So viel zu erzählen!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Die letzten Tage, Wochen oder sogar Monate haben sich die Pläne für die nächsten Jahre so viele Male geändert, dass ich fast froh war, euch nicht ständig updaten zu müssen. Alles ist anders. Alles ist besser und spannender, finde ich!

Lookout near Katherine Gorge in Katherine, Northern Territory

Also erst einmal: wir sind wieder unterwegs. Haben Kununurra vor 10 Tagen verlassen, am Valentinstag 2018. Wir hatten eine super Zeit dort und am Ende hat mein Steve sogar angeboten bekommen, einen Job anzunehmen, der ihm – und auch mir mit einem Partnervisa – zwei weitere Jahre in Australien zu bleiben. Das nennt sich permanent residency visa und solang man, glaube ich, alle zwei Jahre eine gewisse Summe bezahlt, darf man in Australien leben und arbeiten und auch nach Neuseeland so oft und so lang man will! Der einzige Unterschied zur Staatsbürgerschaft ist eben, dass man zahlen muss und nicht wählen darf, selbst kein Politiker sein kann und nach drei begangenen Morden oder schwerwiegendem Drogen dealen ausgewiesen werden kann. In Kununurra verdient man wahnsinnig gut. Man kann nicht generell sagen, dasss man in AUSTRALIEN sehr gut verdient, aber in abgelegenen Städten und vor allem im heißen, schwülen Norden: jep, sehr gut. Ich habe hier ja einige Wochen geputzt und 35 Dollar pro Stunde verlangt. Ich hatte einige Anfragen von Leuten, die erst seit Kurzem hier wohnen und mich als teuer eingeschätzt haben, bis sie andere Putzfirmen kontaktiert haben und herausfanden, dass man hier auch 45 pro Stunde bezahlen kann. 45 australische Dollar umgerechnet in Euro sind so 35. Wo kriegt man in Deutschland 35€ pro Stunde zum Putzen? Ich weiß noch im Housekeeping im Hotel habe ich 8,50€ die Stunde gekriegt… beziehungsweise 4,25€ pro Zimmer… wenn ich länger brauchte war das mein Problem. Jetzt stellt euch Mal vor, ihr habt ein Talent, das hier wirklich gebraucht wird?!

Steve hat die letzten acht Monate in Kununurra fast immer bei der gleichen Firma gearbeitet und die wollen ihn jetzt eben auch als Maler behalten. Er würde seinen eigenen Azubi bekommen, wäre also Ausbilder und nicht nur Maler. Außerdem Firmenwagen, Benzingeld, Ausrüstung, … Und angeblich würden sie sogar einen Teil unserer Miete zahlen und achja, normalen Lohn bekommt er auch. Richtig guten hieß es! Im Gegenzug soll er zwei Jahre Arbeit zusichern. Klingt im ersten Moment schrecklich – für mich zumindest. Aber überraschenderweise war in meinem Kopf zuerst ein großes JA und dann erst nach ein bisschen nachdenken ein kleines nein. Es ist ein mega Angebot. Nur er ist jobmäßig festgelegt und er mag seine Kollegen und er freut sich auf Azubi und guten Lohn und Firmenwagen etc… und ich bin freier was die Jobwahl angeht. Kann erst in Ruhe mein Studium beenden (das funktioniert auf den wackligen Straßen mit Lesen leider nicht so gut wie erhofft) und dann könnte ich ins Hotelbusiness einsteigen. Dadurch, dass Kununurra für viele nur ein kurzer Stop ist (meistens entweder Trockenzeit oder Regenzeit, also ein halbes Jahr) und ich dank (oder wegen) Steve auf zwei Jahre festgelegt bin, wäre ich wahrscheinlich ein echter Glücksgriff! Das heißt, ich würde meinen Fuß in die Management-Tür kriegen, ohne großartig Erfahrung zu haben. Ich finde wirklich, ich bin bereit dazu. Ich habe immerhin im Housekeeping, in Food&Beverage und an der Rezeption gearbeitet und bin durchaus bereit mich weiterzubilden und sollte auch mit meinem Studium nochmal einiges dazulernen, was dann nützlich kommt. In Kununurra gibt es zwei Hostels und eines davon sucht schon seit einiger Zeit einen neuen Manager und ist in einem relativ schlechten Grundzustand – genau das wäre ein Projekt für mich! Vielleicht nicht die beste Bezahlung aber Tonnen an Erfahrung und Möglichkeiten für danach. Wir wollen auch einen kleinen Campingplatz auf unserem Privatgelände betreiben und Reisende einladen, günstiger zu wohnen. Vielleicht sogar ein Mini-Hotel, kommt auf das Grundstück und das Haus an, das wir haben werden. Wir wollen auf jeden Fall außerhalb der Stadt sein, die Grundstücke da sind nämlich einfach der Wahnsinn!

Aber jetzt sind wir erst einmal unterwegs! Unser Wohnwagen lebt noch, bräuchte aber eigentlich mal wieder eine Grundrenovierung, die wir noch verschieben wollen, bis wir an der Ostküste sind… in der Nähe von richtigen Baumärkten … es ist trotzdem unser zu Haus und wir fühlen uns unheimlich wohl! Haben jetzt auch Solaranlagen, die leider nicht so richtig funktionieren, aber auch das wollen wir von einem Elektriker checken lassen… einem an der Ostküste, dessen Stundenlohn bezahlbar ist.

Unsere Katze Carla reist auch noch mit uns und nachdem sie die ersten zwei Tage ziemlich gestresst war von dem ganzen Trubel mit Fahren und neue Orte etc., hat sie sich jetzt wieder voll eingewöhnt und erkundigt jeden neuen Standort sobald wir anhalten und sie rauslassen.

Mit Steve und mir läuft es auch zu 95% der Zeit super. 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche ist eben schon eine Herausforderung … vor allem wenn man Strom und Wasser sparen muss und sich im Wohnwagen immer wieder auf die Füße tritt und nur einen Raum hat… gerade wenn es außen so heiß ist, dass man es wirklich nur innen im Schatten aushält. Tagelanges Fahren macht es dann auch nicht einfacher… ich denke jeder kennt die kleinen Kabbeleien, dass man nicht mag, wie der Partner Auto fährt … ich versuche wirklich mich nicht so oft einzumischen, aber es ist wirklich schwer! Gerade, wenn das Überleben unseres Hauses/Wohnwagens davon abhängt, wie schnell man über unebene Straßen/Brücken/Steine fährt…

So, jetzt ist es Zeit für ein paar Erlebnisse oder? Geduldet euch bis übermorgen!

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Amazing to be back!

Es ist immer soooo spannend, wieder zu schreiben. Ich weiß nie genau, wohin mich die Worte wieder tragen und welche neuen Ideen ich wieder bekomme, während ich schreibe. Schreiben ist einfach meine Zeit, um mein Gehirn zu sortieren und weil ich es nicht nur für mich tue, sondern generell für „euch“, bedeutet, dass es einfach motiviert. Und sortierte Gedanken sind sinnvolle.

Das Problem ist, dass, wenn ich denke, ich nichts mache. Mein Gehirn ist blockiert mit Denken. Und meine Gedanken drehen sich immer um die Zukunft. So viele Möglichkeiten, so viele Gelegenheiten. Meine Zukunft wird einfach fantastisch und ich kann kaum warten, dass sie beginnt. Manchmal vergesse ich darüber, dass ich schon in meiner genialen Zukunft lebe, denn der Weg ist das Ziel. Ich bin schon drin. Ich bin in meinem genialen Leben und ich sollte jede Sekunde genießen, anstatt weiter zu denken, weiter zu planen und weiter zu organisieren und in der nächsten Sekunde denke ich: genau das macht mich aber aus. Genau das erfreut mich, genau das liebe ich! This is what keeps me going!

Auf jeden Fall freue ich mich schon darauf, wieder regelmäßig hier vorbeizuschauen. Meine vergangenen Erlebnisse sind immerhin limitiert, aber meine Pläne und Gedankensprünge und Wünsche – unbegrenzt!

Der australische Alltag

In erster Linie sind wir hier, um zu arbeiten. Steve’s Tag als Hausmeister und Gärtner

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fängt schon um sieben Uhr morgens an. Ist aber auch gut so, denn kurze Zeit später ist es schon brütend heiß und so hat er zumindest ein bisschen Arbeit in einer annehmbaren Temperatur. Er hat hier einige Kollegen und neben Reparaturarbeiten und Renovierungen, ist er hauptsächlich dafür verantwortlich, Mülltonnen zu leeren (hier gibt es keine Müllabfuhr, wir sind zu weit weg) und Pflanzen zu wässern (hier regnet es nie, aber Gäste haben es gern grün und schattig). Eines der schlimmsten Dinge, die hier passieren kann ist, dass die Klimaanlage ausfällt. Wirklich innerhalb kürzester Zeit heizt sich ein Zimmer so sehr auf, dass man sich nicht mehr darin aufhalten kann.

Mein Rezeptionsjob hat drei verschiedene Schichten: 8-16h, 9-18h, 12-20h. Und ich liebe es!

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Ich hatte ja schon vermutet, dass mir die Rezeption liegt, aber ich hatte nicht gedacht, dass alles so super ist! Die Kollegen sind toll. Was ich besonders mag, ist dass sie nicht ständig etwas zusammen machen wollen. Klingt seltsam für dich? Für mich nicht. Wenn ich mit jemandem schon einige Stunden täglich verbringen „muss“, verbringe ich meine Freizeit gerne mit anderen Menschen oder einfach allein.

Ich habe jetzt schon mehrmals erwähnt, dass wir so weit weg sind. Das ist schwer vorstellbar, wenn man in Deutschland sitzt, deswegen werde ich das nochmal genauer erklären:

Wir wohnen in Monkey Mia, das ist an einem Landzipfel der australischen Westküste. Monkey Mia ist aber keine Stadt, sondern wirklich nur unser Resort. Wir haben hier einen Mini-Supermarkt, ein Besucherzentrum für Touristen, einen Zeltplatz, einen Campingplatz, Zimmer, Häuschen, Pool, Bar, Restaurant, Strand natürlich… ja. Und wenn du dann mehr brauchst oder willst gehst du nach Denham. Das ist 28km von hier entfernt. Und hat auch nur zwei kleine Supermärkte, in denen du zwar schon das meiste auch bekommst, aber nur, wenn du nicht auf glutenfrei, lactosefrei, vegan etc. angewiesen bist. Mindestens einer meiner deutschen Freunde hier in Monkey Mia ist von vegan auf vegetarisch umgestiegen, weil vegan hier fast unmöglich ist. Ich komme mit meinem vegetarisch sein übrigens super zurecht, aber da gibt es demnächst einen gesonderten Beitrag!

Die nächste Stadt, in der man so „alles“ bekommen kann ist vier Stunden weit weg. Also wie von mir daheim bei Nürnberg bis Dortmund, wo mein Papa herkommt. Stellt euch mal vor, man fährt vier Stunden, um einen Einkauf zu machen. Sowas passiert dir nur in Westaustralien.

Zum Glück sind wir so fortschrittlich, dass es Onlinebestellungen gibt. Aber es gibt hier gar keine Post. In Denham, ja. Und von dort holt sie dann unser Manager ab, wenn er seine Kinder in die Schule fährt. Und dann kommt sie in unseren Supermarkt und der Name an die Tür, damit man weiß, dass da wieder etwas angekommen ist – nach vier Wochen Lieferzeit innerhalb Australiens. Brauche nicht erwähnen, wie lange es dauert, bis etwas aus Europa ankommt…
Man kann ja sogar online Lebensmittel kaufen – das kann ja dann nicht klappen mit vier Wochen Lieferzeit, oder? Da gibt es tatsächlich eine besser Lösung: deine Bestellung kommt nach Geraldton (die Stadt, die vier Stunden weit weg ist) und wird von dort mit den Lebensmitteln, die unser Restaurant und unsere Bar benötigt, geliefert. Du zahlst also Geld an deinen Manager, weil der ja die Lieferung bezahlt. Und wenn du Samstag bestellst, ist sie auch schon am Dienstag da – das ist für australische Verhältnisse Lichtgeschwindigkeit!

Warum gibt es dann überhaupt ein Resort am Arsch der Welt und warum kommen Leute hierher?!

Monkey Mia ist berühmt für seine Delfine. Hier finden jeden Morgen Fütterungen statt und die Ranger erzählen über die Delfine. Sie werden bis zu 40 Jahre alt, manche kommen hier schon seit über 30 Jahren her. Sie schlafen außerdem immer nur mit einer Gehirnhälfte, damit sie keinem Raubfisch zum Opfer fallen. Etc., etc. Und weil Delfine auch zu den schlausten Lebewesen der Welt zählen, bleiben sie in der Gegend, in der es kostenloses Futter gibt und schwimmen auch einmal um dich herum, wenn du im Meer bist. Schon der Wahnsinn! Anfassen verboten, bestaunen erlaubt. Ich war noch nie so ein Delfin-Mädchen, aber wie elegant sie sich im Wasser bewegen und auf wie viele unterschiedliche Arten sie sich mit ihren Artgenossen unterhalten können… Wahnsinn!

Neben den Delfinen gibt es hier auch allerlei anderes Getier. Fliegen. Katzen. Libellen. Eidechsen. Kängurus. Emus. Kamele.

Millionen. Wild und angeblich unzähmbar. In den Toiletten. Unter deinen Füßen. Im Restaurant. Auf der Straße. Am Strand.

Oft oder häufig?

In der Schule lernt man: oft heißt often. Wortstamm ist gleich. Lässt sich gut merken.

Aber

nicht überall, wo wir im Deutschen das Wörtchen oft verwenden, ist das englische often an der richtigen Stelle. Sie benutzen many times. Und wann nimmt man jetzt was?

Als ich über einen Titel für diesen Beitrag nachdachte, fiel mir auf, dass sich das Ganze relativ leicht erklären lässt:

häufig = often

oft = many times

Blöd nur, dass wir im Deutschen fast immer oft verwenden. Ich erkläre es mit ein paar Beispielsätzen:

Wie oft muss ich dir das noch sagen? (Man würde nicht sagen: Wie häufig muss ich dir das noch sagen?)
How many times do I have to tell you that?

Gehst du oft/häufig ins Fitnessstudio?
Do you go to the gym often?

Erkennt ihr es schon? Often wird benutzt, wenn etwas regelmäßig gemacht wird. Wenn man wissen will, wie oft/häufig man schon etwas gemacht hat, also eher nach einer genauen Anzahl fragt, heißt es many times.

Das ist so ein Ding, das dich verrät. Du hast keinen Akzent, keinen Dialekt, aber sagst often anstatt many times. Caught you!