Beschäftigungstherapie

Womit verbringe ich gerade die meiste Zeit.

Putzen.

Ich bin Putzfrau und das ist ok! Es macht sogar Spaß – weil es auf begrenzte Zeit ist. Wie alle Jobs in meinem Leben. Nichts kann so gut sein, dass ich es „für immer“ machen will.

So – und da das gesagt (und auch so gemeint) ist, wird es jetzt etwas genauer. Ich habe euch ja gestern von diesen Farmtagen erzählt. Dass ich entweder auf einer Farm oder auf dem Bau arbeiten muss. Aber ich habe, wie auch schon sicherliche viele andere Backpacker einen Weg darum herum gefunden. Ich werde durch eine Baufirma bezahlt, aber eigentlich arbeite ich für die Firma der Frau des Chefs.

Ich bin also eine Magic Cleaning Fairy und mit diesem Bewerbungs-Look hab ich überzeugt:

Und ich bin gerade die einzige Angestellte! Die Sache mit diesen Backpackern ist nämlich die, wir haben Deutschland verlassen, um die Freiheit zu haben zu reisen, an Orten zu sein, an denen wir sein wollen. Was machen wir also, wenn es uns irgendwo nicht mehr gefällt? Wir packen unseren Rucksack und wandern weiter. Und dann muss Kate einspringen und das kann sie nicht mit zwei oder drei oder noch mehr Backpackern machen. Und Australien wollen nicht putzen. Genauso wie sie nicht auf einer Farm arbeiten wollen …
Mit Wohnwagen und Katze und Freund, der auch einen Job hat, zwar etwas schwieriger aber trotzdem generell möglich. Ich bin mit einem Vertrag eingestellt, der mir erlaubt, täglich das Handtuch zu werfen. Das Problem kann nämlich auch sein, dass sich Backpacker – weil es ja nicht DER Beruf ist – nicht wirklich Mühe geben und dann müssen Arbeitgeber schnell Ballast abwerfen und es herrscht ja Gleichberechtigung (manchmal): wenn die mich von einem auf den nächsten Tag kündigen, darf ich auch. Zum Glück will mich meine Kate nicht loswerden – meine Farmtage sind nämlich echt eng bemessen!

Hauptsächlich putze ich Privathäuser – die Leute verlassen um 8 das Haus und die meisten kommen so um 4 immer heim. Das heißt in der Zwischenzeit darf ich einigermaßen frei gestalten, wann ich was mache und weil ich in meiner ersten Woche schon den Wochenplan verbessert habe (Leute in der gleichen Gegend auf den gleichen Tag legen – irgendwie ziemlich logisch oder?), fahre ich relativ wenig und bekomme sogar, dank super Chefin, wöchentlich noch vier Stunden für die Fahrerei bezahlt! Leider oder zum Glück sind meine Tage aber so voll, dass ich nicht wirklich mal ein Haus putze und dann wieder eine Stunde Zeit hab oder so – ich rase fast schon von einem Haus zum andren und racker mich ab, dass ich in den zwei Stunden Zeit, drei Badezimmer, eine Wohnküche und fünf Schlafzimmer geputzt, abgestaubt, gesaugt und gewischt bekomme. Und das in etwa vier Mal täglich.
Dann habe ich auch noch ein paar Büros – die meisten soll ich erst putzen, wenn alle weg sind, damit ich keinen störe und nicht mithören kann, also abends oder am Wochenende.
Pro Woche komme ich damit so auf 50 Stunden.
Vor meinem Deutschlandbesuch im August waren das an die 60 Stunden! Weil wir abends noch einen Kindergarten putzen mussten. Jeden Tag die gleichen Gruppenräume, aber immer erst nach 17h. Also heimgehen, nach einem acht Stunden Tag, und dann nochmal aufrappeln und Klos putzen, Böden saugen und wischen… fünf Mal die Woche. Nicht so toll. Zum Glück hat die Kate beschlossen, dass das jetzt genug ist und mit dem Kindergarten abgesprochen, dass sie jemand andren finden müssen, Und das ist so gut! Einmal wegen immer nur nach 17h und dann auch weil es eben ständig das Gleiche ist. Und Gleiches ist langweilig – klar!

Mein Problem hierbei ist mein Perfektionismus. Mein DEUTSCHER Perfektionismus, das ist wirklich nochmal was andres als der australische oder englische. Ich muss das Haus einfach ordentlich verlassen. Ich kann nicht einfach mal schneller machen oder was weglassen oder so. Wenn ich nochmal ein paar Fingerdapper am Fenster sehe, hole ich nochmal meinen Lappen rein, auch wenn der eigentlich schon im Auto ist. Es wird nicht unperfekt weggefahren.
Und trotzdem gibt es eine Person, die meiner Chefin schreibt: Warum wurden wir denn letzten Dienstag ausgelassen? – Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich da war……. tja. Sie hatte wohl einen schlechten Tag – aber dank ihr hatte ich ein paar schlechte Tage. Sowas nimmt mich einfach mit. Kritisiere mein Aussehen, meinen Charakter, meinen Humor – was auch immer. Kein Problem. Mein Arbeitsethos? Renn so schnell du kannst.
Kate hat mir da zwar echt den Rücken gestärkt, aber trotzdem war das für mich der Grund zu sagen: ich mache das nur so lange, bis ich meine Farmtage hab. Ich kann mich einfach nicht für andre Leute abrackern und dann so eine Nachricht erhalten. Außerdem arbeite ich für Kate’s Glück. Nicht für meines. Und wie ihr seit gestern wisst, hab ich ja schon wieder einen super Plan an Geld zu kommen: sei dein eigener Chef! Yeeeaaah!

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Tidy Carolina – the travel cleaner

Aufräumen, aussortieren, organisieren – sowas von mein Ding! Geld dafür bekommen? Ein kleiner Traum. Und Träume sind ja immer umsetzbar – also wird gerade alles dafür vorbereitet.

Ich hab mir das so gedacht:

Dank meiner aktuellen Chefin Kate (was ich gerade mach, erzähle ich morgen) weiß ich, dass Australier gerne one-off-cleans haben, was bedeutet: eine Putzfrau kommt ins Haus und wischt einmal alle Küchenschränke aus, reinigt das komplette Bad etc. Also einmal so richtig putzen – Frühjahrsputz, der nicht im Frühjahr sein muss. Und dadurch, dass in Australien immer mal wieder 100e Kilometer zwischen den einzelnen Städten oder Dörfern und deswegen sind Facebookgruppen essentiell, um an Sachen zu kommen, die wochenlange Lieferzeiten hätten etc.! Und genau die mache ich mir zu Nutzen: ich werde meinen Besuch ankündigen und dann kann ich gebucht werden. Ich habe einen Stundensatz, denke so an 25 bis 30$, das sind umgerechnet 16-20€. Entweder, zum Küche aussortieren oder Kleiderschrank aufräumen, Kinderzimmer, … was auch immer ansteht. Vielleicht ergibt sich auch etwas, dass sie uns etwas am Wohnwagen umbauen oder wir kostenlos bei ihnen stehen können mit eigenem Bad oder sowas.
Vielleicht gibt es manche Städte, in denen uns niemand braucht, dann habe ich Zeit zum Studieren, Schmuck basteln, sporteln, … langweilig wird es mir nie. Und dann gibt es vielleicht Städte, in denen wir Aufträge ablegen müssen, weil wir nicht ewig bleiben wollen. Ich hoffe, dass das dann bedeutet, dass wir nicht mehr an einem Ort für länger bleiben müssen. Monkey Mia war toll für sechs Monate, aber wir sind eben doch eigentlich am Reisen.
Und wie beweise ich, was ich kann? Mit einer Facebookseite, auf der ich vorher-nachher Fotos poste und kleine Videos von den lieben (aber zum Glück unordentlichen oder faulen oder beschäftigten) Menschen, denen ich geholfen habe. Im Moment sortiere ich ein komplettes Haus hier in Kununurra aus. Ich hatte es kostenlos angeboten, wenn ich dafür im Gegenzug Fotos machen darf und sie für Facebook nutzen kann. Ich dachte auch, ich müsste sie überzeugen, aber sie war sofort bereit! Letzten Sonntag nahmen wir uns die Küche vor, übermorgen dann das Wohnzimmer. Ihr Kleiderschrank ist ein weiteres Tagesprojekt und durch ihr Fotostudio schauen wir auch einmal.
Ich wollte die Facebookseite auch aktiver gestalten, d.h. es gibt auch immer wieder kleine Videos mit mir, in denen ich generelle Haushaltstips gebe. Ja, mag komisch klingen für Deutsche, aber schon in England habe ich gemerkt, dass grundsätzliches Haushaltswissen fehlt und welch besseren Weg gibt es, der Jugend etwas beizubringen, als mit Facebookvideos? Da kommt die Lehrerin durch, kann nichts dafür.

Ja, also das ist der restliche Reiseplan für Australien: 900km nach Darwin, durch die Mitte zum Roten Felsen, Adelaide, die Great Ocean Road, Melbourne, Fähre nach Tasmanien, Canberra, Syndey und die komplette Ostküste mit Abstecher ins Landesinnere, Cairns, wieder rüber durch Kununurra und dann statt die Gibb River Road zu nehmen (NIE mehr in diesem Leben und auch nicht im nächsten), außenrum, an Broome vorbei, durch den Karijini Nationalpark, den wir auf dem Hinweg ausgelassen haben, schwimmen mit Buckelwalen in Exmouth (dafür war beim ersten Durchreisen noch nicht Saison, „nur“ für Walhaie), Besuch in Monkey Mia (ein paar Leute bleiben da einfach für immer), Perth und dann eine kleine Schlaufe, um auch die Südewestküste abzuhaken. Ja, ich will wirklich alles sehen. Und ja, ich werde auch.

Lang lang ist’s her

Danke, Petra, für dein liebes Kommentar! Es hat mich tatsächlich motiviert einen Beitrag zu schreiben… aber dann dachte ich, was macht denn EIN Beitrag und dann wieder monatelang keiner… also habe ich gewartet und gewartet… aber genau wie mit einer Saftkur oder der Anmeldung im Fitnessstudio – irgendwann muss man es einfach machen.

Und hiermit: willkommen in meinen aktuellen Lebensumständen. Sorgen, Probleme, aber auch Glück und Sicherheit und Liebe.

Unserer Katze Carla geht es super! Sie liebt die Süßigkeiten, die ich ihr aus Deutschland mitgebracht habe und lässt sich das neue Geschirr anziehen ohne sich zu beschweren. Nächster Schritt: Leine.

Steve ist gesundheitlich auf einem super Weg: isst fast immer vegan, rauchen ist – sagen wir mal – limitiert und sogar auf Kaffee will er jetzt verzichten, sagt er muss seinen Körper detoxen.

Unser Wohnwagen hatte ein bisschen eine schwere Zeit hinter sich bringen müssen auf der Gibb River Road, aber alles wurde gewaschen und repariert und inzwischen haben wir sogar aufgestockt: Solaranlagen auf dem Dach! Noch mehr Autobatterien für regnerische Tage, zwei Fahrräder, Federballschläger mit Bällen, … Also wir sind eigentlich wieder bereit für die Straße.

Aber …

… es stehen noch ein paar „Farm“-Tage aus. Unser Visum für Australien ist ein sogenanntes Working Holiday oder auch work and travel Visum und Australien ist ziemlich groß – habe ich total unterschätzt! Also brauchen wir noch ein Visum für ein zweites Jahr und um das möglich zu machen, benötigen wir entweder 88 Arbeitstage auf einer Farm oder bei einer Baufirma. Mein Steve ist Maler in England, also kein Problem. Und ich bin super im Putzen und meine Chefin ist mit einem Bauarbeiter verheiratet, der seine eigene Firma hat und ja… deswegen bin ich „Bauarbeiterin“. Das klingt jetzt alles relativ einfach, aber es gibt sehr viele Backpacker, die diese Jobs wollen. Und man muss den Mindestlohn für die jeweilige Branche bekommen (Farm ungefähr AUD22, Bauarbeiten ca. AUD27). Und nur ein normaler Arbeitstag mit 8 Stunden zählt als einer der 88 Tage. Gute Neuigkeiten gibt es auch… arbeitet man die benötigte Stundenanzahl für einen Vollzeitjob (37,5 als Bauarbeiter, 40 auf einer Farm), darf man die zwei Wochenendtage auch für die 88 zählen. Dann ist es auch nicht mehr so schlimm, ob man an einem Tag sieben und dafür am nächsten neun Stunden gearbeitet hat. Schafft man es in einer Woche nur auf 37 Stunden, zählt das dann nur als vier Arbeitstag 8-16-24-32 … echt suuuuuper ärgerlich, wie ihr euch vorstellen könnt. Mein größtes Problem war dann noch, dass ich einen Deutschlandbesuch eingeplant hatte, den ich nicht absagen oder verschieben konnte (war als Fotografin für eine Hochzeit gebucht) und die Hin- und Rückflüge haben tatsächlich fast eine ganze Woche gedauert…

Aber wo bin ich jetzt eigentlich und was steht bei MIR grad so an?

Kununurra, gerade noch so Westaustralien, sehr nördlich, fast in Nordaustralien. Hügel, Sand, bald kleine Wasserfälle überall, Wasserlöcher, Boab-Bäume (sehr bauchiger Stamm, in fast allen Kunstwerken aus dieser Umgebung aufgegriffen) und 5000 Leute. Nächste Stadt ist 100km entfernt und sogar kleiner. Die nächste größere ist Katherine, in der Nähe von Darwin, aber bis dorthin ist man auch mindestens sechs Stunden am Fahren… die Distanzen hier in Australien sind echt nur schwer vorstellbar als Europäer.

Vegan. Sportlich. Putzfrau. Katzenmama. Hausfrau. Näherin. Köchin. Glücklich. Meistens.

Bald mehr!

Der australische Alltag

In erster Linie sind wir hier, um zu arbeiten. Steve’s Tag als Hausmeister und Gärtner

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fängt schon um sieben Uhr morgens an. Ist aber auch gut so, denn kurze Zeit später ist es schon brütend heiß und so hat er zumindest ein bisschen Arbeit in einer annehmbaren Temperatur. Er hat hier einige Kollegen und neben Reparaturarbeiten und Renovierungen, ist er hauptsächlich dafür verantwortlich, Mülltonnen zu leeren (hier gibt es keine Müllabfuhr, wir sind zu weit weg) und Pflanzen zu wässern (hier regnet es nie, aber Gäste haben es gern grün und schattig). Eines der schlimmsten Dinge, die hier passieren kann ist, dass die Klimaanlage ausfällt. Wirklich innerhalb kürzester Zeit heizt sich ein Zimmer so sehr auf, dass man sich nicht mehr darin aufhalten kann.

Mein Rezeptionsjob hat drei verschiedene Schichten: 8-16h, 9-18h, 12-20h. Und ich liebe es!

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Ich hatte ja schon vermutet, dass mir die Rezeption liegt, aber ich hatte nicht gedacht, dass alles so super ist! Die Kollegen sind toll. Was ich besonders mag, ist dass sie nicht ständig etwas zusammen machen wollen. Klingt seltsam für dich? Für mich nicht. Wenn ich mit jemandem schon einige Stunden täglich verbringen „muss“, verbringe ich meine Freizeit gerne mit anderen Menschen oder einfach allein.

Ich habe jetzt schon mehrmals erwähnt, dass wir so weit weg sind. Das ist schwer vorstellbar, wenn man in Deutschland sitzt, deswegen werde ich das nochmal genauer erklären:

Wir wohnen in Monkey Mia, das ist an einem Landzipfel der australischen Westküste. Monkey Mia ist aber keine Stadt, sondern wirklich nur unser Resort. Wir haben hier einen Mini-Supermarkt, ein Besucherzentrum für Touristen, einen Zeltplatz, einen Campingplatz, Zimmer, Häuschen, Pool, Bar, Restaurant, Strand natürlich… ja. Und wenn du dann mehr brauchst oder willst gehst du nach Denham. Das ist 28km von hier entfernt. Und hat auch nur zwei kleine Supermärkte, in denen du zwar schon das meiste auch bekommst, aber nur, wenn du nicht auf glutenfrei, lactosefrei, vegan etc. angewiesen bist. Mindestens einer meiner deutschen Freunde hier in Monkey Mia ist von vegan auf vegetarisch umgestiegen, weil vegan hier fast unmöglich ist. Ich komme mit meinem vegetarisch sein übrigens super zurecht, aber da gibt es demnächst einen gesonderten Beitrag!

Die nächste Stadt, in der man so „alles“ bekommen kann ist vier Stunden weit weg. Also wie von mir daheim bei Nürnberg bis Dortmund, wo mein Papa herkommt. Stellt euch mal vor, man fährt vier Stunden, um einen Einkauf zu machen. Sowas passiert dir nur in Westaustralien.

Zum Glück sind wir so fortschrittlich, dass es Onlinebestellungen gibt. Aber es gibt hier gar keine Post. In Denham, ja. Und von dort holt sie dann unser Manager ab, wenn er seine Kinder in die Schule fährt. Und dann kommt sie in unseren Supermarkt und der Name an die Tür, damit man weiß, dass da wieder etwas angekommen ist – nach vier Wochen Lieferzeit innerhalb Australiens. Brauche nicht erwähnen, wie lange es dauert, bis etwas aus Europa ankommt…
Man kann ja sogar online Lebensmittel kaufen – das kann ja dann nicht klappen mit vier Wochen Lieferzeit, oder? Da gibt es tatsächlich eine besser Lösung: deine Bestellung kommt nach Geraldton (die Stadt, die vier Stunden weit weg ist) und wird von dort mit den Lebensmitteln, die unser Restaurant und unsere Bar benötigt, geliefert. Du zahlst also Geld an deinen Manager, weil der ja die Lieferung bezahlt. Und wenn du Samstag bestellst, ist sie auch schon am Dienstag da – das ist für australische Verhältnisse Lichtgeschwindigkeit!

Warum gibt es dann überhaupt ein Resort am Arsch der Welt und warum kommen Leute hierher?!

Monkey Mia ist berühmt für seine Delfine. Hier finden jeden Morgen Fütterungen statt und die Ranger erzählen über die Delfine. Sie werden bis zu 40 Jahre alt, manche kommen hier schon seit über 30 Jahren her. Sie schlafen außerdem immer nur mit einer Gehirnhälfte, damit sie keinem Raubfisch zum Opfer fallen. Etc., etc. Und weil Delfine auch zu den schlausten Lebewesen der Welt zählen, bleiben sie in der Gegend, in der es kostenloses Futter gibt und schwimmen auch einmal um dich herum, wenn du im Meer bist. Schon der Wahnsinn! Anfassen verboten, bestaunen erlaubt. Ich war noch nie so ein Delfin-Mädchen, aber wie elegant sie sich im Wasser bewegen und auf wie viele unterschiedliche Arten sie sich mit ihren Artgenossen unterhalten können… Wahnsinn!

Neben den Delfinen gibt es hier auch allerlei anderes Getier. Fliegen. Katzen. Libellen. Eidechsen. Kängurus. Emus. Kamele.

Millionen. Wild und angeblich unzähmbar. In den Toiletten. Unter deinen Füßen. Im Restaurant. Auf der Straße. Am Strand.

Heute bin ich Autorin

Heute ist der Tag der Tage. Der Tag, an dem ich Internet habe. Der Tag, an dem ich Zeit habe. Der Tag, an dem ich endlich wieder ein paar Beiträge schreibe!

Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf diesen Tag gefreut habe, wie sehr ich ihn mir ersehnt habe. Heute ist er da! Das Internet läuft zwar nur mäßig, aber es ist gut genug, um zu schreiben. Und Zeit… ja mit der könnte man auch immer hundert andere Sachen anstellen. Aber heute ist der Tag der Tage. Heute bin ich Autorin!

Ich habe schon so lange nicht mehr geschrieben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll!

Vielleicht hiermit: Ich bin glücklich. Und das ist nicht selbstverständlich für mich. Ich bin so ein unruhiger und wuseliger Mensch, dass ich normalerweise in meinen zukünftigen Plänen lebe, aber ich kann wirklich gerade sagen, dass mich meine gegenwärtige Situation glücklich macht!

Aber was ist denn jetzt meine gegenwärtige Situation…

Ich bin in Australien.

Mit meinem englischen Freund Steve.

Mit einem working holiday Visum, das insgesamt ein Jahr gültig ist.

Und nach zwei Wochen Jobsuche in Perth und einigen verlorenen Nerven, dem vorherrschenden Gefühl der Enttäuschung und Verzweiflung, haben wir Arbeit gefunden. Habe ich uns Arbeit gefunden.

Mein großes Ziel ist immer noch mein eigenes bed and breakfast (irgendwo auf der Welt). Ich treffe überraschend viele Menschen, die das auch gerne hätten. Der große Unterschied ist nur, dass ich Schritte dafür unternehme, um es zu erreichen. Fast alles, was ich gerade tue, bringt mich näher an dieses Ziel. Und „die anderen“ arbeiten beim Aldi um die Ecke, weil das einfacher ist. Wenn man es nicht richtig versucht, kann man ja auch nicht versagen. Aber was ist das denn für eine Denkweise?

Wenn ich es nicht versuche, kann ich es auch nicht schaffen.

Und dann kommt noch die Sache mit dem Versuchen hinzu. Eigentlich gibt es nur machen oder nicht machen. Und ich bin eben einfach der Machen-Typ. Voll und ganz. Einhundert Prozent.

Was mache ich also jetzt, wenn ich sage ich arbeite daraufhin…

Der Job auf den ich mich hier beworben habe, ist an der Rezeption eines Resorts an der Westküste Australiens. Und weil es schon hieß, dass das hier am Arsch der Welt ist (Arse of the World gibt es übrigens nicht als englischen Ausdruck, ebensowenig wie with the head through the wall… sehr enttäuschend), hatte ich als „Vorgabe“, dass sich auch ein Job für meinen Steve finden müsste. Gesucht war eigentlich eine erfahrene Rezeptionistin. Ja… ich war nicht erfahren und hatte dann auch noch Ansprüche. Aber irgendwie… Ich bekam eine Antwort per e-Mail. Und die Bitte um ein Telefonat. Und da habe ich anscheinend überzeugt. Oder es gab nicht genügend andere Bewerber oder die waren einfach noch schlechter als ich oder sie haben uns wirklich nur genommen, weil sie Steves handwerkliche Erfahrung haben wollten. Keine Ahnung, auf jeden Fall arbeiten wir jetzt hier. In Monkey Mia an der Westküste Australiens.

Ich als Rezeptionistin und er als Hausmeister und Gärtner.

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In den ersten eineinhalb Monaten arbeitete ich auch einmal wöchentlich im Restaurant aber ich hasse es einfach, wenn ich in etwas nicht perfekt bin, in dem ich super leicht perfekt sein könnte. Aber mit einer Frühstücksschicht alle zwei Wochen und einer Abendschicht in den Wochen dazwischen.. wie soll denn da eine Routine reinkommen? Theoretisch kann ich genau aufzählen, was ich wann machen muss und worauf achten etc. Aber … es gibt eben keine Routine und dann unterlaufen mir kleine Fehler und das hasse ich ohne Ende. Also macht mir das natürlich keinen Spaß und man ist irgendwie trotzdem k.o. und hat keine Lust auf etwas anderes und wartet den ganzen Tag darauf, dass die Schicht anfängt (oder aufhört). Nein, danke. Und ich war endlich mutig genug zu sagen: Bitte teilt mich nicht mehr ein. Mein Vertrag hier sagt nämlich offiziell, dass ich vier Tage die Woche in der Rezeption, und einen Tag im Restaurant arbeite, um auf genügend Stunden zu kommen. Allerdings ist einfach immer etwas los, dass ich fünf oder manchmal sogar sechs Tage die Woche in der Rezeption arbeite und auch wenn es mir wirklich Spaß macht … ich bin ein Mensch, der noch andere Sachen machen will. Ich brauche Zeit für mich, Zeit für Sport, Zeit zum französisch Lernen (hilft mir mit meinem b&b), Zeit zum Aufräumen und Kochen und Zeit für meinen Steve und Zeit am Strand…

Das neue Jahr wird wieder ruhiger, weniger Gäste und deswegen auch weniger Überstunden. Also habe ich endlich diese Zeit, die ich brauche und fühle mich schon viel befreiter und lockerer und lebendiger. Deswegen kann ich sagen: ich bin glücklich. Ohne Einschränkung. Ohne aber.

 

Und das eigentlich traurige ist, dass ich diesen Beitrag vor einem Monat geschrieben habe und letztendlich doch keine Zeit hatte, mehrere Beiträge zu verfassen und euch endlich auf dem Laufenden zu halten. Aber heute, heute bin ich wirklich Autorin. Und warum es einen Monat gedauert hat ist auch einfach zu erklären. Anstatt vier Tage Rezeption und drei Tage frei hatte ich sechs Tage Rezeption und einen Tag frei. Und den habe ich eben wirklich nur zum Ausruhen gebraucht!