Fünf Monate nur in Deutschland. Das muss sich ändern. Schnell.

Die ersten Tage „daheim“

Ich dachte, wenn ich nach Hause komme wäre ich sehr motiviert, wieder meine Unisachen zu erledigen, weil ich ja so lange etwas anderes gemacht habe. Aber eher das Gegenteil war der Fall. Das Reisen hat mir deutlich mehr als erwartet gefallen. Ich liebe es regelrecht! Das ist die eine Sache in der Welt, in der ich nichts falsch, sondern alles richtig mache. Das Blogschreiben und das Fotografieren habe ich mir ja in Lissabon schon abgewöhnt und gerade weil ich in NY wirklich komplett k.o. war, habe ich es genossen so gar keine Pläne zu haben, eben nicht einmal Blog und Fotografie.

Es hat sich dann ergeben, dass gleich am Dienstag (Montag bin ich heimgekommen) eine Freundin zu Besuch kam und am Mittwoch gleich noch eine. Mittwoch hatte ich auch schon meinen ersten kleinen Fototermin bei einer Nageldesignerin in der Nachbarschaft.

Generell stehen noch einige Fototermine an, aber Uni geht im Moment vor. Ich muss eine Art Bachelorarbeit (nennt sich bei Lehramt „Zulassungsarbeit“, weil man nach der Abgabe jener zum Staatsexamen zugelassen wird) schreiben und meine geplante Abgabe war der 1.8.2014, das schaffe ich unmöglich. Vom Dozenten aus habe ich Zeit bis zum 1.10.2014, aber er hat mich auch gleich davor gewarnt, dass es dann knapp werden könnte mit der Examensvorbereitung. Und mein Examen ist mir wirklich wichtig. Die Note muss nicht unbedingt gut sein, damit ich eine gute Anstellung bekomme (die besten 33% werden sofort verbeamtet), denn der Schnitt des Schlechtesten, der sofort verbeamtet wurde, lag bei Mittelschullehramt bei 3,25. Und die Noten im Referendariat zählen genau so viel, wie die während dem Studium und ich rechne schon damit, dass ich in der Praxis dann besser bin.

Die Motivation stellt sich erst jetzt wieder etwas ein. Vor Kurzem hatte ich ein richtiges Fernweh-Tief, weil ich einfach gar nicht weiß, wann ich wieder wegkomme.

Zwei Verwandtentreffen gab es dann zufälligerweise auch direkt nacheinander, also haben mich (fast) alle schon wieder gesehen und die meisten waren wirklich sehr froh, dass ich gesund und munter wieder daheim in Deutschland angekommen bin.

Gerade auch Nachbarn oder flüchtig Bekannte freuten sich sichtbar über mein Heimkommen. Das ist natürlich sehr schön!

Mit Sport habe ich auch angefangen, ab und zu joggen, Fitness für mich allein in meinem Zimmer (funktioniert überraschend gut) und einen Stepper haben wir auch noch im Haus, der in letzter Zeit regelmäßig von mir besucht wird. Die paar Muskeln, die ich auf meiner Reise aufgebaut habe, will ich ja behalten und die paar Speck-Kilos dürfen wieder gehen. Gesunde Ernährung macht jetzt auch wieder richtig Spaß: ich habe einen Kühlschrank, eine saubere Küche, alles an Küchenwerkzeug, was man sich so erträumen kann (außer einem Thermomix, der ist aber in Arbeit) und Obst und Gemüse ist in Deutschland wirklich sehr günstig! Mein Plan sieht auch vor, abends keine Kohlenhydrate zu essen, aber das stellt sich noch als schwieriger heraus, als gedacht. Krieg ich aber auch noch hin!

Ansonsten verbringt man die ersten Tage nach einer so großen Reise mit aufräumen und einsortieren. Mein Zimmer war schon vorher ganz gut gefüllt und jetzt kommen neue Klamotten und neue Gegenstände hinzu, die auch noch verstaut werden wollen. Außerdem hat man während der Reise gemerkt, dass man auf vieles verzichten kann. Wirklich zum Leben und Glücklichsein braucht man kaum etwas. Flohmarkt steht diesen Sommer eh noch an!

Es ist wirklich anstrengend, sich wieder daheim einzugewöhnen. Erst freut man sich, dass alles wieder geregelt abläuft und man seine Freunde wieder sehen kann, aber dann kommt der Alltagstrott, den ich in den letzten vier Monaten eben ganz und gar nicht hatte. Man hat das Gefühl, das Leben stehe still und das ist eines der Gefühle, die ich gar nicht mag. Ich will etwas erleben, Abwechslung, Spannung. Aber das kommt wieder, das weiß ich!