Unser trautes Heim – Glück allein

Das ist ja mal sowas von überfällig! Wie sieht es eigentlich bei uns aus? Wie wohnen wir uns wie und was und sowieso!

Das hier ist unser Häuschen:

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Und von außen:

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Und das hier unser Badezimmer:

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Unser Fitnessstudio:

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Unsere Bar:

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Hillside Gardens vs. Stepford

Der Film „Die Frauen von Stepford“ zeigt eine super perfekte Wohngegend, mit hübschen Ehefrauen, die sich nur zu gern um Kinder und Haushalt kümmern, während der Mann arbeitet, teure Autos fährt und abends in einen Männerclub geht.

Die malerische Wohngegend gibt es auch hier, wo ich gerade wohne. Oder man sieht zumindest deutlich, dass sie so geplant wurde und die Umsetzung ist auch größtenteils beendet.

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Es ist schrecklich. Unpersönlich. Alle Häuser hier sind vom gleichen Architekten geplant – so sieht es zumindest aus. Es gibt drei verschiedene Außenfassaden: sichtbare Steine, gelb, rötlich. Es gibt verschiedene Größen (1-6 Schlafzimmer), aber jedes 4-Schlafzimmer-Haus z.B. ist gleich aufgebaut. Und das sieht man natürlich auch von außen. Klar, die Engländer sind bekannt für ihre Reihenhäuser und die sehen auch alle gleich aus. Da ist das hier schon etwas anderes. Aber mir gefällt es trotzdem nicht. Ich hätte hier niemals ein Haus gekauft. Vor allem sind die Bauarbeiten auch noch voll im Gange und man hat nicht nur den Lärm, sondern auch die dreckigen und teilweise blockierten Straßen.

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Neubaugegend = Marketingbüros, hier sogar zwei von der Sorte

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Neubaugegend = Werbeschilder

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Man sieht, dass das wirklich nett gedacht war, aber manchmal scheitert es an der Umsetzung oder dann daran, dass es im Alltag einfach mega unpraktisch ist. Gerade der inkludierte „Park“ bräuchte noch ein paar Handgriffe bis zur Fertigstellung:

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Nicht durchdacht ist auch die Parksituation. Heut zu Tage hat fast jeder ein eigenes Auto. Und ein 4-Bett-Haus hat mindestens zwei Autos. Oft sogar drei. Eine Garage mit kurzer Auffahrt ist dann nicht genug. Vor allem haben die meisten Menschen in ihrer Garage alles Mögliche und deswegen keinen Platz mehr für ihr Auto.

IMG_1540An diesen kurvigen Straßenrändern kann man nicht parken. Und dann ist auch noch der Bordstein so hoch, dass man nicht einmal das bisschen Wiese zum Parken nutzen kann.

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Die Seemöwen helfen auch nicht gerade dazu, das hier gemütlicher zu machen. Die Müllsäcke riechen eben viel zu gut und dann ist die ganze Sauerei über die ganze Straße verteilt. Aber es gibt noch Hoffnung:

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Wäre das zweite Marketingbüro nicht perfekt für ein Café oder ein kleines Restaurant? Eine Eisdiele? Ich würde mich ja sofort zur Verfügung stellen, das zu organisieren! Es fehlt einfach an Persönlichkeit hier. Es fehlt daran, dass man sich kennt. Dass schon eine Gemeinschaft besteht und sich immer nur einzelne Leute einfügen müssen. Durch ein Café, einen Treffpunkt, könnte diese Gemeinschaft auch hier entstehen… ich warte darauf!

Die einzigen Bekanntschaften, die man macht, sind die mit den anderen Hund- oder Katzenbesitzern. Und die sind nicht immer erfreulich!

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In England leben

Da sowohl England als auch Deutschland in der EU sind, ist es ziemlich einfach nach England „auszuwandern“. Man fliegt einfach rüber.

Wenn man krank wird, geht man zum Arzt. Das geht mit der deutschen Versicherungskarte, die normalerweise gleich auch eine EHI Card ist. Also eine European Health Insurence Card, eine europäische Versicherungskarte. Praktisch! Vorsorge-Untersuchungen gibt es damit allerdings nicht. England hat auch ein gutes Gesundheitswesen. Ein großes Manko ist nur, dass man beim Zahnarzt kaum oder keine finanzielle Unterstützung bekommt. Deswegen bestätigt sich das Klischee, dass die Engländern schlechte Zähne haben fast täglich. Bauarbeiter mit keinen Schneidezähnen. Erwachsene Menschen, die man kaum versteht, weil die Zähne so schief stehen… da sollte die Regierung mal noch nachrüsten.

Beschließt man dann, sich einen Job zu suchen, schaut man sich am besten bei http://www.indeed.co.uk um oder lädt sich direkt die indeed App herunter. Die gibt es auch für Deutschland, aber zumindest ich hatte noch nie etwas von dieser App gehört. Bei einigen „einfacheren“ Jobs kann man auch einfach einen Lebenslauf (in England: CV, curriculum vitae) in der App erstellen und diesen abschicken. Fotos sind hier streng verboten. Ebenso wie eine Altersangabe (solange man über 18 ist). Morgen gibt es eine genauere Aufschlüsselung wie ein CV aussehen kann/soll. Hat man einen Job gefunden, arbeitet man zur Probe, das nennt sich trial shift. Und wird man dann eingestellt benötigt der Arbeitgeber eine NHS Nummer (die man ohne Probleme nachreichen kann). Was ist denn das schon wieder?! NHS ist der National Health Service. In England sucht sich nämlich nicht jeder eine Krankenversicherung, sondern man ist einfach versichert. Der Arbeitgeber hat einen Teil zu zahlen und es geht etwas von deinem Lohn direkt zum NHS. Macht auch einiges einfacher. Das funktioniert auch für mich so. Hier anrufen:

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Termin ausmachen, eine Referanznummer bekommen und dann zum Termin erscheinen. Man braucht nur einen Personalausweis ODER einen Reisepass. Sogar ein Führerschein würde reichen, solange es ein offizielles Dokument ist, auf dem der eigene Name steht und ein Bild abgedruckt ist, das dich erkennen lässt. Ich wurde dann nur ein bisschen ausgefragt, ob ich schon einmal für länger als einen Monat in England war und wo ich zu dieser Zeit gewohnt habe. Eine deutsche Adresse wollten sie auch. Alles machbar. Unterschreiben. Nochmal unterschreiben. Auf Post warten. Diese Nummer gilt auch ein Leben lang. Selbst wenn ich nach Deutschland zurückkehren sollte und wieder nach England ziehe: gleiche Nummer.

Es gibt in England kein Einwohnermeldeamt. Der englischen Regierung ist es egal, ob man in Windsor oder Exeter wohnt. Das macht vieles einfacher. Auch ich muss mich nicht registrieren. Aber man kann es. Manche Arbeitgeber wollen das so.

Dann braucht man  natürlich auch eine Wohnung. Die findet man auf http://www.zoopla.co.uk oder auf http://www.rightmove.co.uk … los gehts!

Weniger wichtig, aber dennoch wichtig: ein Handyvertrag. Ich habe meinen bei Carphone Warehouse gefunden. Die haben wirklich die besten Angebote, die ich bisher gesehen habe. Allerdings ist es etwas schwieriger, wenn man noch nicht lange hier wohnt. Wenn man ein pay monthly Abo haben will, müssen sie die Kreditwürdigkeit prüfen und das geht eben nur, wenn man schon eine Weile im Vereinigten Königreich gewohnt hat. Also gibt es eben nur einen pay as you go. Und das ist kein besonders guter Name für das, was man bekommt. Man zahlt nämlich nicht wirklich für das, was man braucht. Sondern man lädt zehn Pfund auf und hat dann automatisch etwas gebucht, das 30 Tage gültig ist und womit man 500MB, 150 Minuten und unbegrenzte SMS bekommt. Nach den 30 Tagen läuft es nur weiter, wenn man neue 10Pfund auflädt.

Ein Bankkonto. Bank aussuchen. Termin ausmachen. Personalausweis mitbringen. Ein paar Fragen beantworten. Ein paar Sachen unterschreiben. Viele Zettel mitnehmen. Fertig. Ich hatte fünf Leute unabhängig gefragt, zu welcher Bank ich gehen sollte und alle sagten wie aus der Pistole geschossen: Lloyds. Ok. Dann eben Lloyds. Bis jetzt passt auch alles. Hab sogar einen coolen PIN bekommen 🙂 So langsam häufen sich nämlich viele Kennwörter und PINs an – da ist es gut, wenn mal einer leicht zu merken ist. Mit dieser Bankkarte kann ich auch endlich contactless bezahlen, das geht ruckzuck. Man muss nur beim ersten Mal altmodisch die Karte einstecken und den PIN eingeben. Bei den Malen danach hält man (bei einem Betrag unter 30 Pfund) einfach seine Karte an diese kleine Maschine an der Kasse und BOOOOOM – das wars.

Straßenverkehr. Jup, in England fährt man links. Das bedeutet das Lenkrad ist rechts im Auto. Daran hatte ich mich schnell gewöhnt. Aber natürlich muss man auch mit dem Fahrrad links fahren. Das fühlt sich komisch an. Und als Fußgänger läuft man auch links, damit der „Gegenverkehr“, der links läuft, passieren kann ohne Kollision. Die meisten Schilder etc. sind selbsterklärend. Aber generell zum Straßenverkehr in England gibt es mal einen extra Beitrag. Gibt zu viel zu berichten 🙂

Ich habe mir auch gedacht, dass es einen Beitrag zu den englischen Supermärkten geben wird. Wo kauft man was ein und wo ist es günstig und teuer. Für einen kurzen Urlaub in England ist das doch eine wichtige Info oder?

Neuer Monat – neue Lebenspläne

Echt verrückt, wie sich so alles ändert. Man lernt einen Menschen kennen und das Leben, wie man es kennt, sieht plötzlich ganz anders aus. Richtig geplant hatte ich mein Leben ja nicht, aber so Grundpfeiler wie: deutscher Mann, Kinder in Deutschland erziehen; gehörten irgendwie schon dazu.

Jetzt nicht mehr.

Zwei meiner drei Dates in England waren für die Tonne. Aber eines nicht.

Ich habe ihn abgeholt und wir sind zu einem Pub in der Nähe gefahren. England ist ja voller Pubs. Die Gespräche waren gut, aber nicht überragend. Er hat die Zeit ganz gut genutzt, um Minuspunkte zu sammeln: auf dem Hinweg halten wir, um Zigaretten zu kaufen, nach zehn Minuten im Pub muss er schon raus, um zu rauchen (ich dachte ich zeige ihm, dadurch, dass ich nicht mitgehe, dass ich das nicht gut finde – ist so nicht ganz angekommen), immerhin zahlt er beide Bier, dann legt er sein Handy auf den Tresen und zehn Minuten später wird er von einem Freund angerufen und nimmt den Anruf an. Das sollte Mann nicht machen – auch Frau nicht übrigens. Und dann auch noch zu sagen: „Ja, ich bin grad auf dem Date. Achso, was ist denn los? Ja, erzähl, aber schnell. Ahja. Ok. Ja, ich melde mich später nochmal!“ ………. Ja. Kleiner Tip an ihn: Never answer your phone on a first date. Hab ich ihm auch wirklich gesagt.

Auf dem Weg zur Toilette trifft er dann noch Bekannte, die mich beim Reingehen schon gesehen und mit Daumen-hoch bewertet haben – danke, Jungs! Wobei ich nicht weiß, ob in deren Zustand irgendjemand keinen Daumen-hoch bekommen hätte. Nach einem nicht ganz kurzen Gespräch mit ihnen, kam er auch schon zu mir zurück und kurze Zeit danach standen wir zusammen außen – er raucht, ich friere und beschließe, ihn wieder heimzufahren. Nicht, weil ich ihn nicht mochte oder interessant fand, sondern eher, um zu sehen, wie er reagiert und ob er sich danach noch meldet. Ich wollte ihn einfach ein bisschen aus dem Konzept bringen, denn sein Interesse war deutlich zu merken. Was ihn wahrscheinlich noch schüchterner gemacht hat 😉

Den Tip von vorhin hat er anscheinend auf dem Heimweg schon wieder vergessen, denn er telefoniert mit seiner Cousine. Diesmal ruft sogar er an. Wahnsinn. Wir sind vor seinem Haus und sitzen im Auto. Er fragt, ob es ein zweites Date gibt und ich sage: Ja, kann ich mir vorstellen. Der Mut für die Frage muss ja schon belohnt werden. Dann gibt es so eine Halb-Umarmung, wie das eben im Auto geht, und ein Küsschen auf die Wange. Er hat die Tür schon am Griff, guckt mich aber noch an. Und man sieht richtig sein Gehirn rattern: Let’s do that again, sagt er und schiebt eine Hand unter meinen offenen Haaren hindurch, um meinen Hals zu fassen zu kriegen und mich zu ihm zu ziehen. Und seinen Lippen. Jep, hatte durchaus schlechtere erste Küsse.

Zweites Date: Spaziergang mit seinem Hund. Pluspunkt. Alles super. Sehen uns seitdem regelmäßig.

Er erzählt mir ein paar Treffen später, dass er Gefühle für mich hat.

Ich werde heimgeschickt – oder schicke mich selbst heim, je nach Auslegung.

Wir vermissen uns und wollen sehen, ob das was hätte werden können. Er besucht mich an Silvester in Deutschland und bleibt eine Woche.

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(er trägt meine Brille – und sie steht ihm fast besser als mir)

Wir vermissen uns, skypen täglich mindestens zwei Stunden und unterhalten uns in der Zeit. Ich hatte noch nie jemanden, mit dem die Gesprächsanteile wirklich 50-50% sind. Ich liebe es, dass er auch etwas zu erzählen hat und es erzählen will.

Ich fliege noch einmal eine Woche zu ihm. Es läuft perfekt. Hätte nicht besser laufen können.

Ab März wohne ich dann in England.

Liebe Verwandte und Freunde, an dieser Stelle bitte ich euch, bei Fragen, Kritik oder Beschwerden nicht meine liebe Mama und meinen lieben Bruder zu behelligen. Die Entscheidungen in meinem Leben beeinflussen sie vielleicht, das heißt aber nicht, dass ich mich deswegen von den beiden beeinflussen lasse. Also können sie nichts dafür, wenn ich „dumme“ oder auch „richtige“ Entscheidungen treffe. Es gibt hier einen Kommentar-Button, nutzt ihn. Oder meldet euch via e-Mail, Facebook, whatsapp. Ruft an, wenn nötig, Briefe werden auch gelesen – aber fragt nicht meine Mutter und meinen Bruder. Meistens wissen sie selbst genauso wenig oder viel wie ihr. Ich habe Momente, in denen mir etwas klar wird und dann muss ich das festhalten. Hier. In meinem Blog.

Und weil mir während dem Schreiben schon ein schöner Schlusssatz eingefallen ist, hier ist er:

Sobald man so einen Menschen kennengelernt hat, ist auch das Fernweh anders. Es ist niemals verschwunden, aber es ist nicht nur ein weg-weg-weg, sondern auch ein zurück-zurück-zurück.